Deutschlands Digitalisierung - und die Bedeutung der Einbeziehung aller

von Rusbeh Hashemian5.06.2019Wirtschaft

Deutschland hat die Angst vor dem “Digitalen Neuland” überwunden. Die Themen Künstliche Intelligenz (KI), Internet of Things (IoT), 5G, Robotic Process Automation (RPA) und selbstfahrende Autos werden im öffentlichen Diskurs aktiv diskutiert. Aber in unseren Bildungseinrichtungen, Fabriken und auf unseren Autobahnen mangelt es den Technologien noch immer an Präsenz.

aaed60b020.jpeg

Deutschland – so warnte zuletzt die Businessweek – liegt bei diesen Themen im internationalen Vergleich weit zurück und könne hier mit China oder den USA nicht mithalten. Kein Wunder, wenn man sich die Staatsausgaben zur Förderung von Künstlicher Intelligenz ansieht: Von den weltweiten Investments in KI kamen in den vergangenen fünf Jahren 60 Prozent aus China, 29 Prozent aus den USA und lediglich 0,2 Prozent aus Deutschland. Dabei sind diese Themen Schlüsseltechnologien, die maßgeblichen Einfluss auf die Sicherung der Prosperität über die nächsten Jahrzehnte haben werden. Schließlich haben sie auch gestaltenden Einfluss auf die Branchen, die den Wohlstand der Bundesrepublik aufgebaut und in den vergangenen Dekaden gesichert haben; allen voran die Automobil-, Maschinenbau-, und Chemieindustrie.

Niemand kann es sich leisten den digitalen Wandel zu verschlafen

Sieben der 10 wertvollsten Unternehmen der Welt sind Technologieunternehmen, aber keines davon ist ein europäisches Unternehmen. Ein deutliches Warnsignal, das zum sofortigen Handeln auffordert, denn die Digitalisierung ist ein volkswirtschaftlicher und gesamtheitlicher Megatrend, der alle Branchen betrifft.

Niemand kann es sich leisten den digitalen Wandel zu verschlafen und möglicherweise binnen kurzer Zeit seine wirtschaftliche Daseinsberechtigung zu verlieren. Das gilt für jeden einzelnen, für jedes Unternehmen – und auch für das ganze Land. Entsprechend wird die digitale Transformation heute von allen Konzernen und dem Mittelstand sehr ernst genommen. Gleichzeitig aber haben wir aus den Gesprächen mit unseren Mandanten gelernt, dass die konkrete Umsetzung oft nicht oder nur sehr schleppend vorangeht. Die gesamte Breite und Tiefe eines Unternehmens erreicht der digitale Wandel nur selten, da viele Mitarbeiter oft keinen Zugang zu den meist abstrakten Themenbereichen des digitalen Wandels finden. Doch eine so tiefgreifende Transformation kann für ein Unternehmen jeder Größe nur dann erfolgreich sein, wenn alle Mitarbeiter angesprochen und mitgenommen werden. Die zentrale Frage, die sich in dieser Gesamtsituation aktuell stellt, lautet also:

Was müssen wir tun, um insgesamt agiler und innovativer zu werden, um relevante Geschäftsmodelle zu erschließen – also um zukunftsfähig zu sein und zu bleiben?

Bildung als Erfolgsfaktor

Wie so oft in gesamtökonomischen Konstrukten, liegt auch hier der Schlüssel zum Erfolg in der Bildung. Insbesondere die digitale Weiterbildung, das sog. “digital upskilling”, ist ein Schlüsselfaktor, um die Daten-, Digital- und Technologie-Agenden eines Unternehmens voranzutreiben und gleichzeitig die persönliche Zukunft und Relevanz der eigenen Mitarbeitern zu sichern. So wird eine Kultur der gemeinsamen Wachstumsmentalität zwischen Einzelpersonen und Teams und somit in der gesamten Organisation geschaffen.

Selbstverständlich betrifft uns bei PwC dieses Thema genauso wie auch jedes andere Unternehmen. Daher haben unsere Experten ein Lösungskonzept erarbeitet und eine umfassende Strategie zur Weiterbildung unserer Mitarbeiter entwickelt. Ziel dieser Strategie ist es, die “digitale Fitness” unserer Mitarbeiter/-innen auszubauen und sie mit einem breiten Wissensbestand zu Themen wie Data Analytics, KI, Robotic Process Automation, Blockchain und Design Thinking auszustatten. Diese Themen sind nach breiter Erkenntnis heute für alle Fachkräfte von entscheidender Bedeutung und die digitale Weiterbildungsstrategie ist daher auch eine der Top-Prioritäten unseres Unternehmens, die persönlich von Ulrich Störk, dem Sprecher unserer Geschäftsführung, vorangetrieben wird. “Viele Unternehmen möchten ihre Organisation transformieren, um digitaler und schneller zu werden,” stellt Ulrich Störk fest und digitale Fitness ist dabei ein entscheidender Faktor.

Der beste Lerninhalt ist aber immer nur so gut, wie er auch nachhaltig vermittelt werden kann. Daher haben wir bei der konkreten Umsetzung dieser Strategie Konzepte aus der Didaktik aufgegriffen, um den unterschiedlichen Lerngewohnheiten und -präferenzen jedes einzelnen Mitarbeiters zu entsprechen. Eine Kombination aus flexiblen Lerninhalten, Lernorten und Lernzeiten ermöglicht es die individuellen inhaltlichen und lernmethodischen Bedarfe zu bedienen.

Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir die mobile Plattform Digital Fitness App (DFA) entwickelt, die individuelle Lernpläne erstellt und jeden einzelnen Mitarbeiter dabei unterstützt, ganz gezielt Wissen in den relevanten Themenbereichen aufzubauen. Die Digital Fitness App setzen wir bei PwC mittlerweile sehr erfolgreich global ein und haben die Plattform auf Grund der gehäuften Anfragen unserer Mandanten nun auch für den Einsatz in deren Unternehmen angepasst.

Rückblickend haben wir auf unserer eigenen Reise in das digitale Zeitalter vieles gelernt, das auch anderen Organisationen dabei helfen kann, den digitalen Wandel erfolgreich mitzugehen. Die drei aus unserer Sicht wichtigsten Punkte sind dabei:

1) Digitale Fitness muss in einer Organisation absolute “Chefsache” sein und von den obersten Führungsebenen nachdrücklich vorangetrieben werden. Die digitale Weiterbildung jedes einzelnen ist dabei einer der wichtigsten Schlüssel zum nachhaltigen Erfolg.

2) Der Aufbau einer Wachstumskultur ist unabdingbar. Das Bekenntnis zum lebenslangen Lernen muss in einer digitalen und datengesteuerten Welt für jeden eine Selbstverständlichkeit sein. In Organisationen sind entsprechend systemische Konzepte erforderlich, um die daraus richtigerweise resultierenden Anforderungen zu erfüllen.

3) Lehrkonzepte müssen gezielt die individuellen Lerngewohnheiten bedienen und inhaltlich laufend aktualisiert werden, um das offenkundig enorm hohe Veränderungstempo der digitalen Themen erfolgreich und nachhaltig zu vermitteln. Wenn es nicht gelingt, jeden einzelnen intrinsisch zur fortlaufenden Auseinandersetzung mit den aktuellen Themen zu motivieren, ist der Erfolg der ganzen digitalen Transformation gefährdet.

Abschließend wünschen wir uns für Deutschland eine erfolgreiche Transformation, bei der jeder vom Gefühl ergriffen ist, Teil dieser spannenden Reise zu sein.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Frau Weidel: Was hat es zu bedeuten, dass ich per Google nur Schweigen der AfD zu dieser Frage vorfinde?

Nach dem Attentat in Halle hat Boris Palmer (Die Grünen) an Alice Weidel (AfD) einen Offenen Brief geschrieben und fragt: "Wäre es nicht notwendig, dass Sie zu dieser Tatsache eine politische Bewertung abgeben? Wie stehen Sie dazu, dass Rassismus und Antisemitismus in Deutschland wieder zu Morden

Der Islam und das linke Weltbild sollen mit allen Mitteln geschützt werden

Montag am frühen Abend im hessischen Limburg: Ein großer LKW steht vor der roten Ampel. Plötzlich reißt ein Mann (ca. 30 Jahre, Vollbart) die Fahrertür auf, starrt den LKW-Führer mit weit geöffneten Augen an. Dann zerrt er ihn mit Gewalt aus seinem Fahrzeug, setzt sich selbst rein und fährt

Beim Kampf gegen Rechts sind dem ZDF alle Mittel recht

Schmierenkomödie beim ZDF. Im Kampf gegen Rechts hatte der Sender Monika Lazar als gewöhnliche Kundin in Szene gesetzt. Sie sollte den Beweis dafür liefern, dass Kunden des Leipziger Bio-Supermarkts hinter der Entscheidung von Biomare-Geschäftsführer und Grünen-Mitglied Malte Reupert stünden,

Erdogan will die Tore bis Wien öffnen

Trumps wilder Rückzug aus Syrien macht Erdogan den Weg frei für seinen historischen Masterplan: Ein Eroberungsfeldzug zur Wiederherstellung des Osmanischen Reiches. Nicht nur die Kurden sind in Gefahr. Auch Europa droht gewaltiges Ungemach.

„Das Volk gegen seine Vertreter“ lautet Johnsons Devise

Der Mann hat keine Skrupel. Er agiert in einem bemerkenswert polemischen Wahlkampfmodus. Da wird das Florett der Rhetorik beiseitegelegt und zum rostigen Beil gegriffen. Boris Ziel sind Neuwahlen, weil er hofft, dass ihm die Wähler Recht geben und sich gegen ihre Vertreter im Unterhaus wenden werde

Fünf Gründe warum die Linkspartei an Geltungskraft verliert

Einst regierte die LINKE den Osten unisono und war als Kümmererpartei allgegenwärtig. Der deutsche Osten der Puls und die Partei seine Herzkammer. Doch die Windrichtung hat sich geändert, die Herzen auch: Die LINKE ist im Abschwung und verliert an Atem, ihr droht der Infarkt, wenn nicht gleich de

Mobile Sliding Menu