Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne. Immanuel Kant

Wir können uns auf diese Stromerzeuger überhaupt nicht verlassen

Können wir uns auf Sonne, Wind und Wasser verlassen, wenn wir wollen, dass das Licht im Haus nicht ausgeht? Ein Gespräch mit Michael Limburg, Vizepräsidenten des Europäischen Instituts für Klima und Energie (EIKE).

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Mit Rücksicht auf den baldigen Atomausstieg wird ein Kohleausstieg im Wesentlichen bedeuten, dass erneuerbare Energien fast alleine für die Grundlasterzeugung im Land zuständig sein werden – das heißt, sogar der minimale Strombedarf, der rund um die Uhr gewährleistet werden soll, wird durch Energiequellen mit einer volatilen Effizienz abgedeckt. Inwieweit können wir uns in diesem Sinne auf Sonne, Wind und Wasser verlassen, wenn wir wollen, dass das Licht im Haus nicht ausgeht, Herr Limburg?

Wir können uns auf diese Stromerzeuger überhaupt nicht verlassen, wenn man Biomasse wegen extremer Ineffektivität und massiver umweltschädlicher Monokultur und Wasserkraft wegen Ausschöpfung der bestehenden Topologie ausschließt. Stromerzeugung mittels Wind und Sonne unterliegen nun mal dem zufällig volatilen Angebot dieser Träger – mal ganz abgesehen von ihrer ebenfalls extrem geringen Leistungsdichte, welche wiederum sehr große Sammler (Stichworte „Windparks" und „Solarparks“) und Verdichter erforderlich machen. Und zufällige Volatilität bedeutet eben, dass ein sicheres Stromangebot – die Grundvoraussetzung jeder vernünftigen Stromverwendung – mit diesen Erzeugern (besser Wandlern) nicht möglich ist. Jedenfalls nicht ohne großtechnisch erprobte Speicher.

Und gibt es derartige Speicher schon im Einsatz?

Die sind nirgendwo zu sehen, weder in der Anwendung noch in der Forschung. Gäbe es Ansätze in der Forschung, dann würde es noch einige Jahrzehnte dauern, bis sie auf breiter Front großtechnisch einsetzbar wären. Hinzu kommt, auch Speicher kosten Geld, viel Geld und deren Kosten kämen auf die ohnehin schon – wegen der geringen Leistungsdichte- schon teuren alternativen Energien, nochmals oben drauf.

Manche Befürworter der Energiewende sind inzwischen überzeugt, für Grundlast als eine „veraltete Vorstellung” werde es bald gar keinen Platz in der Versorgungssystem geben. Finden Sie diese Einstellung gerechtfertigt?

Die Begriffe „veraltet“ gegenüber evtl. „modern“ etc. sind typische journalistisch-politische Begriffe, die nichts weiter bewirken sollen, als bestehendes zu diffamieren, ohne darlegen zu müssen, und oft auch nicht zu können, warum „Veraltetes“ nicht mehr taugen soll. In Technik und Wissenschaft haben derartige Begriffe keine Bedeutung, sondern nur „wirksam" oder “weniger wirksam”, „effizient" oder „weniger" oder “mehr effizient”, oder einfach besser oder schlechter (jeweils zu vorher – „veraltet“). Wie oben schon erwähnt, geht es nicht allein um die Grundlast, sondern auch um die Regelleistung die adhoc bereit gestellt werden muss, wenn der Bedarf dazu entsteht.

Wie sinnvoll wäre also für ein Industrieland ein Verzicht auf Grundlast an sich und gibt es heute tragfähige Alternativen?

Wenn ein Industrieland darauf verzichten würde, dann wäre es bald nicht mehr eins. Dann wäre das Problem zwar auch nicht gelöst, aber verschoben. Nämlich auf die verbliebenen Verbraucher, denen man ohne jeden Skrupel zumuten will ihr Verbrauchsverhalten nach den Launen von Wind und Wetter zu richten. Und auch nur die, die sich das noch leisten können.

Das hatten wir ja schon mal, nämlich bevor die moderne Zivilisation auf breiter Front aufkam, mit ihrer für jedermann überall verfügbarer elektrischer wie fossiler Energie zu günstigen für jederman erschwinglichen Preisen. Das alles würde wegfallen, mit allen schrecklichen Folgen, wenn wir den Schalmeienklängen dieser Leute folgten. Deuschland wäre kein Industrieland mehr, auch die Ernährung würde nicht mehr gesichert sein, die Armut würde auf breiter Front zurückkehren und die daraus folgenden sozialen Spannungen würden sich in Revolutionen etc. entladen.

Während ein vollständiger Ersatz von Kohlekapazitäten durch erneuerbare Energien noch nicht garantiert ist, hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier erklärt, der Ankauf von billigem Atomstrom aus dem Ausland sei keine Alternative. Dabei bekräftigte er seine Stellung mit der Stilllegung der Atomkraftwerke hierzulande. Bekommt man nicht den Eindruck, dass die Expansion der erneuerbaren Energien in gewissem Maß Geisel ideologischer Motive ist?

Der Eindruck täuscht nicht, denn die gesamte Energiewende, welche ja die alternativen Energien (Energie ist nicht erneuerbar, insofern ist der Begriff "erneuerbaren Energien“ ein Euphemismus, ein reiner Marketingtrick) so massiv befördert, ist der Ideologie, man kann auch sagen der Religion der Kirche von der „globalen“ Erwärmung oder Kirche des Kliamwandels geschuldet.

Nur deswegen – und es gibt keinerlei wissenschaftlich akzaptable Beweise oder auch nur Beobachtungen, dass der Mensch mit seine CO2 Emissionen das Weltklima in irgendeiner Weise beeinflusst- werden diese Energieträger bevorzugt, gefördert, ja erzwungen, während man die anderen behindert, bis zum Verbot.

Ich zitiere dazu Otmar Edenhofer einen der führenden Köpfe des IPCC und des PIK, der zur Einführung der Emissionszertfikate, die dann Schritt für Schritt verknappt werden sollten sagte: "Sie sollen rentablen Technologien Klötze ans Bein binden, neuen grünen Technologien uneinholbare Vorteile verschaffen“. Und als das den Ideologen um Edenhofer nicht schnell genug ging, weil der Emissionspreis bei jetzt ca. 20$/t herumdümpelt, wurde aus den Klötzen am Bein ein Verbot der Kohleverstromung.

Und über die Befördere der alternativen Energie sagte Edenhofer: „Unternehmen, die in diese Bereiche (neue Technologien) investieren, wissen, daß ihre Techniken auf dem Markt keine Chance haben, wenn nicht CO2 irgendwann einen vernünftigen Preis bekommt. Sie werden Druck ausüben damit es zu solchem System kommt“.

Man kann also deutlich erkennen, Versorgungsicherheit, Witschaftlichhkeit aber auch Umweltverträglichkeit sind keine Kategorien, die diesen Leuten wichtig sind.

Ende Januar wies der Präsident der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) Alfred Gaffal auf einen absehbaren Mangel an heimischem Strom hin, der Bayerns Wirtschaft einen schweren Schlag versetzen könnte. „Wenn alle Stricke reißen, darf auch die Verlängerung der Laufzeiten der bayerischen Atomkraftwerke kein Tabuthema sein“, sagte er dazu. Wie würden Sie den vorhandenen Spielraum in dieser Frage kommentieren: was soll passieren, um zum Beispiel die Außerbetriebnahme des AKW Isar rückgängig zu machen?

Herr Gaffal hat zwar in der Sache absolut recht, wobei er sich fragen lasssen muss, warum dieses Dilemma ihm und seinem Verband erst jetzt auffällt, oder wenn er es schon früher auch erkannte, wie viele andere Experten vor ihm – auch wir, warum er sich nicht öffentlich dazu äußerte? Doch er vergisst, dass ein solcher Schritt, angeheizt durch grüne NGO`s und ihre Verbündeten in Politik und Medien, ein neues Wackersdorf auslösen würde. Und die bayerische Staatsregierung macht ja gerade auf grün, um den Höhenflug des Originals in Bayern zu dämpfen.

Also, nein, die werden die Sache anbrennen lassen, in gewohnter Manier dann „haltet den Dieb“ schreien und auf andere, völlig Unschuldige weisen, und dann mit teuern Scheinlösungen versuchen, die gröbsten Löcher zu stopfen. Das wird in manchen Wochen vielleicht sogar gelingen, aber in Monaten mit starkem Verbrauch sicher nicht. Aber der echte Deutsche – und hier sind die Grünen aller Parteien besonders Deutsch – wenn sie es auch ums Verrecken nicht zugeben werden, tut eine Sache um ihrer selbst willen. Das wusste schon Richard Wagner. Es wird also keinen Spielraum geben. Lieber Augen zu und durch!

Trotz der allgemeinen vorwiegend negativen Haltung gegenüber Atomenergie in Deutschland wächst die Zahl der Länder, die auf diese Art der Stromerzeugung setzen. Kann mann von einer „atomaren Renaissance“ in der Welt sprechen?

Ja, auf jeden Fall. Und das wird sich beschleunigen wenn die neuen Reaktorkonzepte der III. und besonders der IV Generation ihre hohe Verfügbarkeit, bei gleichzeitiger Eigensicherheit, minimalem Abfall und günstigen Preisen dauerhaft unter Beweis gestellt haben werden. Russland und China sind da besonders weit, Korea und Indien, aber auch die USA werden folgen. Deutschland wird auch folgen, wenn es das Land bis dahin noch gibt, aber erst nach dem Aussterben der jetzigen jungen Generation.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Andreas Plöger, Ramin Peymani, Ramin Peymani.

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