Die AfD ist der Aufstand der Straße gegen die Zumutung des kategorischen Imperativs

von Ruprecht Polenz9.09.2019Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien

Die mangelnde Problemlösungsfähigkeit, die den regierenden Parteien in Umfragen unterstellt wird, scheint mir das eigentliche Problem. Keiner behauptet, die AfD könne die Probleme lösen oder habe die Konzepte dafür; sie ist reine Protestpartei, inhaltlich nichts sagend.

Frauke Petry hat in dem Wahlkreis, den sie einmal für die AfD gewonnen hat, mit ihrer neuen Partei ein Debakel erlebt. So ist es auch Lucke mit seiner Parteineugründung ergangen. Das legt den Schluss nahe: Die AfD kann die Auswechselung des Spitzenpersonals ohne Blessuren überleben. Es sind offensichtlich weniger Personen, die die Attraktivität der AfD ausmachen, sondern die Attitude des Protestes.

Das zeigt sich auch in Brandenburg. Der dortige Spitzenkandidat ist in den letzten Wochen durch seine klaren Verstrickungen mit Neonazis ins Gerede gekommen. Auch das war den Wählern der AfD offensichtlich egal. Ähnliches gilt auch für anderes Führungspersonal der AfD.

Das scheint mir eines der Kennzeichen der neuen Rechten zu sein: Sie können lügen und betrügen, sexistische oder rassistische Äußerungen tun, unappetitliche Kontakte haben (von Nazis bis zur Mafia), obszön sich verhalten: Es wird als Ausdruck eines Tatmenschen wertgeschätzt. Ein frühes Beispiel war Berlusconi, aber der Typus ist weiter verbreitet, denkt man etwa an Trump oder Strache.

Das ist für mich der eigentliche Grund, warum die AfD keine bürgerliche Partei ist und deshalb auch eine Koalition mit der Union ausgeschlossen ist: Die Condottieri-Mentalität, die sich bei vielen Spitzenpolitikern der AfD findet und in der Partei auch weiten Anklang hat. Es fehlt an jenen Strukturen der Zivilisiertheit, die das Bürgerliche ausmacht. Die AfD ist der Aufstand der Straße gegen die Zumutung des kategorischen Imperativs.

Die mangelnde Problemlösungsfähigkeit, die den regierenden Parteien in Umfragen unterstellt wird, scheint mir das eigentliche Problem. Keiner behauptet, die AfD könne die Probleme lösen oder habe die Konzepte dafür; sie ist reine Protestpartei, inhaltlich nichts sagend. Der Protest drängt also nicht auf konkrete, benennbare Lösungen, sondern richtet sich gegen das “System” selbst, gegen demokratische Entscheidungsverfahren, gegen Pluralismus, gegen die Zumutungen einer Konsensfindung, gegen Politik im Allgemeinen. Die AfD ist eine Partei der Antipolitik. Quelle Facebook

 

 

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