Irrationalität kann auch sehr positiv sein. Dan Ariely

Das Ende der Ehe

Die Gegner der Homo-Ehe behaupten gern, es ginge ihnen darum, das Besondere zu bewahren. Warum sehen sie die Ehe dann als so zerbrechlich an? Dann lieber: eingetragene Partnerschaft für alle!

Angeregt vom kleinen Inselvolk der Iren diskutiert auch das große Deutschland wieder über die Frage, wer wen heiraten darf.

Einer Mehrheit der Deutschen ist das inzwischen zwar egal, aber was wissen die schon, Stichwort: Werteverfall. Zum Glück gibt es noch Leute, die dem modernen Schnickschnack im Wege stehen. Wackere Männer und Frauen wollen den besonderen Wert der Ehe retten.

Das behaupten sie zumindest gern. Aber woher kommt dann diese Sorge, dass das Besondere flöten geht, sobald auch Männer Männer und Frauen Frauen heiraten? Wie könnten ein paar Schwule und Lesben die heilige Ehe zerstören?

Eben. In Wahrheit glauben diese Leute selbst am wenigsten an die große alte Institution. Kein Wunder! All die Seitensprünge, außerehelichen Kinder und Scheidungen haben ja kaum die „Homos“ gemacht.

Die Lebenslüge muss stehen

Vielleicht wären die sogar die besseren Eheleute, das könnte der Lüge von ewiger heteronormativer Zweisamkeit endgültig den Todesstoß verpassen. Deshalb verteidigen vor allem die ärgsten Ehe-Zweifler die Ehe bis aufs Messer. Die Lebenslüge muss stehen.

Wer dagegen wirklich an die Ehe glaubt, hat keine Angst vor Gleich und Gleich, der will sogar, dass sich möglichst viele Menschen an dieses Erfolgsmodell halten, bis zum Tode füreinander einzustehen.

Wenn aber selbst die letzten Befürworter eigentlich mit ihr fertig sind – sie ist eh so was von 20. Jahrhundert – lassen wir das einfach sein und machen uns ehrlich.

Für die, die wirklich wollen, kann es ja die Kirche tun. Vielleicht treten da dann auch mal wieder Menschen ein. Who knows?

Ich weiß: Meine Rechte sind nur so viel wert wie die der anderen. Dürfen die nicht ihr Männ- oder Weiblein heiraten, will ich auch keine Angetraute. Deshalb: Eingetragene Lebenspartnerschaft für alle!

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Sebastian Pfeffer: Die lauwarme Partei

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