In der Luft zerrissen

von Richard Schütze21.10.2013Gesellschaft & Kultur, Medien

In Deutschland stehen Menschen mit hohem Status unter besonderer Beobachtung. Aus einem Skandal wird so schnell ein Flächenbrand.

Skandal, Skandal! Die Finanzierung des Privathauses von Bundespräsident Christian Wulff und dessen Rücktritt im Februar 2012. Die Millionenabfindung des Schweizer Managers Daniel Vasella; dann der Rückzug im Februar 2013. Der Bau des Bischofshauses von Bischof Tebartz-van Elst auf dem Limburger Domberg. Heute um die Mittagszeit das klärende Gespräch mit Papst Franziskus in Rom.

Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem das Fass überläuft und die mediale und öffentliche Kritik an dem Auftreten, dem Krisenmanagement und dem Gebaren sogenannter öffentlicher Personen erst in eine Krise der von diesen repräsentierten Institution einmünden und dann auch zu einer Systemkrise eskalieren kann. Die einzelnen Fälle mögen sehr verschieden, richtig und falsch kaum einzuordnen und Recht und Unrecht ganz unterschiedlich zu beurteilen sein. Aber sie verlaufen nach einem identischen Muster.

Bei Luxus hört der Spaß auf

Personen, die in ein hohes Amt mit großem Ansehen gewählt oder berufen oder denen eine herausgehobene Funktion mit Macht und Einfluss anvertraut werden, stehen unter permanenter Beobachtung. Ihre Entscheidungen sind relevant und ihr Auftritt setzt Maßstäbe. Erwartet wird ein vorbildliches Verhalten, das der Amts- und Machtausübung mitunter auch eine würdevolle Aura von geradezu höheren Weihen verleiht. Dabei erhofft sich auch eine pluralistische und demokratisch verfasste Gesellschaft eine heldenhafte und von rundum erfolgreichem Tun gekrönte Amtsführung.

Gern bedienen die Medien diese Erwartung und eifrig weben sie an der Image- und Legendenbildung mit. Zuweilen geht es gut aus, wie bei der Symbolfigur des guten Bankers, Alfred Herrhausen,

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