Ludwig-Erhard-Gipfel: Signale nach Berlin

Sebastian Sigler13.01.2018Medien, Politik, Wirtschaft

Jahr für Jahr versammelt der Ludwig-Erhard-Gipfel am Tegernsee die Politik-, Finanz- und Wirtschaftselite zum Jahresauftakt der Entscheider. Aus Sicht von Anlegern und Investoren, aber auch von Firmenlenkern von besonderer Bedeutung war dabei der Auftritt von Bundesbankpräsident Jens Weidmann. Der wiederholte seine Forderung nach einem konkreten Enddatum für die Anleihenkäufe der EZB.

Der Freiheitspreis der Medien 2018 in der Kategorie „Wirtschaft und Finanzen“! Dass diese hohe Ehrung für Bundesbank-Präsident Jens Weidmann wahrlich verdient ist, hat der Laureat erst in dieser Woche bewiesen. Seine Forderung nach einem Enddatum für die Billionen-Anleihekäufe der EZB war klar und eindeutig. Beifall erhielt er dafür nicht nur von den am Tegernsee versammelten Wirtschaftskapitänen und finanzpolitischen Entscheidern, sondern auch von seiner Laudatorin Ilse Aigner. Die bayerische Staatsministerin für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, übrigens eine Amtsnachfolgerin von Ludwig Erhard, ließ es sich nicht nehmen, direkt von den Marathonverhandlungen um eine große Koalition in Berlin in das Seeforum in Rottach-Egern zu eilen, um dem Bundesbankpräsidenten zu seiner im höchsten Maße verdiente Ehrung zu gratulieren.

Herzlich fiel die Gratulation für Weidmann aus, was angesichts der politischen Nähe nicht wundernimmt. doch auch die politische Aktualität ließ Aigner durchblitzen. Mokant merkte sie an, es sei mit gößtem Einsatz aller Kräfte der Union gelungen, angesichts von 45 Milliarden Euro an Steuerüberschüssen, die bis 2020 erwartet werden, die SPD von Steuererhöhungen abzuhalten. Das wissende Lächeln und Kopfnicken der Versammelten konnte sie als politische Bestätigung verbuchen. Ganz auf ihrer Linie war dann auch der Geehrte, Bundesbankpräsident Weidmann. Die Aussichten bei den Steuereinnahmen, bei den makroökonomischen Rahmendaten sowie für die Preisentwicklung sprächen, so sagte er, für eine baldige Rückkehr der Inflation auf ein Niveau, das für Preisstabilität hinreichend sei. Zwar würde durch einen Wegfall von EZB-Anleihenkäufen der Druck in diese Richtung abgeschwächt, aber es bedürfe der starken Anreize auch gar nich mehr. Daher sei es gerechtfertigt, die Anleihenkäufe mit einem klaren Ende zu versehen, „indem ein konkretes Datum gesetzt wird“.

Signal für die Freiheit der Märkte

Weidmann stand im EZB-Rat dem Anleihen-Kaufprogramm, mit denen die Euro-Wächter die Konjunktur anschieben und für mehr Inflation sorgen wollen, von Anfang an kritisch gegenüber. Am vergangenen Freitag konnte nun der oberste deutsche Notenbanker seine Auszeichnung beim Ludwig-Erhard-Gipfel am 12. Januar 2018 am Tegernsee in Empfang nehmen. Die Jury begründete dies mit seinem „mutigen Eintreten für Geldwertstabilität und die Verteidigung unabhängiger Zentralbanken vor dem Zugriff durch die Politik“. Jens Weidmann habe sich als unabhängiger Geist und Gestalter erwiesen, der seine Positionen mit hoher Sachkompetenz, klaren Wertvorstellungen, Autorität und Glaubwürdigkeit vertrete: „Sein fester innerer Kompass lässt ihn das seriöse Ziel der nachhaltigen Geldwertstabilität auch gegen den politischen Mainstream verfolgen.“ Den Freiheitspreis erhielt Weidmann in der Kategorie „Wirtschaft und Finanzen“, die Laudatio hielt Ilse Aigner, Bayerns Stellvertretende Ministerpräsidentin und Staatsministerin für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie.

Weidmann studierte Volkswirtschaftslehre an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Dabei absolvierte er Praktika im deutschen Wirtschaftsministerium, in der Banque de France und in der Zentralbank von Ruanda. Seine Promotion begann er 1993 bei dem Mannheimer Ökonomen Roland Vaubel und setzte sie an der Universität Bonn bei dem Geldtheoretiker Manfred J. M. Neumann fort, wo er sie 1997 mit dem Dr. rer. pol. abschloss. Zweitgutachter war der ehemalige Bundesbankpräsident Axel A. Weber, der damals eine Professur in Bonn innehatte.

Was könnte Weidmanns nächstes Ziel sein?

Sieben Jahre lang arbeitete Weidmann für die internationalen Währungsfonds, und als Nachfolger seines Bonner Lehrers Weber wurde er 2011 zum bis dahin jüngsten Präsidenten der Deutschen Bundesbank ernannt. Seit dem 2015 ist er zugleich Vorsitzender des Verwaltungsrats der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel. Als Präsident der Deutschen Bundesbank und Mitglied des EZB-Rates hat er mehrfach vor einer zu lockeren Geldpolitik und dem Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB gewarnt. Er gilt als aussichtsreicher Kandidat für das Amt des EZB-Präsidenten und damit die Nachfolge von Mario Draghi, dessen Amtszeit 2019 endet.

Bei der Ehrung mit dem „Freiheitspreis der Medien 2018“ tritt Weidmann zusammen mit dem FDP-Vorsitzenden Christian Lindner, der in der Kategorie „Politik“ geehrt wird, die Nachfolge von Michail Gorbatschow, dem Träger des Freiheitspreises 2016, und Reinhard Kardinal Marx, der 2017 ausgezeichnet wurde, an. Für die Finanzmärkte ist der amtierende Präsident der Bundesbank dabei ein echter Hoffnungsträger. Börsianer und Investoren haben sehr gut in Erinnerung, was er bereits in seiner Antrittsrede sagte: „In der Geldpolitik geht es um den Ausstieg aus den krisenbedingten Sondermaßnahmen sowie um eine klare Trennung der Verantwortlichkeiten von Geld- und Fiskalpolitik.“ Und er ist bekannt für seine unaufgeregte Konsequenz – was er ankündigt, setzt er auch um. Sollte also Weidmann in zwei Jahren wirklich die Draghi-Nachfolge antreten, würde seinen Worten enormes Gewicht verliehen.

_Aktuell zu diesem Thema berichtet auch Ihre_ “*BÖRSE am Sonntag*”:http://www.boerse-am-sonntag.de/spezial/artikel/ludwig-erhard-gipfel-signale-nach-berlin-9046.html.

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