Zu Bildung gehört mehr als nur der Erwerb von Scheinen. Franziska Drohsel

Die Mehrheit der Deutschen fühlt sich bedroht

Laut dem ROLAND RECHTSREPORT fühlen sich die Bundesbürger durch die Zunahme von Anschlägen und Amokläufen im Sommer des vergangenen Jahres in ihrem Sicherheitsgefühl stark bedroht. Mehr als ein Viertel meidet bestimmte Orte oder Ereignisse.

Zehn Prozent fühlen sich sehr durch Terrorismus bedroht, mehr als ein Viertel meidet bestimmte Orte oder Ereignisse.

Vor dem Hintergrund mehrerer Attentate in Deutschland und Europa im Sommer 2016 schätzen derzeit sieben von zehn Deutschen die Gefahr, die von radikalen islamistischen Gruppen ausgeht, als groß oder sehr groß ein. Der Vergleich mit den Vorjahren zeigt, dass die Verunsicherung deutlich zugenommen hat. Hielten schon 2009 ganze 55 Prozent das Gefahrenpotenzial für groß oder sehr groß, waren es 2014 bereits 63 Prozent.

Die Mehrheit der Deutschen (65 Prozent) fühlt sich auch persönlich durch Terrorismus bedroht, zehn Prozent sogar sehr. Dieses Gefühl äußert sich unter anderem darin, dass 45 Prozent der Bürger an Orten mit vielen Menschen schon mindestens einmal verunsichert waren – ganz gleich ob auf Bahnhöfen, auf Volksfesten oder in Innenstädten.

Drei Prozent fühlen sich sogar permanent unsicher. Zwar führen die meisten Deutschen weiterhin ihr gewohntes Leben – dennoch meiden immerhin 27
Prozent aus Vorsicht bestimmte Orte oder Ereignisse wie große Volksfeste, Sportveranstaltungen oder Flughäfen. Darüber hinaus haben Menschen, die sich akut vom Terrorismus bedroht fühlen, weit mehr als der Bevölkerungsdurchschnitt ihr Verhalten geändert, um einem möglichen Anschlag aus dem Weg zu gehen. Von ihnen verhalten sich 60 Prozent aus Angst vor Terror anders als früher. Von denjenigen, die sich in der letzten Zeit an bestimmten Orten unsicher gefühlt haben, schränkt sich fast jeder Zweite ein.

Mehrheit vertraut der Politik im Kampf gegen den Terrorismus nicht, mögliche Gegenmassnahmen werden dennoch begrüsst.

Bei aller Verunsicherung traut nur jeder Vierte der Politik zu, Deutschland mit den richtigen Maßnahmen vor Terroranschlägen schützen zu können. Die Mehrheit von 58 Prozent hingegen glaubt, dass ein wirksamer Schutz kaum möglich ist. Die Bevölkerung hält dennoch eine ganze Reihe von Maßnahmen im Anti-Terror Kampf für sinnvoll und unterstützt diese, um die Terrorgefahr zumindest einzuschränken. So sind jeweils mehr als drei Viertel dafür, Personen zu verhaften, die in terroristischen Ausbildungscamps waren, öffentliche Plätze strenger zu überwachen und enger mit ausländischen Geheimdiensten zusammenzuarbeiten. Fast ebenso viel Unterstützung erhalten die konsequente Abschiebung von Asylbewerbern unter Terrorverdacht sowie stärkere Grenzkontrollen. 62 Prozent der Deutschen möchten zudem, dass Personalausweise und Reisepässe grundsätzlich mit biometrischen Daten ausgestattet werden, 59 Prozent fordern die Registrierung der Fingerabdrücke von jedem, der nach Deutschland einreist.

Und mehr als die Hälfte der Deutschen begrüßen es, Terrorverdächtige in Sicherheitsverwahrung zu nehmen, selbst wenn diesen keine konkrete Straftat nachgewiesen werden kann. Verglichen mit der Gesamtbevölkerung finden sich unter denjenigen, die sich aktuell akut durch Terrorismus bedroht fühlen, besonders viele Befürworter möglicher Anti-Terror-Maßnahmen – zur Not sogar zulasten der Freiheitsrechte. So unterstützen nur 31 Prozent der Gesamtbevölkerung, aber 47 Prozent der akut Verunsicherten Hausdurchsuchungen schon bei geringem Verdacht. 40 Prozent der Gesamtbevölkerung möchten jeden nach Deutschland Einreisenden vom Bundesgrenzschutz fotografieren lassen, von den stark Verunsicherten sind es 64 Prozent. Beim Thema Überwachung von Telefonaten, Post und Internetverkehr wünschen sich nur 28 Prozent der Gesamtbevölkerung ein strengeres Vorgehen – gegenüber 51 Prozent der akut Verunsicherten.

ROLAND RECHTSREPORT 2017

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Nicolas Stockhammer, Vera Lengsfeld, Florian Meidenbauer.

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