Gegen die Inflationierung eines Kampfbegriffs

Sebastian Moll7.07.2016Innenpolitik

Wolfgang Gedeon vertritt nationalsozialistisches Gedankengut. Daran besteht keinerlei Zweifel. Das bedeutet zwar nicht, dass er sämtliche Aspekte des Nationalsozialismus befürwortet. Aber er teilt eine der grundlegenden Kernthesen nationalsozialistischer Weltanschauung. Dass ein Mann mit solchen Positionen nicht Mitglied eines deutschen Parlamentes sein kann, sollte Konsens sein.

Wolfgang Gedeon vertritt Gedanken und Thesen aus dem nationalsozialistischen Gedankengut. Ob diese Äußerungen noch unter die grundgesetzlich geschützte Meinungsfreiheit fallen, darüber mag man streiten. Dass ein Mann mit solchen Positionen nicht Mitglied eines deutschen Parlamentes sein kann, sollte hingegen Konsens sein. Daher geht auch die Argumentation einiger Gedeon-Verteidiger in die völlige falsche Richtung. Sie halten seinen Thesen für falsch, setzen sich aber dafür ein, dass er sie offen vertreten darf.

Die Frage ist, wo Gedeon solche Thesen offen vertreten darf. In Deutschland? Wie gesagt, darüber ließe sich streiten. Hätten wir es hier also mit hartnäckigen Verfechtern des Rechts auf freie Meinungsäußerung zu tun, könnte man ihre Haltung in gewisser Weise nachvollziehen. Aber darum geht es nicht. Es geht um die Frage, ob Gedeons Thesen von einer jüdischen Weltverschwörung zum Schaden des christlichen Abendlandes einen Platz innerhalb einer deutschen Partei haben. Und da lautet die Antwort: Nein, ohne jedes wenn und aber.

Mit den eigenen Waffen geschlagen

Es gehört zur raison d’être der Alternative für Deutschland, dass sie sich gegen die politische Korrektheit stellt. Gerade dieser Umstand macht sie für viele Anhänger sympathisch. Die politische Korrektheit hat in unserer Kultur Ausmaße angenommen, die kaum noch zu ertragen sind. Eine Partei, die dieser Entwicklung den Kampf angesagt hat, darf auf Zustimmung hoffen. Was sich nun rächt, ist die Tatsache, dass im Siegeszug der politischen Korrektheit so ziemlich jeder als Nazi bezeichnet werden konnte, der nicht ins eigene Weltbild passte.

Ich selbst habe nicht mitgezählt, wie oft ich mich schon als Nazi beschimpfen lassen musste, unter anderem als Teilnehmer beim Marsch für das Leben in Berlin. Der Marsch für das Leben setzt sich – wie der Name schon dezent andeutet – für das Recht auf Leben ein, kämpft also gegen Abtreibung und Euthanasie. Euthanasie wiederum gehörte zum Kernbestand des NS-Staates. Teilnehmer einer Anti-Euthanasie-Kundgebung als Nazis zu bezeichnen, ist also an Absurdität kaum zu überbieten.

Viel schlimmer traf es natürlich Menschen wie etwa Eva Herman, die aus einer Livesendung geworfen wurde, weil sie das Wort ‚Autobahn’ verwendete. Diese Posse veranlasste seinerzeit Harald Schmidt, in seiner Show das ‚Nazometer’ einzuführen, das jedes Mal ausschlug, sobald jemand das Wort ‚Gasofen’ sagte. Gut, geschmackvoll geht anders, aber damals war ja auch Oliver Pocher noch mit von der Partie. Das Nazometer, das kurz darauf wieder eingestellt wurde, war dennoch ein perfekter Seitenhieb auf all jene, die den Begriff ‚Nazi’ allzu inflationär verwendeten und hinter jeder noch so harmlosen Formulierung eine Verschwörung witterten.

Inflation bedeutet Entwertung.

Es ist beim Geld wie bei den Begriffen. Wenn auf einmal jeder ein Nazi ist, der nicht konform geht, verliert der Vorwurf an Gewicht. Genau das führt dazu, dass der Satz „Gedeon ist ein Nazi“ von vielen nicht mehr ernstgenommen wird, ja sogar Ansporn sein kann, sich mit einem vermeintlichen Opfer der politischen Korrektheit zu solidarisieren. Wir sollten daher in Zukunft mit diesem Begriff etwas behutsamer und vor allem präziser umgehen. Denn nur dann können wir Leute wie Gedeon als das kennzeichnen, was sie wirklich sind.

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