Nichts ist gut in Afghanistan. Margot Käßmann

Die Welt-Scheibe

Ultimate, besser bekannt als Frisbee, ist weltweit populär und ein Sport der Superlative. Außerdem macht ihn eine ganz besondere Eigenschaft zum perfekten Sport der olympischen Idee.

Ultimate ist eine rasante Teamsportart, welche mit einer Wurfscheibe gespielt wird. Diese wird oft als „Frisbee“ bezeichnet, nach dem Namen eines der ersten Hersteller. Ziel des Spiels ist es, Punkte durch das Fangen von Pässen in der gegnerischen Endzone zu erzielen. Die Spieler dürfen sich mit der Scheibe nicht bewegen; diese kann nur mittels Fangen und Werfen vorwärts kommen; Körperkontakt ist nicht erlaubt.

Der Besitz der Scheibe wechselt, wenn ein Pass nicht erfolgreich war. Der Sport wurde 1968 erfunden und wird von Millionen Menschen in 75 Ländern weltweit gespielt. Da immer mehr Menschen Ultimate spielen und die Anerkennung größer geworden ist, kam die Frage einer Teilnahme an den Olympischen Spielen auf. Und dass in einer Zeit, in der eine Aufnahme von Teamsportarten ins olympische Programm sehr schwer geworden ist, da die olympischen Dörfer bereits sehr viel Platz einnehmen. Hier nun fünf Gründe, warum Ultimate es verdient, in Betracht gezogen zu werden.

Verantwortung ohne Schiedsrichter

Zunächst ist hier der „Spirit of the Game“ zu nennen. In der Olympischen Charta sind die „Grundlegenden Prinzipien des Olympismus“ festgelegt. Darin heißt es:

„Der Olympismus ist eine Lebensphilosophie, die in ausgewogener Ganzheit die Eigenschaften von Körper, Wille und Geist miteinander vereint und überhöht. Durch die Verbindung des Sports mit Kultur und Bildung zielt der Olympismus darauf ab, eine Lebensart zu schaffen, die auf der Freude an Leistung, auf dem erzieherischen Wert des guten Beispiels sowie auf der Achtung universell gültiger fundamentaler ethischer Prinzipien aufbaut.“

Und weiter:

„Jeder Mensch muss die Möglichkeit zur Ausübung von Sport … haben. Dieses erfordert gegenseitiges Verstehen im Geist von Freundschaft, Solidarität und Fairplay.“

Selbst auf dem höchsten Level wird Ultimate ohne Schiedsrichter gespielt. Der „Spirit of the Game“ ist die wichtigste Ultimate-Regel. In den offiziellen WFDF-Regeln steht:

„Ultimate beruht auf dem Spirit of the Game, der die Verantwortung des Fair Plays jedem Spieler als wichtigste Aufgabe überträgt (…) Hoher kämpferischer Einsatz wird zwar gefördert, darf aber niemals auf Kosten gegenseitigen Respekts, des Festhaltens an den vereinbarten Spielregeln oder der Freude am Spiel gehen (…)“

Ziel ist es, unsportliches Verhalten vom Ultimate-Spielfeld fernzuhalten. Dinge wie gefährlich aggressives Verhalten, Einschüchterung von Gegenspielern, vorsätzliche Regelverstöße oder um jeden Preis gewinnen zu wollen, widersprechen dem „Spirit of the Game“ und müssen von allen Spielern vermieden werden.

Fast jeder hat Ultimate bereits gespielt

Wir glauben, dass sich Ultimate das olympische Ideal zu Eigen gemacht hat. Die Herausforderung der Athleten besteht darin, dem Geist dieser Regeln zu folgen. Dieses Selbstverwaltungsprinzip funktioniert erstaunlich gut, was für viele sicherlich überraschend ist.

Als zweites ist die Bekanntheit bzw. Beliebtheit zu nennen. Die WFDF schätzt, dass Ultimate von weltweit sieben Millionen Menschen gespielt wird. Eine jährlich von der US Sporting Goods Manufacturers Association durchgeführte Studie hat ergeben, dass allein in den USA 4,7 Millionen Menschen Ultimate spielen. Beim Turnen sind es ähnlich viele, nämlich 4,8 Millionen. Im Vergleich mit etablierteren Sportarten wie Feldhockey (1,3 Millionen), Lacrosse (1,6 Millionen) oder Rugby (1,1 Millionen) schlägt sich Ultimate ganz gut.

Fast jeder hat in seinem Leben schon einmal mit einer fliegenden Scheibe gespielt, sei es am Strand, im Garten oder im Park. Die „Frisbee“ ist den meisten potenziellen Zuschauern bekannt und ihre Flugbahn ist seit jeher faszinierend. Die Wurfscheibe kam beim US-Männermagazin „Esquire“ auf die Liste der „31 Dinge, die jeder Mann besitzen sollte“.

Im Ultimate gibt es natürlich auch Wettbewerbe. 1983 fand in Schweden die erste Ultimate-Weltmeisterschaft statt. Inzwischen hat sich diese zu einem alle vier Jahre stattfindenden Wettbewerbsformat zwischen Nationalmannschaften und Clubs weiterentwickelt. Die letzte Ultimate-Weltmeisterschaft fand gerade erst in Osaka statt; es waren 23 Nationen mit insgesamt 1.400 Athleten in fünf Spielklassen vertreten. Die nächste Ultimate-Weltmeisterschaft wird 2014 in Italien veranstaltet. Erwartet werden mehr als 160 Clubs und 3.500 Athleten. Neben den Wettkämpfen, die unter der Schirmherrschaft der WFDF stattfinden, ist Ultimate seit 2001 Teil der World Games. Die World Games, unter der Schirmherrschaft des IOC, sind eine internationale Veranstaltung von Sportarten, die nicht bei Olympia dabei sind, wie zum Beispiel Squash, Wasserski und Orientierungslauf. Einige World-Games-Sportarten haben es unterdessen zu Olympia geschafft, Triathlon oder 7er-Rugby etwa.

Ein rasantes Spiel

Ultimate ist seit Gründung der WFDF im Jahr 1985 international organisiert. In 75 Ländern wird heute Ultimate gespielt, die WFDF hat insgesamt 54 Mitgliedsverbände auf allen Kontinenten. Sie ist Teil von SportAccord und IWGA und gehört zu den Unterzeichnern des Welt-Anti-Doping-Codes. Im April 2012 hat sich die WFDF für die offizielle Anerkennung im Rahmen der olympischen Richtlinien durch das IOC beworben. Derzeit gibt es 32 offiziell anerkannte internationale Sportverbände, die aber noch nicht Teil des olympischen Veranstaltungsprogramms sind. Wir glauben, dass wir alle notwendigen Kriterien erfüllen und hoffen, dass wir die Bestätigung bis zum Jahresende erhalten.

Nicht zuletzt ist Ultimate eine sehr attraktive Sportart. Es ist ein rasantes Spiel, bei dem das Zuschauen Spaß macht: feldlange Pässe, Hechtsprünge zur Verteidigung der Scheibe und komplizierte Würfe unter Ausnutzung der Eigenschaften der Scheibe, um auf den Wind zu reagieren. Es ist ein junger Sport, die Athleten sind in Form, fit und gut aussehend. Im Gegensatz zu einigen etablierten Sportarten, die oft langsamer sind und nur mehr von einem bereits ergrauten Publikum geschätzt werden, ist Ultimate ein aufstrebender Sport, der auch jüngeren Generationen ein Begriff ist und zudem die heutigen Zuschauererwartungen erfüllt. Der Sport wurde bei den letzten World Games in Taiwan vorgestellt und das Finale sahen fast 50.000 Zuschauer.

Übersetzung aus dem Englischen.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Kimmo Lahtinen, Rüdiger Hüls, Andreas Ketelhut.

Leserbriefe

comments powered by Disqus

Mehr zum Thema: Sport, Olympia, Ultimate

Gespräch

Medium_4a6e6600d1

Kolumne

Medium_3b0c51c55f
von Rainer Zitelmann
12.02.2018

Debatte

Alles nur Geschichte?

Medium_d8439c193e

„Die Deutsche Einheit fordert uns alle“

Bundestagspräsident Norbert Lammert hat in seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit in Dresden die Bundesbürger aufgefordert, etwas mehr Selbstbewusstsein und Optimismus zu zeigen und zu wagen. Wi... weiterlesen

Medium_96d3944cca
von Norbert Lammert
04.10.2016
meistgelesen / meistkommentiert