Christen und Atheisten, vereinigt euch!

Sebastian Moll23.01.2015Gesellschaft & Kultur

Es gibt gute Gründe dafür, gegen die Kirchensteuer zu sein. Erst recht als engagierte Christen, die sich nach einer reineren Form ihrer Kirche sehnen.

Im vergangenen Jahr erregte der evangelische Pfarrer Jochen Teuffel mit einer fulminanten Streitschrift Aufsehen. Seine Forderung und zugleich der Titel seines Buches: „Rettet die Kirche! Schafft die Kirchensteuer ab!“.

Ein Kirchenmann als Gegner der Kirchensteuer? Das schien für viele nicht in ihr Weltbild zu passen. Auch ich erlebe in meinem Bekanntenkreis immer wieder Verwunderung, wenn ich mich als evangelischer Theologe gegen die Kirchensteuer ausspreche. Wenn sich also schon Pfarrer und Theologen gegen die Kirchensteuer wenden, ergibt sich die spannende Frage: Wer ist eigentlich für die Kirchensteuer? Bei meinen diesbezüglichen Recherchen (unter evangelischen Christen) stieß ich auf drei unterschiedliche Gruppen.

Die Befürworter

1. Die bedeutendste Gruppe von Befürwortern der Kirchensteuer sind ohne Zweifel diejenigen, die unmittelbar von ihr profitieren, also die Bediensteten der Kirche. Ihre Zahl sollte keineswegs unterschätzt werden, bildet die Kirche doch nach dem Staat den größten Arbeitgeber in unserem Land. Hinzu kommen noch all diejenigen, deren Arbeitsplätze zumindest mittelbar vom Staatskirchenvertrag abhängen, etwa die Angestellten unserer theologischen Fakultäten. Nun kann es diesen vielen Menschen niemand verdenken, dass sie das Lied dessen singen, dessen Brot sie essen. Andererseits kann ihre Stimme aufgrund ihrer persönlichen Befangenheit in einer objektiven Diskussion um die Kirchensteuer nicht ernsthaft Gehör finden.

2. Die zweite Gruppe bilden jene gutgläubigen Kirchensteuerzahler, die immer noch glauben, ihr Geld würde für Krankenhäuser und Kindergärten oder andere sinnvolle Einrichtungen ausgegeben. Tatsächlich geht der Prozentsatz der Kirchensteuereinnahmen, die an die entsprechenden Institutionen fließen, gegen null. Wäre es anders, hätten Nichtkirchenmitglieder ja überhaupt keinen Anspruch auf Behandlung in einem konfessionellen Krankenhaus, wie sie beispielsweise auch keinen Anspruch auf eine kirchliche Bestattung haben. Aber für gewöhnlich werden die medizinischen Behandlungen auch in sogenannten kirchlichen Krankenhäusern von den Krankenkassen bezahlt, nicht aus dem Klingelbeutel.

Die Kirche gibt ihr Geld lieber für Projekte wie das EKD-Studienzentrum für Genderfragen aus. Selbst wenn man mal für einen Moment von der fragwürdigen Seriosität der Genderstudien absehen will, bliebe immer noch die Frage offen, warum die EKD ein derartiges Studienzentrum braucht. Betreibt die Kirche denn auch Studienzentren für Meeresbiologie oder Volkswirtschaftslehre? Ich war bisher der unmaßgeblichen Ansicht, die Aufgabe der Kirche bestehe in der Verkündigung des Evangeliums.

3. Als letzte Befürworter der Kirchensteuer bleiben diejenigen, die befürchten, durch die „Privatisierung“ der Kirche entstünde eine Art „elitäres Christentum“, zu dem nur noch die Vermögenden Zugang hätten. Diese Befürchtung, die im Grunde bei jeder Privatisierung vorgebracht wird, lässt sich jedoch durch Erfahrungen aus den bereits existierenden Freikirchen nicht belegen. Zum einen weiß jeder Gemeindeleiter, dass sich mit Geld allein, das ja bekanntlich auch keine Tore schießt, keine Kirchenbänke füllen lassen. Zum anderen haben die wenigen Großspender, wie etwa der jüngst verstorbene Heinz-Horst Deichmann oder der Vizepräsident des BDI, Friedhelm Loh, bewiesen, dass sie mit ihren Spenden durchaus lobenswerte Projekte im Sinne des Evangeliums fördern, fernab von Genderstudien und Klimarettung. So wie in jeder anderen nicht staatlich subventionierten Gruppierung ist auch in einer freien Gemeinde jeder Einzelne gefordert, sich einzubringen, sei es durch Geld oder durch andere Gaben. Dass diese engagierten Christen schließlich auch den Kurs der Kirche bzw. der Gemeinde bestimmen, wäre kein Nachteil der Kirchensteuerabschaffung, sondern ein Segen.

Die Gegner

Alle genannten Gruppen fallen als ernst zu nehmende Befürworter der Kirchensteuer aus, die einen wegen persönlicher Befangenheit, die anderen wegen ungültiger Argumente. Somit bleiben also nur noch Gegner der Kirchensteuer übrig, und hier ergibt sich nun eine erstaunliche Allianz. Es sind nämlich vor allem zwei Lager, die sich besonders energisch für die Abschaffung der Kirchensteuer einsetzen: engagierte Christen, die sich nach einer reineren Form ihrer Kirche sehnen, und radikale Kirchengegner, die von einem vollständig laizistischen Staat träumen.

In diesem Sinne kann ich abschließend nur raten: Christen und Atheisten, vereinigt euch!

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