Arabischer Richter: „Vergewaltigt? Selbst schuld!“

Sebastian Sigler18.06.2016Gesellschaft & Kultur

Eine Niederländerin ist in Doha, der Hauptstadt von Katar, vergewaltigt worden. Als sie Anzeige erstattete, wurde sie selbst festgenommen. Nun wurde sie zu einem Jahr Haft verurteilt. Begründung: Sie habe außerehelichen Geschlechtsverkehr gehabt. Für die Richter im arabischen Emirat Katar ist das in Ordnung – nach islamischem Recht. Und der Vergewaltiger durfte sein Opfer als „Hure“ brandmarken.

Damit hatte Laura, eine 22-jährige Niederländerin, nicht gerechnet. In einem Hotel in Katar war sie, als sie abends in einer Bar zu Gast war, unter Drogen gesetzt worden. Sie verlor das Bewusstsein und wachte in einer ihr unbekannten Wohnung mit zerrissenen Kleidern wieder auf – vergewaltigt. Das war im März. Sie erstattete Anzeige, wurde aber, anstatt Opferschutz zu erhalten, selbst abgeführt und inhaftiert. Seitdem saß sie im Gefängnis von Doha. Wegen außerehelichen Geschlechtsverkehrs.

Ein Justizirrtum? Nein, geltendes islamisches Recht! Und das war noch nicht alles: Der außereheliche Geschlechtsverkehr, und eine brutale Vergewaltigung ist eben auch ein Art des außerehelichen Geschlechtsverkehrs, führte nun zu Lauras rechtsgültiger Verurteilung zu einem Jahr Haft und zusätzlich einer Geldstrafe von über 700 Euro – ohne deren Begleichung sie das Land selbstredend nicht verlassen darf.

Die fremden Rechtsnormen

Wer das arabische Recht saudischer Prägung kennt, ist nicht überrascht. Eine Frau hat nach der strikten Auslegung dieser Ausprägung des islamischen Rechts keinen vollen eigenen Willen, kann letztendlich nicht über ihren Körper bestimmen. Das unumschränkte Recht über den Körper der Frau sprechen islamische Richter dagegen allein dem Mann zu. In der Ehe sowieso, aber in manchem Fall auch darüberhinaus, je nachdem, was der Mann glaubhaft macht. Wohlgemerkt: der Mann. Bei der Anwendung dieser Rechtsnormen berufen sich islamische Richter in letzter Konsequenz und oft auch ganz direkt auf den Koran.

Der Vergewaltiger hätte die Niederländerin demnach wohl nicht betäuben dürfen, das darf angenommen werden. Immerhin: er ist zu 100 Peitschenhieben verurteilt worden, was vom Strafmaß her unter einer Haftstrafe anzusiedeln ist. Eine Art verschärfte Verwarnung wegen einer Ordnungswidrigkeit, sozusagen, jedenfalls in Katar. Dieses Emirat ist dabei vom brutal-rückständigen Saudi-Arabien in etwa so unabhängig wie Liechtenstein von der Schweiz oder San Marino von Italien. Der schöne Schein mit Konsumtempeln, Yachtclubs und Rekord-Wolkenkratzern: alles Fassade, alles Blendwerk.

Das Recht des Mannes über den Körper der Frau

Aber gibt es unter islamischen Richtern für Vergewaltiger tatsächlich eine Rechtsgrundlage, über den Körper dieser Frau zu bestimmen? Ungläubiges Kopfschütteln bei westlichen Idealisten, die noch nicht innerhalb einer islamischen Gesellschaft gelebt haben, und sei es auch nur für wenige Tage. Hatte der Vergewaltiger in Doha dieses Recht wirklich? Die Antwort ist einfach. Wenn nicht jeder islamische Mann dieses Recht prinzipiell hätte, wäre die 22-Jährige Laura nicht zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden.

Islamisches Recht ist weit entfernt von den Werten der Gleichberechtigung Aller, die der Westen entwickelt hat. Wie weit, das ist dieser Tage in Katar deutlich geworden. Das Wort eines Mannes gilt im Islam generell so viel wie das dreier Frauen – im besseren Fall. Im Fall der Niederländerin Laura hat der Vergewaltiger, der Täter, sein Opfer sogar noch im Gerichtssaal beleidigt – ungestraft. Denn er hat nicht nur ausgesagt, dass der Sex einvernehmlich gewesen sei, er hat auch hinzugesetzt, die 22-Jährige habe von ihm Geld verlangt. Damit hat er sie als Hure beschimpft.

„Fickvieh!“

Bilder tauchen vor unserem inneren Auge auf. Bilder der Silvesternacht von Köln. Haben nicht auch die nordafrikanischen Sexualstraftäter, bis zu 1.000 an der Zahl, die jungen Frauen, die dort den Jahreswechsel feiern wollten, „Huren“ genannt? Und sie haben gerufen: „Du willst es doch auch!“ Das ist aus Sicht der streng nach dem Koran organisierten Gemeinschaft zwar vielleicht nicht allgemein üblich, aber doch völlig logisch. Denn weder in den streng muslimischen Gebieten Nordafrikas noch in Saudi-Arabien geht eine unverheiratete Frau vor das Haus, es sei denn, in Begleitung von männlichen Familienmitgliedern. Und selbstredend verschleiert, um die männlichen Gelüste nicht zu reizen. Eine Frau, die sich daran nicht hält, ist Freiwild. Der Begriff vom „Fickvieh“ mache in Kreisen nordafrikanischer Migranten die Runde, ist schon mehrfach zu hören gewesen, auch im Zusammenhang mit der Silvesternacht von Köln – es bleibt die Hoffnung, dass die entsprechenden Berichte vielleicht doch nicht wahr sind. Es wäre dann alles nur noch schlimmer als ohnehin erwartet.

Der aktuelle Fall Laura, das Urteil von Doha ist kein Einzelfall. 2013 hatte im Nachbarland Katars, in den Vereinigten Arabischen Emiraten, eine 24-jährige Norwegerin eine Vergewaltigung durch ihren Chef angezeigt. Auch sie wurde ihrerseits verurteilt, und zwar zu 16 Monaten Haft wegen unsittlichen Verhaltens und Meineids, ein Vorwurf des Alkoholkomsums verschärfte seinerzeit das Strafmaß. Später erst wurde sie begnadigt, aber das Urteil wurde nicht aufgehoben. Denn es ist nach islamischem Recht gültig und berechtigt.

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