Auf ein Croissant mit Hollande

Romy Straßenburg16.01.2014Innenpolitik, Medien

Ein normaler Präsident wollte François Hollande sein – und er hält Wort. Das dürfte auch Barack Obama freuen, der sowieso vor tout Paris von der Affäre wusste.

„Neeeee! Was kümmert mich’s, was der Hollande unterm Bettlaken veranstaltet? Wir haben wahrlich andere Probleme!“ …

Fragt man in diesen Tagen die Franzosen nach dem heimlichen Liebesleben ihres Präsidenten, reagieren sie oft gereizt. Denn _oui, encore une fois_ wird um das nächtliche Treiben ihres Staatschefs mehr Wind gemacht als um seine mühselig ausgetüftelten Pläne, mit denen er das Land aus der Krise führen will.

Ludwig XIV., Mitterrand, Chirac, Sarkozy …

Über die nun öffentlich gewordene Affäre eines „normalen Präsidenten“ war “ganz Paris”:http://www.youtube.com/watch?v=kjRV7bcL0MU ja angeblich eh schon seit Monaten auf dem Laufenden: Bettgeflüster im Elysée-Palast und eine Tüte Croissants, die sich Hollande von seinem Leibwächter ins nahegelegene Liebesnest bringen lässt. Niedlich und sooooo normal!

Ein normaler Präsident werde er sein, so hatte es François Hollande im Wahlkampf angekündigt. Und nun hat er sein Versprechen endlich eingelöst! Ein Mann, ein Wort. Ludwig XIV., Mitterrand, Chirac, Sarkozy … Im Prinzip wäre es geradezu UNnormal gewesen, hätte sich Hollande nicht früher oder später ebenso als kleiner Lausbub entpuppt und seinen Landsleuten damit zu verstehen gegeben „auch ich bin nur ein Staats… äh… Mann“.

Neu sei allerdings die Indiskretion, so warnen Medienexperten und Politiker, mit der gewisse Klatschblätter über gewisse nächtliche Eskapaden berichteten. Das betreffende Magazin „Closer“ fand für das Foto der nächtlichen Croissant-Lieferung übrigens die Bildunterschrift: „… das ist ziemlich nett, oder?“

Well done, boy!

Klar. Nicht nett war dann, dass alle, wirklich alle, auch sogenannte „seriöse Medien“ das Thema aufgriffen, sei es nun unter dem Aspekt „Was ist bloß aus dem Journalismus geworden?“ oder aber hinsichtlich der „Sicherheitsfrage“ – denn wenn es lauernden Paparazzi gelingt, Hollande unentdeckt inkognito abzulichten, kann einem das terrorismustechnisch schon zu denken geben.

Ganz davon abgesehen, dass Obamas NSA-Schnüffler zweifelsohne schon vor uns allen über die Love-Story im Elysée Bescheid wussten. _Off the record_ kann Barack bei Hollandes USA-Besuch Mitte Februar seinem _french friend_ anerkennend auf die Schulter klopfen: „Well done, boy. My wife also looks like an actress!“

Ob Valérie Trierweiler unter diesen Vorzeichen noch große Lust verspürt, die _Première Dame de France_ zu geben? Das, ja genau das aber sei für die Nation von elementarem Interesse, befand der „Figaro“-Journalist Alain Barluet aus dem Elysée-Pressekorps, dem auf der großen Neujahrspressekonferenz am 14. Januar die Ehre der ersten Frage zuteil wurde. Ist sie, die Valérie, noch the one (“and only”:http://www.youtube.com/watch?v=x4r-c4I_9Rc)?

War da noch was?

Bäm! Kurzes Raunen unter den Journalistenkollegen. Monsieur le Président bewahrte die Contenance und ging, wie wohl vorab vereinbart, blitzschnell in die Offensive. „Job ist Job und Schnaps ist Straps“ oder so ähnlich. Und da ja jedes „normale Paar“ auch mal schwierige Zeiten durchlebe, sei es doch jetzt … äh an der Zeit, um über … seine (war da noch was?) Politik zu sprechen, fand François.

Und recht hatte er! Soll sich „Closer“ doch mal auf die Lauer legen, um die nächste Steuerreform zu enthüllen! Oder rausfinden, an welcher Stelle die angekündigten 50 Milliarden Euro in „allen öffentlichen Bereichen“ eingespart werden können. DAS wäre ein Scoop, von dem, wenn überhaupt, nur Barack Obama schon vorher gewusst hätte!

_Illustration: “Stefanie Bokeloh”:http://www.theeuropean.de/stefanie-bokeloh_

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