Die Demokratie ist die schlechteste aller Staatsformen, ausgenommen alle anderen. Winston Churchill

Zeigt her Eure Altgeräte

Um die Versorgung mit Seltenen Erden auch in Zukunft sicherzustellen, ist Aktion gefragt. Doch Deutschland hat perfekte Voraussetzungen für die Zusammenarbeit mit Förderländern und nachhaltiges Recycling.

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Ohne die sogenannten Seltenen Erden gäbe es kein Internet, keine Smartphones, keine PCs. Mit dem Hightech-Boom ist auch die Nachfrage nach Seltenen Erden extrem gestiegen, gleichzeitig wurde das Angebot knapper – eine in der Weltwirtschaft ungewöhnliche Kombination. Nun sind Seltene Erden in aller Regel nicht wirklich selten, sie werden nur selten abgebaut und sind schwierig aufzubereiten. Entsprechend haben sich die Preise zuletzt vervielfacht.

Die Metalle der Seltenen Erden umfassen 17 chemische Elemente, wie Europium, Lanthan und Neodym. Sie besitzen wichtige optische und magnetische Eigenschaften und werden etwa in Computern, Flachbildfernsehern, Handys, Solarzellen oder Batterien eingesetzt. Seltene Erden stammen zu mehr als 95 Prozent aus China, obwohl nur 40 Prozent der entsprechenden Rohstoffreserven dort vermutet werden. China hat offenbar als erstes Land deren wirtschaftsstrategische Bedeutung erkannt.

Einseitige Abhängigkeit

Nun ist die einseitige Abhängigkeit von einem Lieferland wirtschaftspolitisch zumindest unvernünftig, vielleicht auch gefährlich. Man muss sich Preisdiktaten beugen, wird erpressbar, verliert die Hoheit über die eigenen Produktionsketten. Zwar sind Seltene Erden in Deutschland wirtschaftlich nicht sinnvoll abbaubar, so sie hier überhaupt zu finden sind. Völlig ausgeliefert ist man der Situation gleichwohl nicht. Und so sollte die Bundesregierung zunächst der einseitigen Abhängigkeit von den Rohstofflieferungen eines einzelnen Landes mit mehr Entschlossenheit entgegensteuern. Es bedarf einer gezielten Strategie zur langfristigen Sicherstellung unserer Rohstoffversorgung.

Bildung von Rohstoffpartnerschaften

Erster Teil dieser Strategie muss die Bildung von Rohstoffpartnerschaften mit alternativen Förderländern sein. So hat Japan jüngst Kooperationsabkommen mit Indien und Vietnam abgeschlossen und will sich dort an der Erschließung und Förderung Seltener Erden beteiligen. Die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer sind weltweit führend, auch in der Fördertechnik – damit haben wir beste Voraussetzungen für solche Partnerschaften.

Teil zwei der Strategie: Recycling. In der ITK-Branche ist die Wiedervermarktung gebrauchter Produkte und die Nutzung aufbereiteter Komponenten in Neugeräten seit Jahren Stand der Technik. Alte Elektrogeräte bieten ein enormes Potenzial als Rohstoffquelle. So können 80 Prozent der in Handys verwendeten Materialien wiederverwertet werden. Darunter sind wertvolle Metalle wie Gold, Silber, Kupfer und eine Reihe Seltener Erden. Aber: Die deutschen Verbraucher lagern derzeit rund 72 Millionen alte Mobiltelefone, die sie nicht mehr benutzen, zu Hause. Das sind 15.000 Tonnen wertvolle Rohstoffe, die wir nicht importieren müssten.

BITKOM hat mit anderen Organisationen und den Kommunen vor einigen Jahren ein bundesweites Rücknahmesystem für Altgeräte aufgebaut. Allerdings werden die Geräte zu selten bei den Sammelstellen abgegeben. Die Rohstoffkreisläufe müssen wir vollständig schließen, rein technisch kein Problem.

Nicht zuletzt: Die Forschung nach Substituten muss gezielt vorangetrieben werden. Angesichts der deutlich gestiegenen Preise und der strategischen Bedeutung bietet die Entwicklung alternativer Materialien mit vergleichbaren Eigenschaften enormes Potenzial.
„Not macht erfinderisch.“ Zumindest für die Seltenen Erden gilt dies offenbar nicht. Unsere Not als rohstoffarmes Land muss uns aber kreativ werden lassen. So sollten wir Substitute entwickeln, mit denen wir dann unsererseits die Weltmärkte erobern und aus einer Schwäche eine Stärke machen.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Hubertus Bardt, Reinhard Bütikofer, Friedbert Pflüger.

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