Schuldig, im Sinne der Anklagenden

Sebastian Moll14.12.2014Wirtschaft, Wissenschaft

Ein bestimmter Typ Mensch fühlt sich gerne schuldig. Eine Tatsache, die vor allem Greenpeace schamlos ausnutzt.

Kürzlich sah ich bei einer Demonstration einen Mann, auf dessen T-Shirt folgende Aufschrift zu lesen war: „Wir sind schuld“. Nur diese drei Worte, keine weitere Erläuterung, etwa, woran wir denn schuld seien, geschweige denn, wer eigentlich mit ‚wir‘ gemeint war. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, worum es bei dieser Demonstration ging, aber das ist ja auch eher unwichtig, wenn man dem Geist dieses T-Shirts folgt.

Es handelt sich um ein zu jedem Anlass passendes Kleidungsstück, da wir ja grundsätzlich an allem schuld sind. Durch unsere zahlreichen Wannenbäder verursachen wir die Dürre in der Sahelzone, unsere erfolgreiche Exportwirtschaft führt zur Verschuldung unserer Nachbarstaaten, von den (viele Jahrhunderte zurückliegenden) Kreuzzügen zieht sich eine direkte Linie zu Pierre Vogel, und unser ‚westlicher Lebensstil‘ ist die Ursache für die (seit Jahren ausbleibende) globale Erwärmung.

Der Rausch der Schuld

Jeder, der auch nur gelegentlich Kontakt zu seinen Mitbürgern pflegt, weiß: Für gewöhnlich suchen Menschen die Schuld für etwas erst dann bei sich selbst, wenn kein anderer mehr übrig bleibt. Wie kommt es also zu dieser offensiven Zurschaustellung eigener Schuld, die unter demonstrierenden Gutmenschen so stark verbreitet ist? Der britische Historiker Bernard Lewis stellte dazu eine faszinierende These auf:

bq. „Die Bürde des weißen Mannes im Sinne Kiplings – die Verantwortung des Weißen für die Völker, über die er herrschte – ist schon seit langem abgeworfen und von anderen übernommen worden. Aber es gibt Menschen, die darauf bestehen, sie zu behalten – diesmal nicht als Bürde der Macht, sondern der Schuld, ein Insistieren auf der Verantwortung für die Welt und ihre Übel, das so arrogant und ungerechtfertigt ist wie die Ansprüche unserer imperialistischen Vorfahren.“

Tatsächlich scheint es so zu sein, dass sich diese Menschen schuldig fühlen wollen, ja, es scheint sie in einen regelrechten Rausch zu versetzen. Nur durch die Irrationalität des Rausches lässt sich erklären, dass viele der Betroffenen entgegen aller Vernunft an ihren Schuldgefühlen festhalten – mit gravierenden Folgen.

In früheren Zeiten war es üblich, sich für seine Sünden selbst zu geißeln. So fragwürdig diese Praxis auch gewesen sein mag, zumindest nahmen andere daran keinen Schaden. Heutzutage richtet sich die Gewalt der Betroffenen leider nicht mehr gegen sie selbst, sondern zieht andere in Mitleidenschaft, wodurch – bittere Ironie – die Akteure tatsächlich schuldig werden.

Frevel am Menschen

Dass Greenpeace keinerlei Respekt vor persönlichem Eigentum hat, ist hinlänglich bekannt. Erst kürzlich stellte sich heraus, dass die Mutter aller Schuldrauschorganisationen selbst das anvertraute Geld ihrer Spender gerne an der Börse verspielt. All das scheint den friedensgrünen Heiligenschein allerdings nicht zum Wackeln gebracht zu haben. Aber sind sie diesmal vielleicht zu weit gegangen?

Anlässlich der Internationalen Klimakonferenz in Peru hielt es Greenpeace für eine gute Idee, sich über die jahrtausendealten Nazca-Linien herzumachen, die seit 1994 zum Weltkulturerbe der UNESCO gehören. Auf diesem nationalen Heiligtum der Peruaner plakatierte Greenpeace in riesigen Lettern das Motto „time for change – the future is renewable“.

Wenn man mal von dem mangelnden Geistesreichtum dieses Schriftzugs absehen will, stellt sich vor allem die Frage: Haben diese Leute keinerlei Respekt vor menschlicher Kultur? Für Patrick Moore, einen der Mitbegründer von Greenpeace, ist die Antwort auf diese Frage klar. Schon vor Jahren wandte er sich angewidert von seiner ehemaligen Organisation ab und sprach von der Greenpeace-Politik als einem „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.

Neben ihrer unfassbaren Pietätlosigkeit hat die aktuelle Greenpeace-Aktion allerdings auch eine ironische Seite. Nach den neuesten Erkenntnissen der Archäologen entstanden die Nazca-Linien als Teil eines magischen Rituals, mit dem die immer weiter um sich greifende klimatische Veränderung der Region aufgehalten werden sollte. Genutzt hat es leider wenig, schon um etwa 600 nach Christus war die ehemals fruchtbare Region vollständig verwüstet.

Somit sind die Nazca-Linien nicht nur ein beeindruckendes Zeugnis einer antiken Zivilisation, sondern zugleich ein Beleg dafür, dass Klimaveränderungen auch völlig unabhängig von menschlich produziertem Kohlenstoffdioxid eintreten können. Beinahe möchte man meinen, dieser Umstand sei der wahre Grund für die grüne Schändung dieser Stätte.

Die Maske muss fallen

Die eigentliche Farce an der ganzen Sache ist aber, dass Greenpeace bei der UN-Klimakonferenz in Peru nach wie vor als seriöse Stimme Gehör findet, zum Teil gar in beratender Funktion. Wann werden diese Leute endlich als das erkannt, was sie wirklich sind: Von sich selbst berauschte Vandalen!

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