Weil ich es will

von Sebastian Pfeffer31.01.2013Gesellschaft & Kultur

Jung, deutsch und ohne Schuld. Das macht die Antworten auf die Fragen der Vergangenheit eigentlich sehr einfach.

Kein Ende der Erinnerung. Aber warum? Ist es nicht irgendwann gut mit der Schuld und dem Reden von gestern? Ja und nein.

Vor 80 Jahren stirbt die erste deutsche Demokratie, zwölf Jahre später wird Auschwitz befreit. „Dafür bin ich nicht verantwortlich“, sagen viele junge Deutsche heute. Der Satz ist formal so richtig wie banal, ein „no-brainer“ würden Engländer sagen. Niemand trägt Verantwortung für Verbrechen vor seiner Geburt, na klar. In der Banalität schwingt Haltung mit: „Dafür fühle ich mich nicht verantwortlich“, heißt: „weil ich nicht will.“ So gelesen, entlarvt dieser Satz. Denn natürlich kann sich jeder verantwortlich fühlen. Darüber müssen wir nachdenken.

Keine Gegenreaktionen erzeugen

Wie sollen wir jungen Deutschen mit der Vergangenheit umgehen? Die Frage hämmert seit der Schulzeit auf uns ein: Hitler, Juden, Holocaust – Geschichtsunterricht bestand aus wenig mehr, die Schuld saß immer mit am Pult. Den Lehrern, erwachsen aus einer Generation der Eltern-Ankläger, fiel eine klare Haltung leicht. Doch ihre Schüler kennen meist nur Opfer: Die Großeltern, Kinder und Jugendliche in einem Krieg, den sie nicht geführt haben; Uromas, die ihre Töchter und Söhne in zerbombten Städten durchfüttern mussten; Uropas, die sie nie kennengelernt haben. Da kann noch so oft Weltkrieg, Massenmord und Kollektivschuld an der Tafel stehen – aus abstrakter Schuld erwächst keine Verantwortung.

Das hat nichts mit dem deutschen „Opfermythos“ zu tun. Die Deutschen waren Täter, daran gibt es nichts zu rütteln. Doch die Sichtweisen verschieben sich, wie die Zeit verstreift. Die sicherste Methode, um bei jungen Menschen Gegenreaktion zu erzeugen, ist, ihnen zu sagen, dass sie Verantwortung übernehmen sollen für etwas, das sie nicht verschuldet haben. Oft kommen die Lehrsätze und Sonntagsreden aber genauso an.

Die Nachkriegs-Nachkriegs-Generation hatte es in diesem Sinne leichter: Schuld und Sühne waren klar verteilt: Täter hier, Opfer dort. Man konnte mit dem Finger auf ihre Gesichter zeigen. Und heute? Die Zeugen der Vergangenheit werden immer weniger. Noch etwa 200.000 Schoa-Opfer leben in Israel,

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