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Ruben Alexander Schuster22.05.2012Außenpolitik

Wo das Auge hinblickt – Listen. Der größten Beliebtheit erfreuen sich die Ranglisten von Reichen. Es ist an der Zeit, diese oft unfreiwillige Zurschaustellung von Vermögen zu hinterfragen.

Das menschliche Verlangen nach Listen scheint keine Grenzen zu kennen. Alles, sei es noch so absurd, wird auf einer Liste festgehalten: die 20 schönsten Filmküsse, die Top-40s, die wichtigsten 100 Orte, Ergebnislisten, Einkaufslisten, Prüfungslisten und selbst das Christentum hat seine eigene „heilige Liste“, die zehn Gebote. Listen geben unserer Umwelt eine klare Struktur, jeder weiß wo er steht, alles hat eine klare Ordnung. Prioritäten helfen uns „wichtig“ von „unwichtig“ zu unterscheiden. Darüber hinaus können bestimmte Listen einen ultimativen Ausdruck von Wettbewerb und Konkurrenz darstellen. Jeder Rang einer solchen Liste ist Synonym für Erfolg oder Misserfolg, für Sieg oder Niederlage. Geradezu manisch erscheint der Kampf um die Position.

Alle bringen Ranglisten der Reichen heraus

Normalerweise treten die Kombattanten solcher „Ruhmeslisten“ freiwillig in den Konkurrenzkampf. Sei es ein sportlicher Wettbewerb, dessen Zweck das Messen und Vergleichen mit dem Gegner ist, oder ein industrielles Ringen um das beste Produkt. Aber es gibt eben auch Listen, auf denen die Eintragung sich jeder Freiwilligkeit entzieht, hierbei meine ich nicht nur Fahndungslisten der Polizei, sondern in diesem Fall vor allem die jährlich erscheinenden „Rich Lists“. Egal ob „Forbes Magazine“, „Sunday Times“ oder „Manager Magazin“, alle bringen nationale und internationale Ranglisten der „Reichen“ heraus. Ohne jeden Zweifel ist das öffentliche Interesse am Vermögen der Wirtschaftsprominenz enorm. Die Welt möchte wissen, mit welchem Geschäftskonzept die höchsten Renditen erzielt werden können. Dass Microsoft über Jahrzehnte hinweg das erfolgreichste Unternehmen der Welt war, schlägt sich spätestens in der Tatsache nieder, dass sein Eigentümer bis vor ein paar Jahren an der Spitze jeder „Rich List“ stand. Aber wie lang dürfen diese Listen sein? Top 10 oder Top 1000? Es darf nicht vergessen werden, dass es sich hierbei nicht um Unternehmenskapital, sondern um Privatvermögen handelt. Natürlich ist es bemerkenswert, wenn von den zehn reichsten Briten überhaupt nur drei britischer Abstammung sind. Ein Faktum, das viel über eine sich wandelnde Gesellschaft aussagt und den extrem hohen Mobilitätsgrad von Kapital deutlich macht. Dennoch ist es notwendig, diese Form von Zurschaustellung von privat erwirtschaftetem Kapital, sei es durch Arbeit oder durch Erbe, grundlegend zu hinterfragen. Ich halte es für pervers, wenn Magazine und Zeitungen Sonderbeilagen drucken, wo Tausende von Namen aufgeführt sind und hinter jedem eine grob geschätzte Zahl steht. Ist es denn wirklich so erhellend und interessant, ob Herr XY nun 42 oder 44 Millionen Euro schwer ist? Nein, ganz im Gegenteil! Es ist sogar sehr gefährlich. Eine demokratische Gesellschaft muss Raum lassen für eigenverantwortliche Selbstentfaltung, dies bedeutet zum einen, dass jeder sein Kapital, egal ob viel oder wenig, so verwenden kann, wie es im Rahmen der Gesetze zulässig ist, aber zum anderen eben auch, dass man als Privatperson nur gegenüber den Finanzbehörden auskunftspflichtig ist. Das Recht auf Privatsphäre ist universell und muss jedem innerhalb eines freiheitlichen Rechtstaats gestattet werden, dies beinhaltet auch das Recht, das eigene Vermögen vor der medialen Öffentlichkeit geheim zu halten.

Höchste Zeit für neue Listen

Der soziale Frieden ist ein hohes und stets zu bewahrendes Gut. Er kann nur bestehen, wenn ein gegenseitiges Vertrauen geschaffen wird. Neid, Gier und Missgunst können dieses kostbare Gut schnell zerstören. Es wird höchste Zeit, neue Listen zu entwickeln, die nicht nach Privatvermögen fragen, sondern z.B. nach gesellschaftlichem Engagement oder nach persönlichem Einsatz für die Gemeinschaft. Davon würden alle profitieren.

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