Sisi-Mania

von Sebastian Backhaus29.05.2014Außenpolitik

Ägypten wählt – und das Ergebnis steht längst fest. Selbst auf den Straßen ist Fattah al Sisi bereits allgegenwärtig. Eine Fotokolumne.

„Schnell heiraten, damit das Kind der schwangeren Frau legal zur Welt kommt.“ So drückte sich der ägyptische Anwalt Khalid Ali sinngemäß zu den Wahlen in Ägypten aus, die in dieser Woche stattfanden. Die Heirat sind die Wahlen und niemand zweifelt daran, wie das Kind heißen wird: Fattah al Sisi.

Dem Personenkult um den ehemaligen Oberbefehlshaber der Streitkräfte Ägyptens kann in Kairo niemand ausweichen. Die Bewegung „Deddak“ [gegen dich], die sich über Facebook und Twitter formierte, versuchte vergangenen Samstag auf ihre Art, dem allgegenwärtigen Grinsen Sisis ein Ende zu bereiten und rannte mit Farbbomben durch Downtown Kairo.

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Bis auf die „Mursi-Pause“ aus dem vergangenen Jahr ist das Militär seit dem Sturz der Monarchie von 1952 an der Macht. Der einzige Gegenkandidat, der Sozialist Hamdeen Sabahi hat hingegen keinen militärischen Hintergrund. Sabahi soll um die 3,8 Prozent der Stimmen erhalten haben, Sisi hingegen etwa 96,2 Prozent, so die Angaben des staatlichen Fernsehens. Die Wahlbeteiligung wird mit 44,4 Prozent angegeben.

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Sisi-Fanartikel werden in Kairo seit Wochen angeboten. Der Personenkult macht auch vor den Wahllokalen keinen Halt: Die Eingänge vieler Schulen, in denen gewählt wird, sind mit Sisi-Plakaten tapeziert.

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In ihrer „Kakao Lounge“ lässt eine findige Geschäftsfrau im gehobenen Kairoer Stadtviertel „Garden City“ wohlschmeckende Pralinen mit dem Konterfei des zukünftigen Präsidenten herstellen. Für den Preis einer Praline könnte ein Ägypter mit schmalem Geldbeutel auch vier Portionen Foul bekommen – das bevorzugte Frühstück am Nil.

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Jeder kann Sisi sein – oder zumindest versuchen, so auszusehen: Den Masken des neuen Präsidenten Ägyptens (hier in Golden) fehlen ironischerweise die Sehschlitze.

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Oder möchten Sie das Konterfei des kommenden Präsidenten vielleicht etwas tiefer tragen? Dann darf es vielleicht ein T-Shirt sein? Der Personenkult kennt keine Grenzen.

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Am Abend des zweiten Tages der Wahlen versammeln sich einige Menschen auf dem Tahrir-Platz und feiern verhalten ihren Präsidenten. Die Wahlen wurden an diesem Abend spontan um einen Tag verlängert. Tags zuvor hatte die Regierung bereits ihre Überlegungen verbreitet, jedem Wahlberechtigten, der nicht wählt, mit der Zahlung von 500 Pfund (ca. 51 €) zu strafen. Das Gefühl, welches Khalid Ali mit der Metapher der schwangeren Frau auszudrücken versuchte, ist schwer loszuwerden. Ein Jura-Student in Kairo umschreibt es anders: „Selbst wenn 90 Prozent der Ägypter für Sabahi gestimmt hätten, wäre Sisi Präsident geworden.“

Wo die Wahrheit und wo die Zukunft Ägyptens liegt, steht in den Sternen, die so wundervoll über der Sahara funkeln. Vermutlich ist der Blick in den Himmel die einzige gute Aussicht, mit der Ägypten in den nächsten Jahren rechnen kann.

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