Zu viele Länder folgen immer noch der alten Logik des Kalten Kriegs. Kumi Naidoo

Israel, Gott sei Dank!

14. Mai – Geburtstag! Grund zum Feiern, denn seit siebzig Jahren gibt es einen unabhängigen Staat Israel. Wie dankbar wir Gott sein können, dass es Israel gibt, versteht sich mit Blick auf die Geschichte von selbst. Wie dankbar wir aber dem Staat Israel sein dürfen, ist ebenfalls mit einfachen Bildern zu umschreiben. Ein bunter Strauß von Gedanken zum runden Jubiläum.

14. Mai 1948, Kunstmuseum auf dem Rothschild-Boulevard, Tel-Aviv-Jaffa. David Ben-Gurion tritt an das Rednerpult und proklamiert die Unabhängigkeit Israels. Er sagt darin: „Wir bieten allen unseren Nachbarstaaten und ihren Völkern die Hand zum Frieden und guter Nachbarschaft und rufen zur Zusammenarbeit und gegenseitigen Hilfe mit dem selbständigen jüdischen Volk in seiner Heimat auf. Der Staat Israel ist bereit, seinen Beitrag bei gemeinsamen Bemühungen um den Fortschritt des gesamten Nahen Ostens zu leisten.“ Etwas mehr als drei Jahre zuvor erst war das Vernichtungslager Auschwitz befreit worden. Dies war die historische Antwort, die Menschen jüdischen Glaubens in ihrer Verantwortung vor der Geschichte gaben. Und wer heute durch das Land reist, wer hinschaut, wer guten Willens ist, der sieht, dass diese Zusage eingehalten wird.

14. Mai 2018, Gazastreifen. Es war klar, dass es Gewalttäter geben würde, die den Tag mit hässlichen Bildern zu verunstalten versuchen. Die Gründe dafür sind so komplex wie verstehbar, die Gewalt ist ebenso vorhersehbar – aber moralisch verwerflich. Über 50 Menschen sterben, die Zahl der Verletzten übersteigt die 2.000 weit. Doch die Täter sitzen im Gaza-Streifen, die Verteidiger in Israel. 100 Dollar Honorar, Versprechungen, Gewalt: durch die Hamas werden Taktiken angewandt, in denen unbedarfte Menschen mit rhetorisch-raffinierten Methoden in aggressive Erregung gebracht und unschuldige Menschen in Lebensgefahr gebracht werden. Täter und Opfer werden anschließend genau umgekehrt dargestellt: die Verteidiger tragen schließlich Uniform. Die Verwerflichkeiten solcher Aufwiegelung Unbedarfter kann dabei naturgemäß hierzulande derjenige schwerlich erkennen, der insgeheim seine Sympathie der Antifa schenkt oder der eine klandestine Freude empfindet, wenn sich in Hamburg beim G20-Gipfel mordlüsterne Vermummte auf die Ordnungshüter stürzen. Vielleicht ist das so, weil er oder sie generell alle Uniformen hasst, denn der Großvater trug ja eine. Allerdings sah sie ganz anders aus als die der Israelis – sie war braun.

14, Mai 2018, Jerusalem. Die USA eröffnen ihre Botschaft in Jerusalem. Ein Schritt, der lange angekündigt, aber bislang nicht umgesetzt worden war. „Vor 70 Jahren hat David Ben Gurion die Unabhängigkeit erklärt”, sagte US-Botschafter David Friedman und blickt auf Jerusalem. „70 Jahre später gehen die Vereinigten Staaten endlich den nächsten Schritt.” Dieser historische Moment sei „dem Mut einer Person” zu verdanken: US-Präsident Donald Trump. „Israel ist eine souveräne Nation mit dem Recht, seine Hauptstadt selbst zu bestimmen”, ließ der so Gelobte mitteilen. „Wir haben in der Vergangenheit das Offensichtliche nicht erkannt.” Womit das Wesentliche gesagt ist.

14. Mai 2018, irgendwo in der Wüste. Parallel zur Eröffnung der neuen US-Botschaft und der Feier des 70. Jahrestags der Staatsgründung Israels hat Aiman al-Sawahiri, der Chef der Terrorgruppe Al-Qaida, alle Muslime abermals, wie schon so oft, zum Dschihad aufgerufen. Zum Krieg gegen Israel, denn in der Tat: der Islam kennt einen „heiligen” Krieg. Dem Gott der Juden und der Christen dagegen ist jeder Krieg ein Greuel. Zwar führen auch Christen Kriege, das ist unbestritten, auch welche zur Verteidigung ihrer religiösen Werte, aber eben nicht auf Befehl Gottes. Das ist der fundamentale Unterschied. – Doch Al-Qaida ist nicht die einzige tödliche Gefahr.

Israel macht der Welt ein Geburtstagsgeschenk

Der Islamische Staat begann vor wenigen Jahren sein zerstörerisches Werk im Nahen Osten. Gewiss, die Furie war nicht ohne Zutun westlicher Mächte zur vollen Größe gezogen worden. Gewiss, hier liegt eine große Verantwortung. Und doch waren es radikale sunnitische Moslems, die all die Grausamkeiten begingen, die unfassbares menschliches Leid auslösten, die unermesslich viele Kulturschätze vernichteten. Man stelle sich vor, die Milizionäre des Islamischen Staates hätten ungehindert auch durch Palästina ziehen können, so, wie sie es in der syrische Wüste taten. Wie sähe die Grabeskirche in Jerusalem heute aus, wenn sich – der Gedanke ist gar nicht so fern, wie er klingt – dort IS-Kämpfer verschanzt hätten? Kein Stein stünde mehr auf dem anderen!

Israel schützt nicht nur seine Grenzen, sondern auch alle Kulturdenkmäler, die sich auf seinem Staatsgebiet befinden. Und nicht nur die Denkmäler, sondern auch – und das vor allem! – die Menschen aller unterschiedlichen Glaubensrichtungen. Das ist eine enorme kulturelle Leistung, und unendlich dankbar muss die Menschheit den Israelis für diese Haltung sein. Was dagegen in einem muslimisch eroberten, völlig nach dem Koran gleichgeschalteten Land geschieht, mag uns der historische Westen Indiens lehren. Über 1.000 Kilometer hinweg ist am Indus, dem Fluss, der dem indischen Subkontinent seinen Namen gibt, kein einziges buddhistisches Bauwerk mehr zu entdecken, obwohl die umgebende, fruchtbare Ebene über rund 2.500 Jahre hinweg von einer ungeheuer reichen, ja überbordenden buddhistischen Kultur geprägt war. Kein Stein steht mehr! Die Indus-Ebene ist übrigens heute die zentrale Landschaft des Staates Pakistan, in dem das ganze Leben gleichförmig, gleichgerichtet, gleichgeschaltet wirkt, letztendlich: gleichgültig. Größer könnte der Kontrast zu Israel nicht sein!

Wo Milch und Honig fließen

Und fröhlich, bunt, israelisch ging’s auch beim Eurovision Song Contest 2018 in Lissabon zu. Unglaubliche 529 Punkte konnte Netta Barzilai, auf hebräisch נטע ברזילי, wenige Tage vor dem Geburtstag des Staates Israel mit ihrem Lied „Toy“ ersingen. Es ist eine verrückte Performance, und es ist auch ein zuverlässiges Abbild des heutigen Israel. Ein so buntes, schrilles und in jeder Hinsicht tolerantes Nachtleben findet sich kaum irgendwo sonst auf der Welt. Wie stilvoll oder angemessen so manche künstlerische Äußerung im Nachtleben Tel Avivs und anderer israelischer Städten zu sehen und zu bewerten sind – das steht dahin. Dass es diese Vielfalt geben kann, darum geht es! Nur wenige Kilometer von Eilat entfernt, der israelischen Bade- und Partystadt am Roten Meer, beginnt das Staatsgebiert Saudi-Arabiens. Das ist jenes Land, wo Frauen erst seit kurzem Auto fahren und – nur in männlicher Begleitung selbstredend – ein Fußballspiel anschauen dürfen. Hallo, grünlinke Hypermoralisten, kommt die Information an?

Sei’s drum. Israel ist, passend zum Geburtstag, bereits zum vierten Mal Gewinner des Eurovision Song Contest. Netta Barzilai mixt K-Pop und Hip-Hop mit orientalischen Klängen, dazu spielt sie auf der Loop-Box, zitiert also ihren eigenen Gesang, und gackert überdies wie ein Huhn. Doron Medalie and Stav Beger haben den Song geschrieben. Er ist auch eine Antwort auf die Me-Too-Debatte um sexuelle Belästigung in der Unterhaltungsbranche – und Netta, wie sich die Künstlerin kurz und bündig nennt, hat die vier Moderatorinnen, die sich in ihrem sexy Outfit überboten, zugleich desavouiert. Oder zumindest die Show gestohlen. Und in ihrer Dankesrede machte sie den Unterschied zu den islamisch-sunnitisch-konformen Nachbarn, von denen einige dem Staat Israel den Geburtstag nicht gönnen, unmissverständlich: „Danke, dass ihr den Unterschied gewählt habt; danke, dass ihr die Verschiedenheit feiert!“ Genau. Dass diese Verschiedenheit, die der Koran nicht kennt, in Israel möglich ist: Gott sei Dank!

Eines der ersten musikalischen Großereignisse, an das sich der Autor dieser Kolumne erinnert, ist der Grand Prix de la chanson d’Eurovision, wie der ESC früher hieß. Die Gruppe „Milk and Honey” intonierte 1979 „Halleluja“ – und Europa war bezaubert. Diese Gruppe sang von der Offenbarung Gottes, aber auch von ihrem Land, in dem Milch und Honig fließen. Wie es in der Bibel geweissagt ist. Und wie es wieder wahr ist, seit Angehörige der Religion, der dies von Gott in Aussicht gestellt worden war, ihr Land Israel pflegen und es bestellen. Sie tun das seit dem 14. Mai 1948 auch als unabhängige Nation, die von allen ewiggestrigen und heutigen Antisemiten und Mörderbanden frei ist und sich wehren kann. Gott sei Dank!

Lesen Sie auch die letzte Kolumne von Sebastian Sigler: Der Völkermord an den Armeniern war nur der Anfang

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