Sarkosprech für Anfänger

Romy Straßenburg17.03.2014Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur

Wer spricht denn da? Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy wurde abgehört: von der Justiz und von seinem engsten Berater. Französisch für politische Anfänger.

Meine Magisterarbeit im Fach Französische Sprachwissenschaft trug den vielversprechenden Titel „Le style Sarko“. Dann langer Untertitel (macht halt immer was her!): „Zum Identitäts- und Moraldiskurs während der französischen Präsidentschaftswahlen 2007 anhand von Wahlkampfreden des Präsidentschaftskandidaten Nicolas Sarkozy“. Puuhh.

Gut, sehen wir großzügig vom „schlampigen Umgang mit Fußnoten“, der zwielichtigen Bibliographie und der bescheidenen Note ab: Allein das Hören und Lesen der verbalen Ergüsse von Nicolas S-Punkt prägt einen ja fürs Leben und kann noch heute wieder und wieder journalistisch verwurstet werden.

Hollande überwacht Sarkozy

Essenz aus 74 Seiten Diskursanalyse zur Erringung der zwei magischen Buchstaben M.A.: _Je ne veux pas!:_ (Ich will nicht!). Ja, die quantitative und qualitative Auswertung lassen keinen Zweifel: der Sarko war schon immer ein bockiges Bürschchen, der nie wollte, was er sollte!

Und nun das: Sieben Jahre und etliche rhetorische Ergüsse später, gefährden gleich zwei Abhörskandale seine Absichten, in die Politik zurückzukehren. Da wäre zum einen die Enthüllung, dass Super-Sarko über Monate von der Justiz abgehört wurde, bevor sich der Cleverling Tatort-like ein Zweithandy besorgte. Aber wieso denn bloß? Na, was die NSA bei Merkel kann, findet auch die French Justice momentan ganz dufte: Frei nach dem Motto der gleichnamigen französischen Band: „you’ll never be alone again, so come on!“

Zugegeben, bei Sarkos-Skandal-Shows kann schon mal den Überblick verlieren. Wer war noch mal Liliane Bettencourt? Kam da nicht mal Kohle aus Libyen und jetzt darf man sich auch noch die berechtigte Frage stellen: Muss man so ’nem dahergelaufenen Untersuchungsrichter nicht sagen dürfen, dass man ein Strafverfahren doof finden würde und dass er in der Provinz doch auch ganz gut aufgehoben wäre? Alles durchaus berechtigte Fragen, findet zumindest die Judikative und ermittelt seit April 2013 gegen den _Citoyen N.S._, nunmehr von der politischen Immunität enthoben. Der oberste Franzmann a.k.a. _Le Président_ knallte noch mal einen drauf: „Ich überwache ihn. Ich weiß genau, was er macht“, soll Hollande gesagt haben. Das behauptet zumindest die geschwätzige Journaille – sei aber völliger Quatsch, heißt’s ja hinterher immer.

Für alle Lebenslagen gerüstet dank Sarkozy

Tja und dann wären da noch ominöse Gesprächsmitschnitte, heimlich von Ex-Sarkozy-Berater Patrick Buisson aufgenommen und – ups – den Medien zugespielt. Wie das aber auch immer passieren kann. Leider konnte man sich nur kurzweilig an den Aufnahmen erfreuen, weil Sarkozy und Carla Bruni im Eilverfahren die sofortige Löschung aus dem Internet erzwingen konnten. Und während nun die Politik, die Öffentlichkeit und die Medien bei der ganzen Abhörerei von Staatsaffären quatschen und die sozialistische Regierung am Pranger steht, freuen wir uns, liebe Französischlerner, dank der Mitschnitte über eine neue Lektion im Sarko-Sprech, für sehr häufige Lebenssituationen, in die wir früher oder später alle geraten:

1. Sollten Sie, Präsident einer westeuropäischen Industrienation, über das Schicksal Ihres Premierministers sprechen wollen, empfiehlt sich folgende Redewendung: _„Le fait qu’il disparaisse là, il va s’en prendre plein la gueule.“_ plein la gueule = voll eins in die Fresse bekommen.

2. Sollten Sie Ihrer wohlhabenden Frau, ihres Zeichens Chanson-Sängerin, auf charmante Art und Weise etwas über Ihre beruflichen Zukunftspläne nach dem Ende Ihrer Präsidentschaft sagen wollen, greifen Sie zu folgender Formulierung: _„Oh… je vais te dire, mon avenir c’est de devenir Monsieur Ramirez à la caisse“_ = ich werde in Zukunft als Herr Ramirez an der Kasse stehen.

3. Sollten Sie nach einer Fernsehaufzeichnung nicht hundertprozentig mit Ihrem Äußeren zufrieden sein, dann böte sich wiederum die folgende Feststellung an: _„Y a quelque chose qui ne me plaît pas. C’est la première image. J’ai l’ai d’une bonne soeur … faut la faire sauter“_ = etwas gefällt mir nicht, das erste Bild. Ich sehe aus wie eine Nonne … das muss man rausschneiden.

Nun sind Sie, geneigter Leser und Freund der französischen Sprache, für alle Situationen im Leben gerüstet. Sarko sei’s gedankt. Angeblich sollen insgesamt 100 Stunden Buisson-Mitschnitte existieren, von denen wir bislang nur einige Minuten kennen. Insofern können Sie sich auf weitere Sprachlektionen freuen. Und ich sollte vielleicht mein zu Ende geglaubtes Akademikerleben fortsetzen, denn als echter Sarkomaniac träume ich jede Nacht von einer Doktorarbeit über Frankreichs begabteste Quasselstrippe.

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