Ain’t no sunshine

Romy Straßenburg26.08.2014Außenpolitik

Mit der aktuellen Krise gerät selbst der sturmerprobte François Hollande vom Regen in die Traufe.

Was’n verdaddelter Sommer! Das offenbar einbetonierte Grau am Pariser Himmel, die frostigen Temperaturen, der nie enden wollende widerliche Strom endloser Wasserstrippen: das miserable Wetter im Norden Franzreichs war im traditionell schläfrigen Monat August DER vorherrschende Anlass zum eh latent vorhandenen Meckern in Lutetia aka Pärizzz-Zitty. Da ließ sich fast vergessen, dass irgendwann, eines schönen Morgens, der Wecker wieder schrillen würde. Dass man aus dem Sommerschlaf erwachen muss, dass Kinder Schreibhefte fürs neue Schuljahr kaufen, Anrufe wieder entgegengenommen werden und dass freischaffende Journalisten auf irgendwas Verwertbares im Nachrichtengeschäft hoffen können. Und siehe da, voili-voilà (by the way, eine der abartigsten Redewendungen im französischen Alltagssprech – quasi so wie „by the way“ im Englischen), hopp-die-hopp im Schweinsgalopp wird kurzerhand die Regierung aufgelöst und zumindest wieder unter Süper-Manü zusammengepuzzelt. Ein Spätsommertheater auf vereister politischer Bühne unter dem Motto: here comes not the sun, but the rain!

Denn der regenerprobte Oberfranzmann, François „The Rainman“ Hollande, der schon bei Amtsantritt saumäßig nass geworden war (was seitdem von Journalisten, Comedians und in sozialen Netzwerken inflationär ausgeschlachtet wird) steht einmal mehr unter Beschuss, an der Wand, in der Kritik, am Pranger … und ja, kurz und gut, im Regen. Dabei hat gerade er sich stets unerschrocken dem feuchten Element gestellt. Und wie das Wasser den Zucker, löste er, wenn’s allzu arg tropfte, die Regierung auf. Gleich zweimal in fünf Monaten, da sag ich: Chapeau bas, Wasser marsch! Der Mann fackelt nicht lang. Er versprach seinem durch wirtschaftliche Dürre-Perioden ausgetrockneten Volk im Wahlkampf: „Der Wandel beginnt jetzt!“ Allerdings begann dieses „Jetzt“ sich dann immer wieder zu wandeln. Mal sollte jetzt reformiert werden, dann jetzt beschleunigt, dann wieder jetzt zusammengehalten, immer auch jetzt verantwortlich paktiert. Bei so viel jetzt kann man schon mal „oder nie“ ins Spiel bringen.

Ange-pacte, Zuge-pacte, Druffge-pacte

Aber als Mann der „Pakte“ packte Le Président immer wieder gerne an, äh druff (was seitdem von Journalisten, Comedians und in sozialen Netzwerken inflationär ausgeschlachtet wird). Klingen schon schön, so ein pacte de compétitivité und (’ne Schippe ruffgepackt:) so ’n pacte de responsabilité & pacte de solidarité! Bei so viel „pactes“ gehen dann verständlicherweise die „actes“ auch mal flöten. Aber gut, das politische Agieren ist im Allgemeinen und Speziellen eh tendenziell überbewertet. Non, stimmt jetzt so auch wieder nicht, denn Auflösen iss ja auch ein durchaus aktives Verb und will zudem gelernt sein. Diese „remaniements“, diese Kabinettsumbildungen sind in Frankreich halt ab und an mal wieder gern gesehene Abwechslung und Garant für gelungene Schlagzeilen, die da heute wären „Quel spectacle“ („Le Parisien“) oder „Crise de régime“ (allerdings dumm gelaufen für den konservativen „Le Figaro“ und die linke Tageszeitung „Liberation“, haben aus Versehen beide auf den gleichen Titel gesetzt, merde! Aber wo sie recht haben, haben sie … usw.).

Mit Hollande, so die Botschaft dieser Auflös-Umbild-Neuausrichtungs-Maßnahme, ist nicht zu scherzen. Wenn nämlich der Besserwisser, nunmehr Ex-Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg, ständig die Mutti-Spaßbremse gibt und die angestoßenen Reformen und überhaupt die Sparpolitik kritisiert, muss auch mal Schluss sein mit lustig. Dazu dieses ständige Draufkloppen auf unsere aller Muddi-Merkel. Immerhin hat „Madame-Non“ dem Franzmann mal gezeigt, wie man wieder auf’n grünen Zweig kommt. In Deutschland wachsen die Bäume des Kapitalismus ja trotz Wassergeld sparen, während dieser linke Hund von Montebourg noch mit der Investionsgießkanne kommen will, um die Kaufkraft anzukurbeln und das Defizit zu senken. Pfffffff, nicht mit la Maman allemande! Und auch nicht mit Hollande!

Wet and dirty

Wasser marsch, ja! Aber der Regen und wirtschaftspolitische Segen kommen naturellement vom Himmel und nicht mehr aus der Staatskasse wie seit …? Äh, eigentlich immer. Es könnte nach dem Sommer nun aber auch im Herbst wet and dirty werden im Regierungsgeschäft. Hollande sollte da auch an eine parallele Karriere als Karaoke-Sänger denken. Politische Meteorologen sagen voraus, da sei nix mehr zu holen mit dem Präsidentendingsda-Bums.

Immerhin gibt es wie für ihn gemacht ein Riesenarsenal an Regenliedern. Allerdings sind die meisten davon auf Englisch (und das entschuldigt die zahlreichen Anglizismen in diesem ja eigentlich Frankreich gewidmeten Text). Aber noch immer existiert die vorgeschriebene Quote an französischer Musik im Radio (wobei die Autorin kürzlich aufgeklärt wurde, dass die french Mucke vornehmlich nachts gespielt wird). Hollande seien aber große Klassiker ans Herz gelegt: „Can you stand the rain“, „Have you ever seen the rain“, „It’s raining men“, „Somewhere over the rainbow“ …

Oder er wird doch noch Frankreichs neuer Sonnenkönig!

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