Der neue alte Retter

von Romy Straßenburg23.09.2014Außenpolitik

Er kann es nicht lassen. Nicolas Sarkozy kehrt in die französische Politik zurück. Dabei geht es für ihn um nicht weniger als die Rettung Frankreichs.

„Was muss, das muss!“ Nico bringt’s mal wieder auf den Punkt. Was muss? Na, er muss. Er muss mal. Er muss mal eben die Welt retten … nun ja, Frankreich würde ihm zunächst schon reichen!

Am letzten Freitag hatte der 59-Jährige auf seiner Facebook-Seite angekündigt, was die Tauben seit Langem von den Pariser Dächern gurrten: Daddy’s back! Und Daddy hat sogar ein paar graue Haare bekommen. Viel mehr habe sich allerdings an ihm nicht verändert, glauben Umfragen zufolge zwei von drei Franzosen. Noch.

Umso minutiöser musste jeder Schritt der sarkozystischen Wiederauferstehung geplant sein. Über Monate hatte er sich mal mehr, mal weniger in der Öffentlichkeit blicken lassen. Nur um Schlagzeilen musste sich Zar Kotzy nie sorgen: Er, Ex-Präsident, blieb stets “König der Affären()”:http://www.tageblatt.lu/nachrichten/story/Nicolas-Sarkozy-will-es-nochmal-wissen-25921910. Und auch wenn die Franzosen einiges an Politik-Tobak gewöhnt sind, ist le petit Nicolas wohl die Inkarnation von Mauscheleien, also so Korruptions-Bestechnungs-illegaler-Finanzierungs-Krimskrams, bringt also alle Voraussetzungen mit, um Frankreichs nächster Präsident zu werden.

„Stehen wir vor einem Volksaufstand?“

Die große Sarko-Show gab es dann am Sonntagabend im zweiten französischen Fernsehen. Es war fast so amüsant und grotesk wie Thiel & Boerne zeitgleich im ersten deutschen. 45 Minuten lang erfüllte die so schmerzlich vermisste Stimme des Ex-Präsidenten die Wohnzimmer der Republik. Mein Volk, mein Land, meine Berufung. Getrieben von der Liebe zu Frankreich will, nein muss er dem Trauerspiel unter Holländ-Fränz’le ein Ende bereiten … Zum momentanen Zustand von „Krankreich“ nur so viel: „Ich möchte nicht, dass die Wut in Gewalt umschlägt!“, sagt er theatralisch, was Star-Moderator Laurent Delahousse verleitete, le Nico gleich noch eine Revolution aus den Rippen leiern zu wollen: „Was fürchten Sie? (…) Sind wir in einem Klima, wo Funken etwas Größeres entzünden könnte? Stehen wir vor einem Volksaufstand?“

Schade! Irgendwie wurde das Thema dann nicht zu Ende gebracht. Immerhin steht bei Korrespondenten so eine Revolution ebenso hoch im Kurs wie eine Fußball-Weltmeisterschaft, die alljährliche Schokoladenmesse oder der Automobilsalon. Vorerst müssen meine Kollegen und ich also auf den Volksaufstand verzichten, denn Sarko muss erst mal Großreinemachen in der eigenen politischen Familie. Alles soll anders bleiben in Sarkos Welt. Links, rechts, oben, unten, liberal, illegal usw. aus Alt mach Neu.

Faut faire attention, Nico!

Und was die anderen Alpha-Beta-Gamma-UMP-Männchen angeht: Er braucht sie ja ALLE! Nicht nur seinen ehemaligen Premierminister François Fillon. Auch den Ex-Premier-Verteidigungs- und Außenminister Alain Juppé, ein politischer Alleskönner. Doch _faut faire attention_, Nico! Dem Guten fehlt noch der Präsi-Titel aufm Curriculum Vitae. Daher will auch er als Kandidat der Konservativen 2017 den Elysée erobern. Und Juppé ließ es sich dann auch nicht nehmen, sein politisches Programm öffentlichkeitswirksam auf seinem Blog zu veröffentlichen. Und wann war das doch gleich? Na genau während, also quasi zeitgleich, meint parallel, zu oder im Augenblick von Nicos Fernsehauftritt.

Das sollte ungefähr so viel heißen wie: „Was Du Fatzke zu labern hast, interessiert mich eh nicht. Lieber geb ich mir selbst noch ’n fetten Like für mein eigenes Progrämm’le!“

Bei so viel Heimtücke muss Sarko tapfer bleiben. Aber was muss, das muss!

1. Im Gegensatz zum romantischen – durch Edith Piaf genährten – Bild vom „Spatz von Paris“ wird die Stadt der Liebe von Tauben dominiert, ja terrorisiert. Die Autorin dieser Zeilen bekennt sich an dieser Stelle ganz ohne Scham zu ihrer Tauben-Phobie und ruft Naturschützern zum Trotz zum Widerstand gegen diese Ratten der Lüfte auf.

2. Die Autorin gesteht, diese kreative Namensabwandlung aus einem Leserkommentar an anderer Stelle abgeschrieben zu haben.

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