Unternehmer werden zwar gebraucht, aber nicht mehr bewundert. Das war früher anders. Ehrhardt Bödecker

Trump: Was Investoren (nicht) erwarten dürfen

100 Tage ist Donald Trump als 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika im Amt. Nach anfänglicher Euphorie macht sich Ernüchterung breit. Und was sagt er selbst? „I thought this would be easier.“ Ein bemerkenswert offenes Eingeständnis. Speziell an den Finanzmärkten herrschten zunächst extrem hohe Erwartungen vor; die Ausichten sind inzwischen aber nur noch „heiter bis wolkig“.

usa wall-street donald-trump

Vergessen Sie, liebe Leser, die 100-Tage-Show, die US-Präsident Donald Trump aus Anlass seines Mini-Jubiläums in Harrisburg, Pennsylvania, abzog. Seine ersten 100 Tage nannte er selbst die erfolgreichsten der US-Geschichte. Derartiges spricht für sich. Zielführender dürfte eine abgewogenere, etwas distanziertere Betrachtung sein. Und die bietet der Präsident selbst auch an, denn er reflekiert offenkunfig auch: zum Beispiel in einem Intrview, das verschiedene US-Medien brachten. „I thought this would be easier.“ Das ist der griffigste Satz, und der lässt tief blicken, zumal er mit der Spezifizierung verbunden war, dass das Amt viel mehr Arbeit mit sich bringe, als Trump gedacht habe.

Kundige Beobachter überrascht dies nicht. Weder im Tonfall noch von den nicht umgesetzten Versprechen her. „Nach 100 Tagen im Amt prallt die politische Realität auf die von Präsident Trump geschürten Erwartungen. Während er an seinen Vorstellungen festhält, dürfte sich deren Umsetzung wahrscheinlich zögerlich gestalten“, meint dazu Neil Dwane, Global Strategist von Allianz Global Investors in der BÖRSE am Sonntag.

Wie sieht die Bilanz also aus?

Zu den Projekten, die später realisiert werden, gehören demnach marktfreundliche Kernelemente der „Trumponomics“ wie Steuerreform und Infrastrukturausgaben, in denen die Unterstützung des US-Kongresses von entscheidender Bedeutung sein wird. Zwei große Niederlagen hatte er in dieser Zeit zu verkraften: Obamacare konnte erstens nicht ersetzt werden. Zweitens ist sein per Dekret verfügter Einreisestopp für Reisende aus bestimmten muslimischen Ländern gleich zweimal vor Gericht gescheitert.

Die ARD sieht Donald Trump nach 100 Tagen bei 39 Prozent Zufriedenheit – bei Barack Obama lag dieser Wert zum gleichen Zeitpunkt bei 64 Prozent. „Ich mag Arbeit, aber das hier ist wirklich ein ganzer Haufen Arbeit“, klagte der Trump. Das jüngste Interview mit ihm ist deshalb so bemerkenswert, weil der Präsident damit offen zugibt, dass er auf seinen Job nicht wirklich vorbereitet war.

100 Tage: Widerstände und Verzögerungen

Bei seinem Amtsantritt hatte US-Präsident Trump seine Prioritäten für die ersten 100 Tage klar skizziert, wie Dwane feststellt. Nun, da dieser zeitlich Meilenstein erreicht ist, ist es Zeit, einen Blick auf die bisher tatsächlich erzielten Fortschritte zu werfen. Nach 100 Tagen seiner Präsidentschaft ist es unrealistisch zu erwarten, dass Trump in Bezug auf jede Dimension seines Programms schon Erfolge vorzuweisen hätte, doch dieser Meilenstein hat sich für eine erste Zwischenbilanz eines neuen Präsidenten etabliert.

Mit Donald Trump zogen hohe Erwartungen ins Weiße Haus ein, die er mit seinen vollmundigen Wahlversprechen erzeugt hatte. An den Finanzmärkten spiegelten sich diese hohen Erwartungen in Form von höheren Aktienkursen wider, die von der Aussicht auf Steuersenkungen und andere unternehmensfreundliche Maßnahmen des neuen Präsidenten angeheizt wurden. Schon bald aber traf Trump auf Widerstände, angefangen bei einem kämpferischen Kongress, der nicht die notwendigen Stimmen für die Außerkraftsetzung von „Obamacare“ aufbringen konnte. Mit seiner Niederlage musste Trump feststellen, was vor ihm bereits viele erfahren hatten: In der politischen Realität kann Fortschritt sehr langwierig sein.

Mit einer kühnen Vision ins Weiße Haus

Die Vision ist das eine, die Realität das andere. So haben viele der von Trump geplanten und angekündigten Maßnahmen bislang nur wenig Fortschritte gemacht. Die Unterstützung durch den Kongress scheint der Schlüssel zum Erfolg für viele von Trumps Initiativen zu sein; ohne sie dürfte es ihm schwerfallen, seine Agenda weiter voranzubringen. Alles ist im Fluss, und so scheint das noch eine Weile zu bleiben, fast überall. Als klaren Erfolg kann Trump fast nur die Durchsetzung seines Kandidatan für den Obersten Gerichtshof, Neil Gorsuch, werten

Aufschluss über die 100-Tages-Bilanz von Donald Trump kann eine nach Prozenten sichtbar gemachte Übersicht bieten. Für Anleger und Börsinaer besonders interessant ist dabei die Lage bei den „Trumponomics“. Dwane, der Allianz-Analyst, hat das gemacht. Die Verringerung des privaten Steuersatzes ist demanch zu knapp 50 Prozent umgesetzt, ein aktueller Vorschlag sieht Senkung des Steuersatzes bei gleichzeitiger Verringerung steuerlicher Abzugsmöglichkeiten vor. Die Reform erinnert an das, was einst Friedrich Merz vorschlug, als er die „Steuerreform auf einem Bierdeckel“ propagierte, und das ist wahrlich keine schlechte Idee gewesen!

Was heißt das für Anleger?

Die deutliche Verringerung der Körperschaftssteuer ist ebenfalls zur Hälfte umgesetzt. Sie soll die Unternehmensgewinne kräftig ankurbeln. Bei der Rückführung von Cash-Beständen sieht Dwane hingegen kaum Fortschritt, aber er rechnet auch nicht damit, dass diese Maßnahme deutliche Impulse für die US-Wirtschaft bringt. Auch die Effekte der Deregulierung, die Trump angekündigt hat, lassen demnach auf sich warten. Klar ist hingegen die Position des Allianz-Mannes zu Trumps Gesundheitspolitik: den Versuch der Abschaffung von „Obamacare“ sieht er als handfesten politischen Fehler.

Einige weitere Anhaltspunkte dafür, worauf Sie achten sollten, wenn Sie in den USA engagiert sind, bringt die BÖRSE am Sonntag. Clicken sie gern herein und lesen Sie auch, warum die Bayer AG von Trump profitiert und was sonst noch für die Aktie des Leverkusener Chemie-Giganten spricht.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Sebastian Sigler: Auch in Deutschland lauert der Hass

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