Lasst sie doch brüllen

von Ruben Alexander Schuster23.11.2011Außenpolitik

Die Äußerungen Volker Kauders auf dem Leipziger CDU-Parteitag waren eine Steilvorlage für die britische Boulevardpresse. Wir sollten aber Daily Mail & Co. nicht so viel Aufmerksamkeit schenken, da die seriösen Stimmen sonst untergehen.

“Volker Kauder hat es getan”:http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,797945,00.html. Er hat den Finger in eine vermeintliche Wunde gelegt und hat mit dem kurzen Satz „Jetzt wird in Europa Deutsch gesprochen!“ für Wirbel in Großbritannien gesorgt. Ein Skandal, endlich! Lange gab es keine Gelegenheit mehr, dass „Daily Mail“, „Sun“ und “wie sich die sonstigen populistischen Schundblätter der Insel”:http://www.theeuropean.de/eberhard-lauth/7320-skandal-um-news-of-the-world nennen, in den fettesten Lettern auf ihren Titelseiten der deutschen Politik nationalsozialistische Großmachtbestrebungen unterstellen konnten. Aber reicht es wirklich zum Skandal, wenn der Fraktionsvorsitzende der Regierungspartei auf einem Bundesparteitag deutlich macht, dass die Stabilitätskriterien und die verbindliche Schuldenbremse ein Produkt deutscher Politik sind? Keine Frage, diplomatisches Geschick hat Kauder durch die Aussage nicht bewiesen. Aber britische Boulevardzeitungen sollten sich nach 60 Jahren einmal die Frage stellen, ob sie auch im nächsten halben Jahrhundert jede noch so nichtige Vorlage nutzen wollen, um den Deutschen immer wieder das braune Hemd anzuziehen!

Verfälschtes Stimmungsbild

Dieser Vorfall dient jedoch geradezu als Paradebeispiel, um die eigentlichen Akteure und ihre Beweggründe zu identifizieren und zu benennen, die in den vergangenen Jahrzehnten verantwortlich sind, dass diese öffentlich zur Schau gestellte Wunde nicht verheilen will. Es kommt einem in Deutschland so vor, als hätte das britische Außenministerium die Abteilung für anglo-deutsche Beziehungen in die Redaktionen ebendieser Gazetten ausgegliedert. Es erscheint, als seien sie es, die die Meinungshoheit und das Recht beanspruchen, im Namen des britischen Volkes zu sprechen und damit die Eckpfeiler des außenpolitischen Verhältnisses zur Bundesrepublik zu bestimmen. Weit gefehlt! Politik und Medien in Deutschland vertrauen seit Jahrzehnten auf die Titelseiten von drittklassigen britischen Journalien, um ein vermeintlich breites gesellschaftliches Stimmungsbild Großbritanniens zu erhalten. Hier liegt einer der zentralen Fehler! Wenn die „Tagesthemen“ der ARD sich in einem ca. sechsminütigen Beitrag der Hassberichterstattung der britischen Boulevardpresse widmen, stärken diese dadurch den Einfluss und Bedeutung einer solchen Form des „Journalismus“ und verweigern damit einer Vielzahl seriöser Stimmen das Podium. Weder spiegelt die „Bild“-Zeitung den öffentlichen Diskurs Deutschlands wieder, noch kann man das von der „Daily Mail“ oder der „Sun“ für Großbritannien behaupten. Also, alle einmal durchatmen und genau hinschauen, wer da was schreibt!

Auch „Times“ und „Daily Telegraph“ werden zum Boulevard

Wie gefährlich es für den seriösen Pressemarkt ist, sich zu sehr an Boulevardformaten zu orientieren, kann man in Großbritannien jeden Tag aufs Neue erleben. Es fing damit an, dass die großen Qualitätszeitungen wie z.B. die „Times“ oder der „Daily Telegraph“ die populistischen Thesen ihrer Kollegen aufgriffen und damit einen boulevardisierten Grundtenor hoffähig machten und nun vor dem Dilemma stehen, dass sie, ohne es richtig zu bemerken, sich selbst zur Boulevardzeitung entwickelt haben. Die wenigen, die sich in Großbritannien noch dem Qualitätsjournalismus verpflichtet fühlen und der Dramatisierung und dem Populismus abschwören, geben Entwarnung. Kauders Worte sollten nicht überinterpretiert werden und schon gar nicht mit deutschen Hegemonialbestrebungen in Verbindung gebracht werden. Hier lässt man viele britische Stimmen zu Wort kommen, die sich verwundert fragen, warum Deutschland als wichtigste Wirtschaftsnation und größter Nettozahler der Europäischen Union keinen selbstbewussteren Auftritt verfolgt und seine Stärken so selten klar benennt. Kein Wort ist zu hören vom Nazi-Vergleich mit Kauder, ist man doch, was das Hervorheben der nationalen Stärken anbelangt, ganz andere Vokabeln und Formulierungen von britischen Politikern gewöhnt. Dies soll keineswegs eine Aufforderung sein, sich in Zukunft in Kraftausdrücken zu üben, um somit Deutschlands Selbstbewusstsein zu stärken. Nein, das genaue Abwägen der Worte sollte immer im Vordergrund stehen! Jedoch müssen wir gleichzeitig ein öffentliches Selbstvertrauen entwickeln – gerade auch die Medien – nicht jeder deutschkritischen Bemerkung oder einer Braunhemdenkarikatur der britischen Boulevardpresse Aufmerksamkeit zu schenken.

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