Bologna ist nicht gescheitert

Sascha Spoun7.02.2010Gesellschaft & Kultur, Politik

Es herrscht Verbesserungsbedarf, Fragen zur Umsetzung müssen beantwortet werden und doch: Bologna ist noch lange nicht gescheitert. Mit einer Vielfalt von Ideen und Konzepten, persönlichem Engagement bei neuen lebensweltlichen Problemlösungen und Freiheit in der Umsetzung gelangen wir über die Bildung zur offenen Gesellschaft.

Bologna ist eindeutig nicht gescheitert, sondern noch in der Entwicklung begriffen. Wir finden viele positive Ideen und Ansätze in den bisher eingeführten, rund 10.000 Studiengängen. Trotz der vielen interessanten Angebote herrscht allerdings noch ein deutlicher Verbesserungsbedarf. Damit ist aber auch klar: Nicht die Grundidee von Bologna ist gescheitert, sondern Fragen zur Umsetzung müssen beantwortet werden. Für mich bedeutet ein europäischer Hochschulraum: Vielfalt von Ideen und Konzepten, kein doktrinäres Denken und die Möglichkeit, dass verschiedene Menschen auf je unterschiedliche Weise ihre Beiträge im Berufsleben wie in der Zivilgesellschaft leisten können. Ich glaube, diese Ausrichtung auf Vielfalt in Inhalten, Leitideen und Organisationsformen ist der heutigen Zeit und auch der weiteren Entwicklung angemessen. Wir haben eben kein geschlossenes, sondern ein in verschiedenen Richtungen offenes System. Die Chance Europas liegt in der Gestaltung einer offenen Gesellschaft.

Die Chance Europas liegt in der Gestaltung einer offenen Gesellschaft

Unter einer offenen Universität verstehe ich eine Hochschule, die Menschen in verschiedenen Lebensphasen anspricht. Menschen, die nach dem Abitur eine erste akademische Grundausbildung suchen ebenso wie Menschen, die einige Jahre Berufserfahrung oder spezielle Weiterbildungswünsche haben. Gesellschaftliche Lebenswelten und universitäre Lebenswelten werden so miteinander verschränkt. Eine offene Universität fördert die interdisziplinäre oder transdisziplinäre Ausrichtung universitärer Bildung. Das ist auch erforderlich, denn die zu bearbeitenden Probleme tun uns ja nicht den Gefallen, sich nach den Lehrstuhlgrenzen zu richten. Zugleich wissen wir, dass spezielles Fachwissen aus einer einzelnen Disziplin zwar so gelernt werden kann, dass es auch in einer Prüfung präsent ist, aber anschließend eine sehr steile Vergessenskurve hat. Wenn wir hingegen Lernformate schaffen, bei denen die Studierenden lebensweltliche Probleme selbst bearbeiten, indem sie Methoden und Grundkenntnisse aus verschiedenen Disziplinen anwenden, entsteht nicht nur eine viel intensivere Auseinandersetzung, sondern auch ein höheres persönliches Engagement. So ausgebildete Fähigkeiten und Fertigkeiten haben eine wesentlich längere Halbwertzeit.

Die zu bearbeitenden Probleme tun uns nicht den Gefallen, sich nach den Lehrstuhlgrenzen zu richten

Alle Institutionen erleben Momente der Selbstvergewisserung, auch die Universitäten, an denen wir gerade jetzt eine solche Phase registrieren können. Mehr Menschen als noch vor wenigen Jahrzehnten sind an diesem Prozess beteiligt, denn heute sind rund 45 Prozent eines Jahrgangs mit einer Studienberechtigung ausgestattet, 85 Prozent dieser Gruppe gehen dann auch tatsächlich an die Hochschulen, viel mehr also, als beispielsweise in den 60er-Jahren, als es nur 6 Prozent waren. Der Bildungsstreik ist deshalb auch so breit in der Öffentlichkeit diskutiert worden. Diskussionen gab und gibt es auf der Universitätsebene, bei den Landeshochschulkonferenzen und auch auf Bundesebene. Die verschiedenen Konferenzen beschäftigen sich jetzt damit, wie die Umsetzung von Bologna verbessert werden kann. Meine Hoffnung wäre, dass man jetzt nächste Schritte für innovative Entwicklungen geht.

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