Ideen brauchen keine Waffen, wenn sie die großen Massen überzeugen können. Fidel Castro

Wer dem Propheten bedingungslos folgt, lebt totalitär

Zweimal Tilman Nagel! Sein wegweisendes Werk „Was ist der Islam?“, jüngst vorgelegt, ist zu Rate zu ziehen, wann immer Fragen zu dieser Religion aufkommen. In einer vielbeachteten Rezension des neuen Sarrazin-Buches „Feindliche Übernahme“ hat Nagel sodann seine überragenden Kenntnisse erneut unter Beweis gestellt. Und er hat damit zugleich die Kernthesen seines eigenen Werkes untermauert.

Den Islam prägt seit rund 14 Jahrhunderten eine enge Verknüpfung von Religionsausübung und Herrschaft, und zwar weit intensiver und bindender, als das in allen anderen Weltreligionen der Fall ist. „Der Islam erhebt den Anspruch, für jeden Menschen die einzig wahre und ewig gültige Beziehung zum Göttlichen zu stiften.“ Mit diesem nüchternen Satz beschreibt Tilman Nagel den totalen Herrschaftsanspruch der muslimischen Weltreligion. Und er fährt, gleich im ersten Kapitel, mit einer Aussicht fort, die für das heutige, demokratisch-rechtsstaatliche System pures Dynamit ist: „Die gegenwärtige politische Ordnung der Welt orientiert sich am Prinzip des Territorialstaates, das der westlichen Kultur entstammt und den islamischen politischen Ordnungsvorstellungen zuwiderläuft.“

Hier sei dem Rezensenten gleich ein Einschub gestattet, denn diese knappen Sätze können erklären, warum es weltweit muslimische Terrorgruppen gibt, die über Staatsgrenzen hinweg agieren. Und mehr noch: Es muss die Frage erlaubt sein, wessen Spiel diejenigen, die hierzulande die staatliche Integrität zurückdrängen wollen, eigentlich spielen. Ob im linken politischen Spektrum ein Bewusstsein dafür vorhanden ist, dass linkes Denken – das selbstredend hierzulande erlaubt ist und zum politischen Diskurs gehört – längst nicht mehr irgendeiner Befreiung dient? Bevor hierzulande islamischer Einfluss an Macht gewonnen hatte, mag „links“ noch Freiheit bedeutet haben, an die Zeiten von 1968 sei zum Vergleich erinnert. Aber längst bedeutet die Auflösung der Ordnung, dass nahtlos der Islam alles übernimmt, was ihm an loser Struktur überlassen wird. Ein Besuch in der Kölner Moschee, jüngst vom zu den Muslimbrüdern tendierenden Diktator der Türkei eingeweiht, mag zur Illustration dieses Gedankens hilfreich sein.

Von der Unvereinbarkeit mit dem Westen

Zurück zu Tilman Nagel, zurück zur Verknüpfung von weltlicher Herrschaft mit der einen, einzig legitimen Religion – aus muslimischer Sicht, wohlgemerkt: „Diese Verknüpfung vor allem ist es, die die Unvereinbarkeit des Islams mit der europäischen Zivilisation verursacht und nicht nur die Sache einer radikalen Minderheit von Muslimen ist, sondern die Mentalität der breiten Masse prägt: Eine vollgültige Ritualpraxis, der Kern der islamischen Religiosität, ist nach Überzeugung der Muslime nur in einem vom Islam beherrschten Gemeinwesen denkbar“, schreibt der überaus kundige Islamwissenschaftler. Und diese Erkenntnis gilt sowohl für sein eigenes, monumentales Werk wie für das etwas weniger in den Tiefen der Quellen gegründete, aber höchst umsichtig und weltkluge neue Buch von Thilo Sarrazin.

Nagel weist weiter darauf hin, dass der Islam auch im Privaten den Menschen weit mehr bindet als in der bloßen Religionsausübung: „Selbst elementare Regungen des Menschen wie Liebe und Haß müssen laut dem Koran gemäß der Zugehörigkeit zum Islam konditioniert werden; niemals begegnen sich Muslime und Andersgläubige bzw. Atheisten auf der gleichen Ebene.“ Völlig unverständlich ist es angesichts derartiger Aussagen ausgewiesener Fachleute, dass in großen Teilen der deutschen Öffentlichkeit beharrlich ausgeblendet wird, dass wir das seit spätrömischer Zeit christlich beeinflusste und dadurch entscheidend geprägte Europa im wahrsten Sinne nicht wiedererkennen würden, wenn der Islam hierzulande an Einfluss gewänne. Die Entwicklung der Türkei mag dafür ein lebendiges Beispiel sein; eines der beiden wichtigsten Zentren christlicher Weltanschauung und Glaubensausübung war einst das herrliche Konstantinopel, von dem seine Eroberer seit 1453 nur das heutige Istanbul übriggelassen haben. Zwar eine Metropole, doch auf brutale Weise entchristlicht. Eine Menschheitstragödie.

Doch Istanbul ist sozusagen überall, wenn es um die Islamisierung geht. Der überaus profilierte Wissenschaftler Nagel schreibt weiter über Sarrazins Werk: „Es ist eine reich belegte Tatsache, dass in den islamischen Staaten die Bevölkerung schneller wächst als in vergleichbaren nichtislamischen Staaten, dass die Leistungen der Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen erschreckend gering sind, dass Presse- und Meinungsfreiheit stark gefährdet oder nicht existent sind, dass erhebliche Ressourcen für die Unterwerfung der Bevölkerung, vor allem der nichtmuslimischen Minderheiten, unter islamisch legitimierte Despotien verschwendet werden.“ Diese Mängel sind laut Nagel keinesfalls aus der Botschaft des Korans zu begründen, aber er verweist auf eine „Koinzidenz dieser Mängel mit der Propagierung des Ideenguts des Korans und mit dessen die Mentalität der Massen prägenden Wirkungen“. Und in seinem eigenen Werk liefert er noch umfangreicher als Sarrazin Quellen und auch Belege für seine Thesen.

Von der völligen Unterwerfung

Dem Muslim werde, so Nagel, die Unterwerfung unter ein von Allah gegebenes und allein schon deswegen als vollkommen und unveränderlich definiertes System der Daseins- und Weltdeutung abverlangt; gegen den Verzicht auf eigenständiges Denken und Streben tausche er für sich den Hochmut des stets Rechthabenden ein, dem es nicht mehr gegeben ist, sich auf ein anderes, nichtislamisches Niveau herabzulassen. Die Folge davon beschreibt Nagel kurz und bündig: „Wissenschaften, Technik, darstellende und bildende Künste vermochten sich nicht zu entfalten und blieben, seitdem sie aus dem Westen importiert wurden, auf dem Niveau unbeholfener Nachahmungen.“ Und wie in der westlichen Kultur wird auch im muslimischen Bereich die Grundlage bereits in der Kindheit gelegt: „Das muslimische Bildungsideal, das erklärtermaßen in der Unterwerfung der Gesellschaft und aller ihrer Glieder unter Allah besteht, hemmt in entscheidendem Maße die Offenheit für Erkenntnisse, die nicht durch die islamischen autoritativen Texte, den Koran und die Prophetenüberlieferung (Hadith), legitimiert sind.“ Mit diesem letztgenannten Zitat erklärt Nagel zwar, was Sarrazin schreibt. Aber auf eine noch weit ausdifferenziertere Weise erklärt er es selbst genauso in seinem eigenen Buch. Und dort untersucht er auch, darin noch weit über Sarrazin hinausgehend, alle Lebensbereiche auf sorgfältigste Weise.

Hören wir Nagel noch ein wenig weiter zu: „Verschärft werden diese Nachteile durch das in den islamischen Gesellschaften obwaltende Verhältnis der Geschlechter, dessen Grundzüge ebenfalls im Koran als Allahs Wille festgelegt sind. So wie dem fürsorgenden Allah das Diesseits untersteht, so untersteht die Frau dem Mann; er hat für ihren Unterhalt zu sorgen, und sie schuldet ihm Gehorsam, nicht zuletzt in sexueller Hinsicht. Es ist die Sache des Ehemannes, seinen ‘Acker’ nach Belieben zu ‘bestellen’ (Sure 2, 223).“ Aufgeklärten Menschen, die schon länger in Deutschland leben, wie es heute so schön heißt, sei dazu erklärt: Der „Acker“, das ist die Frau. Mit dem „Bestellen“ ist ungeschützter Geschlechtsverkehr gemeint, und zwar wann immer und so oft der Mann es will.

Nagel weist auf den „Kriegsindex“ des Soziologen Gunnar Heinsohn hin, den auch Sarrazin zitiert: Das Verhältnis von jungen Männern (15 bis 20 Jahre alt), die für ihre Zukunft planen müssen, zu den alten (55 bis 60 Jahre alt), die im Begriff stehen, ihren Platz für die jungen zu räumen, beträgt in Europa 0,8, in Afghanistan hingegen 6,0, im Irak 5,8, in Syrien 4,1. Nur ein Bruchteil der jungen Männer in diesen Ländern hat demnach die Aussicht, die Stellung der Väter zu erreichen. Nagel dazu knapp: „Das Konfliktpotential, das sich aus diesem Sachverhalt ergibt, wird sich ein ums andere Mal in zerstörerischen Unruhen entladen.“

Von der Ohnmacht und heilloser Schönfärberei

Auch zur Zuwanderung äußert sich Nagel, und seine Fragen beantwortet er selbst, am ausführlichsten in seinem eigenen Werk: „Mit welcher Lebensperspektive kommen diese Menschen? Mit derjenigen, die sie mitbringen: Sie sind überzeugt, als Muslime im Besitz der endgültigen Wahrheit zu sein, die sie dem Westen einpflanzen müssen; sie finden nicht zuletzt wegen der völlig mangelhaften Bildung nur schwer oder gar nicht Anschluss an die aufnehmende Gesellschaft, was für die Zuwanderer freilich nicht schlimm ist, denn sie werden gut versorgt und finden in den wachsenden Parallelgesellschaften die Geborgenheit unter ihresgleichen.“

Wie antworten die aufnehmenden Gesellschaften in Europa, insbesondere in Deutschland, auf diese Herausforderung? Mit Ohnmacht und haarsträubender Schönfärberei, meint Nagel: „Es bleibt nur noch ein freilich schwer zu benennender Bedarf an Sozialarbeit und Sozialhilfe, und dann wird sich herausstellen, welch gewaltige Bereicherung die Zuwanderung bedeutet.“ Immer größer wird die Gruppe derer, die mittels der Flüchtlingsbetreuung ihr Geld verdienen. Aus einem recht starken Zustrom an Migranten ziehen sie einen wirtschaftlichen Vorteil. Das ist, was unter „gewaltiger Bereicherung“ zu verstehen ist!

Sarrazin führt aus, dass religiös gefärbte Unruhen in Europa fast ausschließlich von Muslimen ausgingen, und plädiert dafür, das Verhältnis des Staates zu den Religionen neu zu bestimmen und dabei der Säkularität das entscheidende Gewicht zuzugestehen. Denn nur so könne verhindert werden, dass die freiheitlich-demokratische Gesellschaft durch einen rasch wachsenden religiös geprägten Fremdkörper aus den Angeln gehoben werde. Nagel stimmt ihm darin zu.

Von der Lehre der Geschichte

Eine deutliche Warnung schreibt Nagel sodann in seiner Rezension zu Sarrazin, und sie könnte wie eine Überschrift über seinem eigenen Werk stehen: „Es gibt in der Geschichte kein Beispiel dafür, dass in Regionen islamischer Herrschaft nicht die Verbindlichkeit der Scharia durchgesetzt worden wäre, und wo sie im Zuge der Anpassung an die westliche politische Zivilisation zurückgedrängt wurde, wird sie seit mehreren Jahrzehnten wieder als Quelle aller Normen angesehen, sei es offen oder informell.“

Konkret sei, um diese These zu verifizieren, der Blickwinkel geöffnet nach Teheran, wo im Jahre 1979 Ayatollah Chomeini die Macht an sich riss. Was folgte, ist bekannt. Oder nach Malaysia, wo bis vor wenigen Jahrzehnten eine offene Gesellschaft herrschte, in der zwar Moslems die Mehrheit stellten, was aber nicht im Vordergrund des Miteinanders stand. Seit wenigen Jahren ist das ganz anders. Malaysia ist zur streng muslimischen Diktatur geworden. Durch Parlamentsbeschluss sind, um ein Beispiel zu nennen, alle dort geborenen Kinder Moslems. Sind die Eltern Christen und lassen sie ihr Neugeborenes taufen, so verstoßen sie gegen staatliche Gesetze, die im Kern aber muslimische Gesetze sind. Die Strafen sind, dem Prophet sei Dank, drakonisch. Vor diesem Hintergrund kann das Urteil über beide Bücher – Nagel wie Sarrazin – nur lauten: Pflichtlektüre! Und hoffentlich kommt die Warnung gerade noch rechtzeitig, damit unsere Enkel das Land, in dem wir heute leben, überhaupt noch wiedererkennen.

„Das eigene Interesse definieren und dazu stehen“, lautet die Zusammenfassung der dringenden Empfehlungen, die sich aus der unkontrollierten Einwanderung von Menschen aus der islamischen Welt ergeben nach Tilman Nagel. In seiner Sarrazin-Rezension schreibt Nagel weiter, dass „diese Einwanderung aufgehalten werden müsse; nur solche Personen dürften dauerhaft Zutritt zu Deutschland erhalten, die zu der berechtigten Hoffnung Anlass geben, dass sie ihren Lebensunterhalt selber erarbeiten können“. Jedoch: „Davon unberührt bleibt das im Grundgesetz verbriefte politische Asyl, das freilich nur denjenigen gewährt werden darf, die tatsächlich politisch verfolgt sind.“

Chapeau, Herr Professor Nagel! Aber ob Ihre Worte Gehör finden? Davon hängt unsere Zukunft möglicherweise ganz wesentlich ab.

Tilman Nagel: Sarrazins Wahrheiten über den Islam, Weltwoche, 3. Oktober 2018. Diese Rezension war gestalterische Grundlage für die hier vorgelegte Synopse.

Tilman Nagel: Was ist der Islam? Grundzüge einer Weltreligion, Duncker & Humblot Berlin, 2018, 694 S., gebunden, Euro (D) 39,90, ISBN 978-3-428-15228-5

Thilo Sarrazin: Feindliche Übernahme. Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht, Finanzbuchverlag München, 3. Auflage 2018, 450 S., gebunden, SU, Euro (D) 24,99, ISBN 978-3-95972-162-2

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Sebastian Sigler: Auch in Deutschland lauert der Hass

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