Olympia in 3-D

von Rüdiger Hüls5.08.2012Gesellschaft & Kultur

Unterwasser-Rugby ist Sport in drei Dimensionen – gleichzeitig kombiniert er spannende Elemente aus anderen Disziplinen: Kugelstoßen, Schwimmen und Tauchen. Zeit für Olympia, wir haben einen langen Atem.

Unterwasser-Rugby (UWR) ist ein einzigartiger Mannschaftssport für Frauen und Männer, der mit keiner anderen olympischen Sportart verglichen werden kann – und deswegen sollte es olympisch werden. Die Einzigartigkeit zeichnet sich dadurch aus, dass sich sowohl der Ball als auch die Spieler unter Wasser in allen drei Dimensionen bewegen. Den Zuschauer erwarten daher spannende und eindrucksvolle Spielsituationen. Im UWR versammeln sich filigrane Ballkünstler und dynamische Athleten – das Ergebnis ist ein sehr kraftbetontes und gleichzeitig ästhetisches Spielgeschehen.

Kampf in drei Dimensionen

Gespielt wird wie folgt: Beim Aufeinandertreffen versuchen zwei Mannschaften mit jeweils sechs Spielern und sechs Auswechselspielern, den salzwassergefüllten Ball in einer Spielzeit von zwei mal 15 Minuten so häufig wie möglich im gegnerischen Metallkorb zu versenken, der sich am Boden des Schwimmbeckens befindet. Zweikämpfe dürfen mit fairem Körpereinsatz nur gegen den ballführenden Spieler gerichtet sein oder vom ballführenden Spieler ausgehen. Das Spiel findet hauptsächlich unter Wasser statt, die Spieler tauchen nur auf, um Luft zu holen. Durch die Flossen an ihren Füßen erreichen die UWR-Spieler hohe Geschwindigkeiten während eines Spiels. Dieser faszinierende Ballsport bietet einmalige athletische Herausforderungen, die es noch in keiner anderen olympischen Sportart gibt. Von UWR-Spielern wird unter Wasser nicht nur hohe Ausdauer und ein langer Atem verlangt, sondern auch Kraft, Schnelligkeit und Wendigkeit. Außerdem benötigt man für das taktische Gefühl und das richtige Positionsspiel im freien Raum der drei Dimensionen ein ausgesprochen gutes Orientierungsvermögen, denn ein Angriff kann beim UWR von oben, unten oder der Seite erfolgen. Da gilt es, immer wachsam zu sein. Beim Passspiel sind dann auch noch die Qualitäten eines Kugelstoßers gefordert. Auf der Grundlage des Schwimmens und Tauchens ist UWR somit ein anspruchsvoller Ganzkörpersport, der gleich mehrere Sportarten verbindet. Allein diese außergewöhnliche und besonders anstrengende Mischung rechtfertigt aus meiner Sicht eine Aufnahme in das olympische Programm. Neue, vielseitige Sportarten hat es schon immer bei Olympia gegeben. Warum also nicht auch UWR?

UWR „vertieft“ den olympischen Gedanken

Es könnte eine Lücke bei Olympia schließen, die dem klassischen olympischen Motto „höher, schneller, weiter“ voll entsprechen würde. Genau dieser Wettbewerbsgedanke ist auch im Spielbetrieb des UWR fest verankert. Mit einem ernst gemeinten Augenzwinkern würde ich behaupten, dass UWR den olympischen Gedanken buchstäblich „vertiefen“ könnte. Mit UWR würde bei Olympia nämlich auch die dritte Dimension einkehren. Hiermit würde meiner Ansicht nach auch bestens das heutige olympische Motto „Dabei sein ist alles“ ausgedrückt werden können, das mittlerweile den Ereignis- und Erlebnischarakter des Sports in den Vordergrund gerückt hat. Aufgrund der Einzigartigkeit einer dreidimensionalen Sportart bietet UWR sicherlich genug Spaß und „atemberaubendes“ Spektakel, um als Sportart ebenfalls bei Olympia dabei sein zu dürfen. Zudem hat UWR auch international einen sehr hohen Stellenwert. Seit UWR Anfang der 1960er-Jahre eingeführt wurde, hat sich der Sport weltweit verbreitet. So finden regelmäßig Europa- und Weltmeisterschaften sowie dauerhaft Punktspiele in nationalen Ligen statt. Aus sportlicher Sicht und dank seiner Alleinstellungsmerkmale erfüllt, meiner Ansicht nach, UWR die Olympia-Norm also hinreichend. Das Warten auf die Nominierung wird nicht allzu schwierig sein, denn UWR besitzt zweifellos einen langen Atem.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Gedanken zum Widerstandsrecht

,,Was wolltest Du mit dem Dolche, sprich?“ - ,,Die Stadt vom Tyrannen befreien!“ So ist es im Gedicht „Die Bürgschaft“ von Friedrich Schiller zu lesen. Er schreibt im Schauspiel „Wilhelm Tell“:,,Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht ... Wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden,

Wie ein Präsident Selensky relativ erfolgreich sein könnte

Ein Großteil der intellektuellen Elite, politischen Chatcommunity, weltweiten Diaspora und ausländischen Freunde der Ukraine ist entsetzt über den Ausgang der ukrainischen Präsidentschaftswahlen. Der Schauspieler, Komiker und Geschäftsmann Wolodymyr Selensky wird, nachdem er im ersten Wahlgang

August von Hayek: „Der Weg zur Knechtschaft“

Von 1940 – 1943, als der Kampf gegen das Deutschland der Nationalsozialisten noch nicht entschieden war, schrieb August von Hayek im englischen Exil, in das er vor den Nationalsozialisten geflüchtet war, „Der Weg zur Knechtschaft“. Es erschien 1944 in England, dem Land, das Europa innerhalb v

Die Migrations-Politik der EU ist gescheitert

Vortrag von Herr Köppel bei der EKR (Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer) im Europaparlament in Brüssel am 17.06.2019, als Beitrag zur Diskussionsrunde „Die EU nach den Wahlen - weniger Europa“. Herr Köppel erläutert, warum die Schweiz mit der EU bestens zusammenarbeiten wi

Teilen und Herrschen: Frankreich will immer im EU-Poker mitsspielen

Um die Schwierigkeiten zu verstehen, die die Besetzung der sogenannten Topjobs (Kommissions-, EZB- und Parlamentspräsident, sowie den Hohen Vertreter der EU für Außen- und Sicherheitspolitik) in der EU mit sich bringen, lohnt es sich die Mitglieder der EU einzeln nach Gewichtung, Interessen und m

Wie ein schwacher Staat unsere Sicherheit aufs Spiel setzt

Die Bibliothek des Konservatismus Berlin ist eines der kleinen gallischen Dörfer in der rot-dunkelrot-grünen Hauptstadt des besten Deutschlands, das wir je hatten, von denen Widerstand gegen den Zerfall unseres Landes ausgeht. Am 3. Juli war in der Bibliothek jeder der über dreihundert unbequeme

Mobile Sliding Menu