Diskretion Ehrensache

von Rüdiger Templin18.10.2013Gesellschaft & Kultur

Kaum eine Organisation weiß ihre Geheimnisse so gut zu schützen wie die Freimaurer. Und trotzdem hat ihnen mehr Transparenz am Ende geholfen.

Geheimnisse haben ihren besonderen Reize für Öffentlichkeit und Medien. Dies ist wohl vordergründig so, weil man dem Wunsch nach Aufklärung bisher nicht bekannter Fakten kaum widerstehen kann und möchte. Wie in der großen Politik so besteht auch im privaten Bereich ein besonderes Bedürfnis – ja ein Recht – auf Integrität von personengebundenen Daten, Fakten und Ereignissen. Es ist ebenso ein gutes Recht diese – so denn gewünscht – nur einem bestimmten Personenkreis zugänglich zu machen.

Deshalb sollte bei der Beschreibung einer Sache sehr sorgfältig mit dem Begriff Geheimnis gearbeitet werden, weil er sonst sofort impliziert, etwas Illegales oder Mysteriöses vor Unwissenden zu verschweigen. Dan Browns Bücher etwa leben von eben diesem Zentralthema, das Fantasien weckt und gerne mit Verschwörungstheorien verbunden wird. Vertrauen ist notwendig. Das beinhaltet zwangsläufig auch das Verschweigen von Anvertrautem.

Diskretion setzt Vertrauen voraus und schafft dieses auch. Beides sind ethische Werte, die in der heutigen Gesellschaft in eine bedenkliche Schieflage geraten sind, wenn man an das Verhalten von bestimmten Finanzmanagern, Politikern, selbst Ärzten oder Sportgrößen denkt. Hier ist Vertrauen, Transparenz und demokratische Kontrolle erwünscht und notwendig.

Von wegen Weltverschwörung

Ein in den Medien gern dargestelltes Thema ist das sogenannte Geheimnis der Freimaurer, einer weltweiten Organisation, die seit fast 300 Jahren ihr Brauchtum pflegt und sich stets Angriffen aus der Öffentlichkeit ausgesetzt sah – besonders in Zeiten von Diktaturen. Wir Freimaurer haben wohl gerade wegen dieser Diskretion als eine der ältesten Organisationen der Welt alle gesellschaftlichen Veränderungen überlebt.

In Deutschland hat sich bis in die heutigen Tage die Idee einer von den Nationalsozialisten propagierten Weltverschwörung der Juden und Freimaurer gehalten. Diese bezieht sich sowohl auf die Protokolle der Weisen von Zion als auch auf eine Freimaurersitzung 1897 in Basel. Die Protokolle wurden vom Journalisten P. Graves in der Londoner Times bereits 1921 als Fälschungen entlarvt, was das NS-Regime dennoch nicht davon abhielt, ihre Propagandamaschine sehr erfolgreich mit dieser Verschwörungstheorie zu speisen. Hierbei wurde mit dem finsteren Inhalt des Geheimnisses gespielt und der Otto Normalverbraucher glaubte dem nur allzu gern.

Dies begründet wohl das Imageproblem vertraulicher und diskreter Themen in Deutschland. Insofern dass etwas Geheimes oder Vertrauliches Begierde erweckt, Vermutungen und Zweifel an deren positiven Inhalten auslöst. Absurd übrigens auch, dass es den Nationalsozialisten als einem der größten Gegner der Freimaurer mit ihrer Propaganda nicht gelungen ist, deren angebliches Geheimnis freizulegen. Sie veranlassten, das Hamburger Logenhaus in der Welkerstraße Stein für Stein abzutragen, um genau dieses Geheimnis dort zu finden.

„Öffnung zur Gesellschaft“ lautet die Richtschnur der deutschen Freimaurerei. Und nicht nur bei unserer 275-Jahrfeier, sondern auch bei der rituellen Festarbeit in der Hamburger Hauptkirche, ist eines deutlich geworden: Durch mehr Transparenz hat die Freimaurerei zur Entmystifizierung des Geheimnis beigetragen.

Oft wäre der Begriff der Diskretion besser, so wie er pflichtgemäß in bestimmten Berufen angewendet wird. Hierbei sollten wir an die ärztliche Schweigepflicht ebenso denken, wie an das Verhältnis der Rechtsanwälte zu ihren Mandanten oder an die Kriminalpolizei und die Staatsanwaltschaft während ihren Ermittlungen.

Deshalb verwenden wir Freimaurer den Begriff Diskretion als vertrauensbildende Kraft für unseren Umgang untereinander, aber vor allem gegenüber Dritten. Er macht deutlich, dass das vertrauensvolle Miteinander gewahrt bleibt. So wie es sein soll.

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