Die gefährlichste Stadt Deutschlands?

von Sebastian Sigler25.04.2017Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien

Beschaulich ist es in Trier, die Menschen fühlen sich sicher. Doch auf dem Papier ist die Geburtsstadt von Karl Marx die gefährlichste Stadt Deutschlands. Die Mosel-Metropole hat damit sogar Berlin von Platz 1 verdrängt. Aber was für Gesetzesverstöße sind es, die sich derart in der Statistik niederschlagen? Beim zweiten Lesen der Statistik offenbart sich eine Überraschung.

Trier wird von den dort lebenden Menschen gerne liebevoll und übrigens durchaus nicht unzutreffend als „älteste Stadt Deutschlands“ bezeichnet. Denn die Menschen fühlen sich dort sicher und profitieren von der vor 2000 Jahren mit den Römern beginnenden städtischen Kultur. Im vierten Jahrhundert nach Christus war Trier eine von drei Hauptstädten des Imperium Romanum, die ältesten christlichen Kirchen auf deutschem Boden sind hier zu suchen. Trier besitzt auch den ältesten Dom in Deutschland: seine Grundmauer und größere Teile der Wände und sogar einige Gewölbe sind Teile einer römischen Basilika, die ab dem Jahre 310 erbaut wurde.

Und diese Stadt soll nun der derzeit der gefährlichste Ort Deutschlands sein? Die Aktenlage, ein Vergleich der Einwohner-Statistik des Statistischen Bundesamtes mit der polizeilichen Kriminalstatistik 2016, ist eindeutig. Nirgends werden – im Vergleich zur Bevölkerung – mehr Straftaten begangen. Auf 115.000 Einwohner wurden im vergangenen Jahr 18.653 Straftaten erfasst. Dies entspricht 16.232 Fällen pro 100.000 Einwohner. In Berlin hingegen sind es 16.161 Fälle. Auf den weiteren Plätzen folgen Leipzig, Hannover, Frankfurt am Main, Bremen, Köln und Hamburg, Saarbrücken und Halle.

Während in den wirklichen Großstädten die Kriminalität rasant wächst, geht es im bayerischen Fürth relativ friedlich zu. Dort wurden 2016 lediglich 4.820 Straftaten erfasst. Es folgen mit deutlichem Abstand Erlangen und Reutlingen als Positiv-Beispiele in der deutschen Kriminalstatistik des vergangenen Jahres. Warum also sind in Trier, in einem vergleichbar beschaulichen Ambiente, soviele Straftaten zu beklagen?

Die Flüchtlingskrise – einmal mehr

Der Grund für die Zahlen ist in der rheinland-pfälzischen Landespolitik zu suchen. „In Trier wurde die einzige Aufnahmestelle für Flüchtlinge in ganz Rheinland-Pfalz eingerichtet“, erklärt der Trierer Polizeisprecher Karl-Peter Jochem. Alle Asylsuchenden, die nach Rheinland-Pfalz kommen, werden also zuerst einmal nach Trier gebracht. Und jetzt wird es bürokratisch: Wer Asyl sucht, beantragt vorher kein Visum, das ist völlig logisch. Damit verstößt der Migrant, der als Flüchtling anerkannt werden möchte, aber gegen gleich drei Gesetze: Aufenthalts-, Asyl- und Freizügigkeitsgesetz. 2016 erfasste die Polizei in Trier allein 9.090 solcher Fälle. Das entspricht 49 Prozent aller Straftaten in dieser an sich sehr beschaulichen Stadt.

Und damit noch nicht genug Bürokratie: „Wer ohne Visum eingereist ist, hat formal gegen das Gesetz verstoßen, wird aber in der Regel nicht strafrechtlich verfolgt. Denn er stellt ja einen Asylantrag“, erklärt der Polizeisprecher weiter. Diese Rechtsverstöße finden also nur auf dem Papier statt, schädigen oder ängstigen also nicht die Einwohner Triers, so wie dies etwa durch Einbrüche oder Gewaltdelikte geschehen würde.

Zieht man die 9.090 Verstöße gegen das Aufenthalts-, das Asyl- und das Freizügigkeitsgesetz von den insgesamt erfassten Straftaten ab, bleiben 9.563 Delikte übrig. Weil Trier rund 115.000 Einwohner hat, bleiben rechnerisch nur noch auf 8.322 Fälle je 100.000 Einwohner übrig. Trier steht damit im guten Mittelfeld der bundesdeutschen Großstädte – die unrühmliche Statistik ist formell zwar richtig, faktisch aber ist sie eine Verzerrung. Denn nur Rheinland-Pfalz lässt alle Migranten, die Asyl begehren, in einer einzigen Einrichtung landesweit sammeln. Alle anderen Flächenländer verteilen diese Last auf mehrere Einrichtungen.

Ein Musterfall von Bürokatie

Die aktuelle Migrationsbewegung verändert Deutschland stark. Natürlich kommen viele Flüchtlinge, und sie sind in aller Regel nicht nur friedlich, sondern auch um ein gutes Miteinander am neuen Ort bemüht. Längst nicht alle derjenigen, die angeben, geflüchtet zu sein, haben jedoch eine Geschichte zu erzählen, die den sorgfältigen und menschlich mitfühlenden Überprüfungen standhält. Die aktuelle Migrationskrise bietet eben nicht die Realität, die diejenigen sich wünschen, die in den Flüchtlingen neue Heilsbringer sehen, um aus ihrer eigenen, kleinen spießigen Weltsicht befreit zu werden. Hier ergibt sich eine große Diskrepanz.

Rund um die Migrationswelle heutiger Tage und auch in der Flüchtlingsbewegung sind Rechtsverstösse in großer Zahl zu beobachten, überall in Deutschland. Und hier hat die schiefe, verengende Statistik von Trier ein großes Verdienst: Hier wird diese große Herausforderung, hier wird die epochale Wandel exemplarisch deutlich. Überall in Deutschland geschieht es, in Trier sehen wir es nun wie durch dem Brennglas.

Die Trierer Bürger sind zu bedauern. Das haben sie nicht verdient! Ihre wunderbare Kulturstadt ist alles andere als ein Verbrechernest! Ob die Mainzer Landesregierung mit ihrer typisch sozialdemokratischen Bürokratie-Gießkanne das bedacht hat? Natürlich müssen die Migranten und auch die Flüchtlinge unter ihnen irgendwo aufgenommen werden. Die Folgen hat man in Mainz vielleicht nicht ganz überblickt, mag ja sein. Vielleicht sollte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidenten Malu Dreyer (SPD) demnächst einen Besuch im Trierer Dom abstatten und eine Kerze anzünden. Und um Verständnis bei den Bürgern Triers bitten.

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