Kartellverband und Widerstand

von Sebastian Sigler2.08.2018Gesellschaft & Kultur, Wissenschaft

20. Juli 1944. Das Stauffenberg-Attentat macht den Widerstand gegen Hitler schlagartig offenbar, unbarmherzig lässt Roland Freisler hinrichten. Kaum bekannt: Etliche Widerstandskämpfer gehören seit Uni-Tagen diversen Studentenverbindungen an. Unter denen, die Hitler töten wollen, sind einige prominente Corpsstudenten. Die größere Zahl der Opfer kommt indes aus religiös orientierten Verbindungen.

_Roland Freisler (schreiend): „Bald werden Sie in der Hölle sein!“
Der KVer Josef Wirmer (ruhig): „Es wird mir ein Vergnügen sein, wenn Sie bald nachkommen, Herr Präsident!“_

Die Mitglieder religiös gebundener Korporationsverbände, die unter die Widerstandskämpfer einzureihen sind, verdienen besondere Beachtung. Allein das Bekenntnis zum christlichen Glauben reichte im Regime des Nationalsozialismus, um verfolgt zu werden. Den Nationalsozialisten war bewußt, daß der gelebte Katholizismus und auch die strikt protestantische Bekennende Kirche mit ihrer Ideologie absolut unvereinbar waren. Beide Konfessionen haben ihre Widerstandskämpfer. Die katholische Seite war in der Gesellschaft insgesamt wohl ein gutes Stück weniger vereinnahmt, hier finden sich besonders viele Zeichen des Widerstands. Die ebenso im Brennpunkt stehende Bekennende Kirche bildete innerhalb des Luthertums eine Minderheit; mit Männern wie Dietrich Bonhoeffer, der der Tübinger Verbindung A. V. Igel angehörte, besitzt sie aber ebenfalls leuchtende Vorbilder.

Die heutige Kolumne ist indessen den Mitgliedern katholischer Verbindungen gewidmet, die zum Widerstand gegen das NS-Regime zu zählen sind. Es sind besondere Menschen, denn Widerstandsbiographien sind im Gesamtkontext des deutschen Verbindungswesens die große Ausnahme, das sei hier ausdrücklich betont. Erst lange nach ihrer Studienzeit gerieten die meisten ins Fadenkreuz des NS-Regimes und des furchtbaren Präsidenten des Volkgerichtshofes, Roland Freisler, der übrigens seinerseits ebenfalls zeitweilig Mitglied einer Schwarzburgverbindung, der Alemannia Jena, war. Denn Mitglied einer Verbindung bleibt jeder Mann und jede Frau im Normalfall ein Leben lang, und deshalb ist auch immer wieder von „Studenten“ die Rede. Der hier vorgelegte Text stammt aus der Monographie Corpsstudenten im Widerstand gegen Hitler

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