Zeigt her Eure AltgerÀte

von Bernard Rohleder11.06.2011Außenpolitik, Wirtschaft

Um die Versorgung mit Seltenen Erden auch in Zukunft sicherzustellen, ist Aktion gefragt. Doch Deutschland hat perfekte Voraussetzungen fĂŒr die Zusammenarbeit mit FörderlĂ€ndern und nachhaltiges Recycling.

Ohne die sogenannten Seltenen Erden gĂ€be es “kein Internet, keine Smartphones, keine PCs(http://www.theeuropean.de/reinhard-buetikofer/6847-import-und-recycling-seltener-erden)”:http://www.theeuropean.de/reinhard-buetikofer/6847-import-und-recycling-seltener-erden. Mit dem Hightech-Boom ist auch die Nachfrage nach Seltenen Erden extrem gestiegen, gleichzeitig wurde das Angebot knapper – eine in der Weltwirtschaft ungewöhnliche Kombination. Nun sind Seltene Erden in aller Regel nicht wirklich selten, sie werden nur selten abgebaut und sind schwierig aufzubereiten. Entsprechend haben sich die Preise zuletzt vervielfacht. Die Metalle der Seltenen Erden umfassen 17 chemische Elemente, wie Europium, Lanthan und Neodym. Sie besitzen wichtige optische und magnetische Eigenschaften und werden etwa in Computern, Flachbildfernsehern, Handys, Solarzellen oder Batterien eingesetzt. Seltene Erden stammen zu mehr als 95 Prozent aus China, obwohl nur 40 Prozent der entsprechenden Rohstoffreserven dort vermutet werden. China hat offenbar als erstes Land deren wirtschaftsstrategische Bedeutung erkannt.

Einseitige AbhÀngigkeit

Nun ist die einseitige AbhĂ€ngigkeit von einem Lieferland wirtschaftspolitisch zumindest unvernĂŒnftig, vielleicht auch gefĂ€hrlich. Man muss sich Preisdiktaten beugen, wird erpressbar, verliert die Hoheit ĂŒber die eigenen Produktionsketten. Zwar sind Seltene Erden in Deutschland wirtschaftlich nicht sinnvoll abbaubar, so sie hier ĂŒberhaupt zu finden sind. Völlig ausgeliefert ist man der Situation gleichwohl nicht. Und so sollte die Bundesregierung zunĂ€chst der einseitigen AbhĂ€ngigkeit von den Rohstofflieferungen eines einzelnen Landes mit mehr Entschlossenheit entgegensteuern. Es bedarf einer gezielten Strategie zur langfristigen Sicherstellung unserer Rohstoffversorgung.

Bildung von Rohstoffpartnerschaften

Erster Teil dieser Strategie muss die Bildung von “Rohstoffpartnerschaften mit alternativen FörderlĂ€ndern sein(http://www.theeuropean.de/friedbert-pflueger/6739-herausforderung-rohstoffmangel)”:http://www.theeuropean.de/friedbert-pflueger/6739-herausforderung-rohstoffmangel. So hat Japan jĂŒngst Kooperationsabkommen mit Indien und Vietnam abgeschlossen und will sich dort an der Erschließung und Förderung Seltener Erden beteiligen. Die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer sind weltweit fĂŒhrend, auch in der Fördertechnik – damit haben wir beste Voraussetzungen fĂŒr solche Partnerschaften. Teil zwei der Strategie: Recycling. In der ITK-Branche ist die Wiedervermarktung gebrauchter Produkte und die Nutzung aufbereiteter Komponenten in NeugerĂ€ten seit Jahren Stand der Technik. Alte ElektrogerĂ€te bieten ein enormes Potenzial als Rohstoffquelle. So können 80 Prozent der in Handys verwendeten Materialien wiederverwertet werden. Darunter sind wertvolle Metalle wie Gold, Silber, Kupfer und eine Reihe Seltener Erden. Aber: Die deutschen Verbraucher lagern derzeit rund 72 Millionen alte Mobiltelefone, die sie nicht mehr benutzen, zu Hause. Das sind 15.000 Tonnen wertvolle Rohstoffe, die wir nicht importieren mĂŒssten. BITKOM hat mit anderen Organisationen und den Kommunen vor einigen Jahren ein bundesweites RĂŒcknahmesystem fĂŒr AltgerĂ€te aufgebaut. Allerdings werden die GerĂ€te zu selten bei den Sammelstellen abgegeben. Die RohstoffkreislĂ€ufe mĂŒssen wir vollstĂ€ndig schließen, rein technisch kein Problem. Nicht zuletzt: Die Forschung nach Substituten muss gezielt vorangetrieben werden. Angesichts der deutlich gestiegenen Preise und der strategischen Bedeutung bietet die Entwicklung alternativer Materialien mit vergleichbaren Eigenschaften enormes Potenzial. „Not macht erfinderisch.“ Zumindest fĂŒr die Seltenen Erden gilt dies offenbar nicht. Unsere Not als rohstoffarmes Land muss uns aber kreativ werden lassen. So sollten wir Substitute entwickeln, mit denen wir dann unsererseits die WeltmĂ€rkte erobern und aus einer SchwĂ€che eine StĂ€rke machen.

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