Wachwechsel bei der Fed

Sebastian Sigler2.11.2017Politik, Wirtschaft

Im Februar 2018 steht der Wachwechsel bei der mächtigsten Notenbank an. Der sehr erfahrene Bänker Jerome Powell wird Janet Yellen als neuer Fed-Chef nachfolgen, wie US-Präsident Donald Trump bekanntgab. Die Marktteilnehmer erwarten Kontinuität, und allein schon das ist in Zeiten eines US-Präsidenten Donald Trump eine nicht unbedeutende Meldung. Was aber, wenn eine Rezession droht?

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Es scheint fast, als habe der zukünftige Fed-Präsident keine Lust auf seinen neuen Job.Jüngst äußerte er: „Es ist ein undankbarer Job, bei der Fed zu arbeiten. Die Notenbank wird ständig kritisiert, von Politikern, den Märkten, manchmal sogar von anderen Notenbankern, der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der OECD.“ Und diese Kritik komme, obwohl die Fed in den Jahren 2008 und 2009 „die Welt gerettet“ habe. Der gelernte Jurist Powell dürfte wissen, wovon er spricht, sitzt er doch schon seit fünf Jahren im Board of Governors, dem Führungsgremium der Fed in Washington. Er gilt wie Yellen als Vertreter einer moderaten und abwägenden Geldpolitik. „Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass er auf die Pauke haut“, sagte zum Beispiel der CNN-Experte Dylan Ratigan.

Kontinuität also. Das bedeutet für die Finanzmärkte, dass der von Fed-Chefin Janet Yellen eingeschlagene Kurs der allmählichen Zinserhöhungen fortgesetzt werden dürfte – die Vorlage für die neue Präsidentschaft der Fed dürfte im Dezember mit einem abermaligen Zinsschritt erfolgen. Zum dritten Mal in diesem Jahr würde der US-Leitzins dann steigen, und das wohl wieder um einen Viertelprozentpunkt, auf eine Spanne zwischen 1,25 und 1,5 Prozent. 2018 könnten drei weitere Zinsschritte folgen, bei gleichzeitigem, sich steigerndem Tapering. Soweit zur erwartbaren Routine.

Doch Powell nimmt eine Hypothek mit in seine Amtszeit. US-Präsident Trump verweigerte trotz erfolgreicher Arbeit der Fed-Chefin, die den US-Demokraten nahesteht, eine zweite Amtszeit. Im Jahre 1979 passierte ein solcher Affront letztmalig. Umso mehr Vorsicht wird Powell, der Jura und Politik studierte, walten lassen. Der neue Mann an der Fed-Spitze hat Republikaner-Stallgeruch, er arbeitete als Investmentbänker und Anwalt in der Hochfinanz. Acht Jahre lang war er Partner der privaten Beteiligungsgesellschaft Carlyle. Unter dem Präsidenten George Bush senior diente er zu Beginn der 1990er Jahre in führenden Positionen im amerikanischen Finanzministerium. Schließlich arbeitete er für eine überparteiliche Denkfabrik in Washington, bevor ihn Barack Obama in die Führung der Notenbank berief. Dessen Nachfolger im Weißen Haus irritiert das nicht: „Stark, schlau und engagiert“, nennt er seinen Mann für die Fed-Spitze.

Ob Trumps Mann auch Krisen meistern kann?

Janet Yellen und auch ihr Vorgänger Ben Bernanke waren, anders als Powell, Wirtschaftswissenschaftler mit hoher Reputation, sie beherrschten mathematische Analysen und Instrumente routinemäßig. Nicht deswegen, sondern wegen anderer politischer Akzentsetzung dürfte es in naher Zukunft gleichwohl einen Unterschied in der Führung der Fed geben. Powell steht einer Deregulierung des Bankensektors in den USA recht positiv gegenüber, weit eher als bislang Yellen. Eine neue Finanzkrise fürchtet er offenbar nicht: „Das Nachkrisen-Reformprogamm ist weitgehend abgeschlossen und war im Wesentlichen erfolgreich. Ich denke, es ist jetzt unsere Pflicht, (…) zurückzuschauen und uns zu fragen, welche Aspekte überflüssig oder ineffizient sein könnten.“ Ob ihm diese Haltung indes helfen wird, wenn die Zeichen auf Rezession stehen, dar füglich bezweifelt werden. Und ob der gelernte Jurist die Mathematik der Finanzmärkte beherrscht, wird sich dann zeigen.

Darauf, dass Powell lediglich die Zinsen und das Tapering erhöhen und die Normalität zurückbringen wird, sollte sich angesichts der aktuellen Lage niemand verlassen. Denn immer deutlichere Warnzeichen deuten in der Tat auf eine Rezession in den USA hin. Wann sie kommt, weiß niemand – und der Auslöser ist natürlich ebenso unbekannt. Was hingegen sicher ist: die Börsen werden mit heftigen Ausschlägen nach unten reagieren. Das wäre an sich kein Marktphänomen, dem die Fed ratlos gegenüberstünde. Doch die Mittel der US-Notenbank werden diesmal sehr begrenzt sein – anders als 2008, anders als bei den weiter zurückliegenden Krisen. Zu wenig sind die Zinsen seit ihrem historisch niedrigen Niveau gestiegen. Und langsam nur kann das Tapering Wirkung entfalten, denn ein Berg von 4,5 Billionen Euro, die in Anleihen festliegen, ist abzutragen. Und würde die Powell die Bilanz der Fed gar wieder ausweiten, dann wären alle Zusagen, die die jetzige Präsidentin gab, Makulatur. Den damit einhergehenden Verlust an Glaubwürdigkeit könnte Powell schwerlich aufholen.

Vielleicht ahnt Powell, was ihn erwarten könnte. Die aufgehäuften 4,5 Billionen US-Dollar wieder aus der Bilanz der Fed herauszukriegen, das ist eine Herkulesaufgabe. Vielleicht ist es die Position des Aufräumers, ja, des Ausputzers, die erfahrenen Bänker derzeit augenscheinlich so wenig Lust verspüren lässt, Nachfolger von Janet Yellen zu werden.

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