Nur Staaten erzeugen die notwendige Stabilität. Gleichzeitig können sie der Quell allen Übels sein. Francis Fukuyama

Sammeln für die Königin

Eine britische Spendenkampagne hat es sich zum Ziel gesetzt, 60 Millionen Pfund für eine neue königliche Yacht zu sammeln. Damit sollen die herausragenden Leistungen der Königin gewürdigt werden.

Wie weit Großbritannien und Deutschland mental voneinander entfernt sind, zeigt die in den vergangenen Tagen an Vehemenz gewonnen habende Debatte über die Beschaffung einer neuen Yacht für Königin Elisabeth II. 15 Jahre ist es nun her, dass das britische Oberhaupt von Staat und Nation nicht mehr an Bord ihrer so heiß geliebten HMY Britannia die Weltmeere durchqueren kann, da sie 1997 auf Initiative der damals ins Amt gekommenen Labour-Regierung ausgemustert und nicht ersetzt wurde. Die Queen nutzte das Schiff nicht nur, um Urlaub zu machen, sondern vor allem, um ihren repräsentativen Pflichten nachzukommen. So war die 1954 in Dienst gestellte Yacht ein schwimmender Hofstaat und bot mit 250 Mann starker Besatzung genug Raum für Empfänge und Bankette. Die königliche Familie absolvierte 696 ausländische Staatsbesuche auf der HMY Britannia und besonders die Queen entwickelte eine enge emotionale Bindung zu ihrem schwimmenden Palast. Es war der einzige Wohnort, dessen Bau, Ausstattung und Einrichtung sie von der ersten Planungsphase hat mit gestalten können. Alle anderen Wohnsitze, egal ob Buckingham Palace oder Balmoral Castle, sind Entwürfe ihrer Vorfahren.

60 Millionen für eine neue Yacht

Anlässlich des diesjährigen Diamond Jubilee wurde am gestrigen Montag von einer Gruppe verschiedener Unternehmensteilhaber die öffentliche Spenden-Kampagne „Jubilee Yacht Appeal“ ins Leben gerufen mit dem Ziel, 60 Millionen Pfund zur Anschaffung einer neuen königlichen Yacht zu sammeln. Bis Ende des Jahres soll ein gebrauchtes Schiff gekauft, umgebaut und der Queen übergeben werden. Ein zweites, davon unabhängiges Konzept sieht den Bau eines Vier-Mast-Segelschiffs vor, das neben der Royal Family vor allem zu Trainings- und Forschungszwecken von Marine-Kadetten genutzt werden soll. Premierminister David Cameron und mehrere Minister setzten sich bereits für dieses Doppelnutzungskonzept ein.

Ganz egal ob und welche dieser konkurrierenden Ideen sich durchsetzen kann, so geht es im Kern darum, dass ein Volk ein Millionenvermögen aufbringen möchte, um seiner Königin eine Megayacht zu schenken. Ganz ohne Druck und Zwang, sondern aus einer nun 60-jährigen Dankbarkeit einer ganzen Nation für die unermüdlichen Leistungen ihrer Monarchin.
Liest man als Deutscher eine solche Meldung, weiß man zunächst nicht, ob es sich vielleicht doch um einen Aprilscherz handelt, so absurd und abwegig erscheint einem dieser Vorstoß. Man beginnt über die ersten Vergleiche zu sinnieren und stellt sich Spendenbüchsenträger in deutschen Fußgängerzonen vor, die jedem Bundesbürger einen Euro zur Finanzierung der Bundespräsidentenyacht entlocken wollen, damit Herr Gauck auch am norddeutschen Seegeschehen teilnehmen kann. Doch die Briten meinen es tatsächlich ernst!

Die Yacht als nationales Symbol

Die privaten Initiatoren der Kampagne sehen diese Yacht weder als Luxusspielzeug einer ohnehin privilegierten Familie, noch als unangemessene Ausgabe in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und Rezession in Großbritannien. Die neue Staatsyacht soll vielmehr als nationales Symbol dienen, um die herausragenden Leistungen dieser Königin zu würdigen. Sie soll als Erinnerung daran dienen, was ein Volk alles erreichen kann, wenn es sich aufmacht, um an einem Strang zu ziehen.

Das Projekt folgt einer Logik, die man als Kontinentaleuropäer nur schwer oder auch gar nicht nachvollziehen kann und dennoch ist dies genau ein perfektes Synonym der britischen Mentalität. Sie wird auch in Zukunft immer fernab davon sein, was wir als Deutsche, Franzosen, Italiener als rational und nachvollziehbar erachten. Eine Nation, die so bedacht auf ihre eigenen Werte und Traditionen ist wie die britische, ist selten geworden. Eine derartige Sonderheit gilt es zu bewahren und zu respektieren, egal ob die eigenen Maßstäbe etwas anderes nahelegen.

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