Wir müssen den Menschen die Dimensionen der Energiewende verdeutlichen. Torsten Albig

20.000 Meilen über die Meere

Prinz William ist neuerdings auf den Falklandinseln stationiert – für Argentinien eine Provokation. Mit dem außenpolitischen Säbelrasseln versucht David Cameron, von innenpolitischen Problemen abzulenken.

Die Entsendung von Kriegsschiffen zu Patrouilleeinsätzen gehört für NATO-Mitglieder zur militärischen Routine und findet normalerweise wenig mediale Aufmerksamkeit. Als jedoch vorletzte Woche der modernste Zerstörer der Royal Navy mit dem bezeichnenden Namen „HMS Dauntless“ Kurs auf den Südwestatlantik nahm und gleichzeitig die Mitteilung verbreitet wurde, dass der britische Thronfolger Prinz William auf den Falklandinseln stationiert werden wird, war dies genug Zündstoff für die Medien, um von einer scharfen politischen Salve zu sprechen, die London in Richtung Buenos Aires zum dreißigjährigen Jubiläum des Falklandkrieges abschoss.

Außenpolitische Muskelspiele

1982 besetzten argentinische Truppen die Falklandinseln und damit britisches Hoheitsgebiet. Premierministerin Thatcher reagierte eisern und beorderte Teile der britischen Flotte zum südlichsten Außenposten Londons, um dem illegalen Treiben der Argentinier Einhalt zu gebieten. Sie setzte sich durch und die 2.500 Inselbewohner konnten weiterhin fröhlich den Union Jack im Vorgarten hissen!

Es ist wohl als Ironie der Geschichte anzusehen, dass es innenpolitische Probleme Argentiniens waren, die Präsident Galtieri 1982 zur militärischen Provokation bewegten, um dadurch die Geschlossenheit der Argentinier wieder herzustellen und durch außenpolitische Muskelspiele seine Herrschaft zu legitimieren und stärken. Böse Zungen werfen dieser Tage der Cameron-Regierung eine ähnliche Strategie vor. Es fehle ihm an Erfolgsmeldungen und Themen, die ihm eine breite Unterstützung der Bevölkerung garantieren. Die Falklands kämen hier wie gerufen! In der Unterhausdebatte holte der Premier mal wieder die Verbalbazooka raus und sprach von „argentinischem Kolonialismus“, der das Selbstbestimmungsrecht der Falkländer missachte, darüber hinaus machte er deutlich, dass Großbritannien sich nach wie vor für die Rechte seiner Bürger einsetze, egal ob in London oder im Südatlantik. Eine Rhetorik, die gut ankommt und viele emotionale Erinnerungen an das stolze British Empire mit seinen Überseegebieten weckt. Eine Zeit, in der Großbritannien noch eine Weltmacht war, wirtschaftlich stark, militärisch potent und politisch selbstbewusst.

Öl und Moral

Cameron geht es bei diesem Säbelrasseln auf den Falklands nicht nur um die Potenzdemonstration seiner Regierung, sondern vor allem um die nicht zu vernachlässigenden Ressourcen der Inselgruppe. Experten vermuten Ölfelder rund um die Inseln, die dem maroden britischen Staatshaushalt dringend benötigtes frisches Geld in die Kassen spülen können. Dass dies die selbstbewusste argentinische Präsidentin Fernández de Kirchner nicht hinnehmen wird, war zu erwarten, sodass eine Konfrontation und das Erinnern an eine militärische Überlegenheit der britischen Streitkräfte als Strategie beim Kampf ums Öl gesehen werden muss.

London wird so lange die moralische Karte spielen können, bis sich die mittlerweile knapp 3.000 Insulaner für ihre britische Zugehörigkeit aussprechen. Im Angesicht aktueller Umfragen, deren Objektivität hinterfragt werden darf, wird dies aber noch lange der Fall sein. Die Anwesenheit Prinz Williams und des symbolträchtigen „furchtlosen“ Hightech-Zerstörers werden dafür sorgen, dass es keine Zufälle geben wird und dass das schwarze Gold dem britischen und nicht dem argentinischen Finanzminister ein Lächeln schenken wird.

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