Die zwei Hauptleidenschaften der Politik sind Angst und Hoffnung. Chantal Mouffe

Was für ein Hitler-Witz

Von „Volksverrätern“, „Lügenpresse“ und Flüchtlingen als „Viehzeug“ faseln? Für AfD-Mann Alexander Gauland ok. Aber wehe, du verarschst den Führer.

Er ist wieder da! Schön groß auf dem Titel der „Bild“ erschienen. Der Führer, wie er leibt und lebt. Fast. Das Haar ist zu lang und klebt, der Blick zu verkniffen, Profil und Bart stimmen auch nicht recht. Nein, Hitler ist nicht zurück, wir sehen nur Lutz Bachmann, den führenden Pegida-Mann. Und seinen Hitler-Witz.

Nicht jeder kann darüber lachen. „Herr Bachmann muss weg“, sagt Alexander Gauland, stellvertretender Bundesvorsitzender bei der AfD. Das ist ärgerlich für Herrn Bachmann, denn Gauland war einer der besten Freunde seiner Dresdner Demonstranten-Truppe. Bis jetzt!

Kurz nachdem in Paris 17 Menschen massakriert werden, klingt Gauland noch anders: „All diejenigen, die bisher die Sorgen der Menschen vor einer drohenden Gefahr durch Islamismus ignoriert oder verlacht haben, werden durch diese Bluttat Lügen gestraft“, sagt Gauland da. Und fügt hinzu: „Vor diesem Hintergrund erhalten die Forderungen von Pegida besondere Aktualität.“

Die etablierten Parteien sollten sich deshalb gut überlegen, „die Menschen von Pegida weiter zu diffamieren“. Kritische Worte zum Pegida-Vorsitzenden Bachmann waren da keine zu hören. Warum auch? Nur weil er mit seinen Leuten „Volksverräter“ und „Lügenpresse“ brüllt, gegen Asylanten hetzt, Flüchtlinge „Viehzeug“ nennt, oder ihm auf Facebook die NPD gefällt?

Nein, diese Dinge stören Alexander Gauland an einem Menschen nicht recht. Aber wehe, du verarschst den Führer. „Das ist das Ende von Bachmann in der Pegida, sonst würde ich nie wieder ein gutes Wort über Pegida sagen“, erregt sich Gauland jetzt.

Das zeigt aber nur, wie humorlos der AfD-Mann ist. Ich lache gern über Hitler, jeder sollte das tun. Bachmann hat Hitler nicht glorifiziert, sondern veralbert. Es gibt andere, bessere Gründe zu sagen: mit dem nicht. Sind Gauland aber nicht eingefallen.

„Ich kann doch nicht 20.000 Leute, die auf die Straße gehen, wegen der Dämlichkeit dieses einen Menschen ins Aus stellen“, sagt er jetzt. Doch, kann man. Aber nicht wegen eines dämlichen Hitler-Witzes, sondern wegen des ganzen anderen Krams, den Bachmann und seine Pegidas so von sich geben – und der die Demonstranten nicht davon abhält, diesen Leuten nachzubrüllen und nachzugehen.

Könnte man mal drüber nachdenken bei der AfD. Oder hingehen, wo der Pfeffer wächst.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Sebastian Pfeffer: Die lauwarme Partei

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