Liebesgrüße nach Moskau

von Romy Straßenburg15.01.2013Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

In Frankreich geht fast alles durch – es sei denn, ein berühmter Schauspieler wird Russe und preist die Errungenschaften der russischen Demokratie. Fünf Vorschläge zur Güte.

_C’est fou_! Immer wenn man denkt, der Franzmann ist an Absurdität nicht mehr zu übertreffen, schlägt er wieder zu! Lange hatte es gedauert, den Abschied von Cher Nicolas zu verkraften. Schließlich verschaffte der ausgebuffte Haudegen uns zuverlässig Stoff. Sie denken: So weit ist es also. Journalisten in Paris werden von der Politik mit Kokain versorgt! Nein, gemeint sind natürlich Gesprächsstoffe, Scoops (ja, das reimt sich auf boobs), aber nicht nur. Sarko war der Garant für Absurditäten aller Art: Gesindel, Geschwindel und am Ende sogar Windel! _Quelle chance_!

Mit Hollande sah es eingangs noch ganz gut aus, als die neue Première Dame Valérie Trierweiler den Twitter-Dolch zückte und der Ex vom Franzl Hölland in den Rücken stieß. Valérie wollte der Ségolène ihr Provinz-Pöstchen nicht gönnen und endlich gab’s richtig Zickenkrieg! Doch irgendwie müssen die der den Twitter-Account gesperrt haben – jedenfalls nix los, _pantalon mort_ auf allen Fronten, _grosse merde_!

Schon war man geneigt, sich wieder diesen komischen Themen zuzuwenden, Sie wissen schon, Arbeitslosigkeit, Armut, Bildung usw., usw. (die Liste ist ja endlos, mit dieser ganzen misère). Doch da reitet er majestätisch auf die Bildfläche wie ein Husar (gut, in der Regel nutzt er besoffen seinen Scooter, von dem er kürzlich gefallen ist, weswegen ihm jetzt ein Prozess droht – aber das gibt ja kein schönes sprachliches Bild). Also ER, Gérard Depardow, ein Scoop-Garant, ein Sonnenstrahl am trüben Nachrichtenhimmel!

Schon lange hatte er das Stadium des „was’n Moppelchen, dufter Typ“ hinter sich gelassen. Für die Rolle als Obélix war der Fatsuit überflüssig. Und parallel zu seinem Körpergewicht nahm auch sein ausgeprägtes Ego ganz neue Ausmaße an. Als ihm 2011 vor dem Start einer Air-France-Maschine der Gang zur Toilette verwehrt wurde, pinkelte er kurzerhand in den Gang des Flugzeugs. Aber auch das verziehen die Franzosen ihrem international bekanntesten Filmstar. Doch nun geht es um weit mehr als die Reviermarkierung eines Alpha-Männchens. Hier geht es um die nationale Identität, ja, das seelische Gleichgewicht des Franzmanns. Beim Abgang, beim _départ, mon Dieu,_ da hört der Spaß auf.

Eigentlich geht ja im göttergleichen Leben en France alles Anrüchige durch: Steuern hinterziehen = egal, _ça se fait_, macht man so. Maitresse oder Liebhaber halten = déjà-vu! Generalstreik lancieren und Land still legen = Klassiker. Aber Russe werden und dem Putin zu seiner vorbildlichen Demokratie gratulieren? _Ça c‘est chaud_!

Daher mein Vorschlag zur Güte:

* Die Homo-Ehe (die in Frankreich wie einst die Dreyfus-Affäre ganze Familien spaltet) durchsetzen.
* Die Homo-Ehe genau wie Depardieu nach Russland exportieren.
* Putin kann Gérard zum rechtmäßig angetrauten Ehemann nehmen.
* Gemeinsam können sie dann die Kinder der inhaftierten Pussy Riots adoptieren und wieder „auf Linie“ bringen. Unterdessen wird die ebenfalls mit der russischen Nationalität liebäugelnde Brigitte Bardot gegen die Mitglieder der Frauen-Band ausgetauscht (Glienicker Brücke wie in guten alten Zeiten, yeah).
* Carla Bruni wird Mitglied der Pussys und Haudegen Sarko – back in business – macht als Manager der Band Karriere.

DANN, ja dann, wäre meine Welt _absolument_ wieder in Ordnung!

PS: Falls auch Sie die russische Staatsbürgerschaft anstreben, “kein Problem”:http://jeveuxdevenirrusse.blogspot.fr!

_Dieser Artikel erschien zunächst im Community-Bereich von „der Freitag“. Sie finden ihn “hier”:http://www.freitag.de/autoren/linkerhand/oh-mon-depart-dieu._

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