Es gibt zwei Innovations-Zentren: Deutschland und die USA | The European

Innovation in Deutschland und in den USA. Wer kann es besser?

Sebastian Petrov13.11.2020Medien, Wirtschaft

Es gibt zwei Innovations-Zentren: Deutschland und die USA. Der Unterscheid zwischen den beiden Systemen besteht darin, dass Deutschland in der Gesamtbreite und die USA in der Spitze innovativ sind.

Zwei Bundesstaaten Flaggen von Deutschland und den Vereinigten Staaten, Quelle: Shutterstock

Deutschland belegt in internationalen Studien in Sachen Innovationsfähigkeit seit einer ganzen Weile die oberen Plätze. Unsere Unternehmen sind traditionell entwicklungs- und forschungsaktiv (über 60%). Produkte „Made in Germany“ werden in der ganzen Welt geschätzt – vor allen Dingen wegen ihrer Qualität. Das feuert die Unternehmen immer wieder zu nachhaltigen Verbesserungen und Erneuerungen an, auch nicht-technologischer Natur wie bei Marketing oder Organisation. Gleichzeitig sind hohe Kosten und Finanzierungsschwierigkeiten ständige Begleiter der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) bei dieser Entwicklung, denn der KMU-Sektor unterliegt nicht den Spannungen und der Willkür des internationalen Kapitalmarktes.

Nach meiner 15-jährigen Erfahrung als Unternehmer in der Digital-Branche und zahlreichen Reisen in Silicon Valley vertrete ich mittlerweile die These, dass es zwei Innovations-Zentren gibt: Deutschland und die USA. Der Unterscheid zwischen den beiden Systemen besteht darin, dass Deutschland in der Gesamtbreite und die USA in der Spitze innovativ sind.

Das Gewinnstreben der amerikanischen Unternehmer im Markt und des US-Staates vor allem im Rüstungs- und Weltraumbereich treibt die Innovation. Ungeachtet der sozial betrachtet großen Defizite der US-Wirtschaft hat sie in zahlreichen Branchen hohe Produktivität und generiert ein hohes Durchschnittseinkommen im Lande. Die sozial Schwachen befinden sich allerdings ohne Aussicht auf Verbesserung ihrer beruflichen Stellung im Markt. Die Ausbildung von Fachkräften ist unzureichend – „on the job training“ ist die Regel. Die Streitkräfte und Polizeistrukturen, aber auch Verwaltungskörper stellen die einzige Hoffnung für sozial Schwache dar, durch Dienstleistung im staatlichen Bereich zu beruflicher Aus- und Fortbildung zu kommen.

In Deutschland haben wir eine wichtige Quelle der Innovation, die in Amerika und auch im Rest der Welt fremd ist. Es herrscht in den deutschen Industrie-Betrieben die Realität des „Zwangs“ zur kritischen Zusammenarbeit der Arbeitgeber und Arbeitnehmer als Sozialpartner (Sozialpartnerschaft). In der kleinen und mittleren Firma kooperieren die Unternehmer mit den Fachkräften „auf Augenhöhe“ und die Hausbanken (Genossenschaftsbanken) verfolgen wie das in Frage stehende Unternehmen das Ziel der Nachhaltigkeit für das eigene Produkt im Markt, das ständig den sich verändernden Marktbedingungen anzupassen ist.

Deutschland gehört zu den Ländern mit den höchsten Lohnkosten – ein Faktum, das zur ständigen Innovation, der Steigerung der Produktqualität und zur weltweiten Ausdehnung der Marktforschung zwingt. Nachhaltigkeit der Marktpflege, Flexibilisierung der Regelarbeitszeit sowie die Fortbildung der Berufstätigen gehen einher mit Innovation der Technologie, des Produkts und der Einhaltung hoher Qualitätsstandards. Dies sind Bestandteile einer Wirklichkeit in den Beziehungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden. Im Sinne der Mitbestimmungsgesetze ist eben auch „Arbeit“ ein „Kapital“.

Ausländische Beobachter und Analysten haben die Besonderheiten des deutschen Wirtschaftssystems erkannt, so der US-Wirtschaftsfachmann Matt Phillips, der einen Aufsatz mit der bezeichnenden Überschrift „Germany’s bizare version of capitalism – bosses and workers actually cooperate – is winning“ veröffentlichte.

Die duale Ausbildung der Fachkräfte durch die Unternehmen und die Fachschulen in Kooperation mit den Industrie- und Handelskammern gewährleistet ein Höchstmaß an Qualität die hohe Preise gezahlt werden.

Deutsche Unternehmen stehen im regionalen und globalen Wettbewerb. Ihr Erfolg ist mit der ständigen Innovation, Optimierung und hoher Qualität verbunden. Die Folgen der Corona-Pandemie, des anstehenden BREXIT, der inzwischen in den Hintergrund geratenen Handelsstreitigkeiten zwischen den Großmächten die USA und China sind zwar noch nicht abzulesen, doch auch in den Krisen steckt viel Potential für Neues. Unsere Unternehmen werden auch weiter auf Nachhaltigkeit, Qualität und Innovation sowie weltweite Vermarktung setzen.

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