Die Leisesprecher

von Richard Schütze27.08.2012Innenpolitik

Die Lautsprecher in der Politik sind selten geworden. Man bleibt heute lieber vage, um sich alle Optionen offenzuhalten. Leider.

Sie lavieren und taktieren. Anscheinend müssen sie es auch. Denn mit verquaster Sprache und wolkigen Formulierungen lassen sich Kontexte zutexten, kann viel ge- und zugleich wenig ausgesagt, können Solidarität bekundet und in einem Atemzug Skepsis kundgetan und Vorbehalte angemeldet werden. Alles eine Frage der Interpretation. Die Aussagen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten François Hollande, man wolle, dass Griechenland Teil des Euro-Raums bleiben möge, werden als die Vermeidung eines klaren Bekenntnisses zum Verbleib des Krisenlandes in der Euro-Zone gedeutet. So hält man sich Türen und Hintertüren offen.

Sehnsucht der Völker nach vorbildhaften politischen Führern

Selten kann ein Politiker wie Helmut Schmidt mit Recht über sich sagen: „Ich rede immer Klartext“ („Hörzu“, 10.8.2012). Den rauchenden Hanseaten mit dem „Kampfnamen“ „Schmidt Schnauze“ aber hat seine unnachgiebige und wenig diplomatisch verpackte Haltung zur NATO-Nachrüstung mit Pershing-II-Mittelstreckenraketen als Antwort auf die auf Mitteleuropa gerichteten sowjetischen SS-20-Atomraketen im Jahr 1982 ebenso wie 2005 auch den Kanzler der „Agenda 2010“, Gerhard Schröder, mit den daraus erwachsenen Hartz-Reformen die Kanzlerschaft gekostet. Die eigene Partei schätzt so viel Realismus wenig; auch die SPD von heute hätte mit der unverblümten Aussage „der Pragmatismus ist allen anderen Ideologien vorzuziehen – von Mao Tse-Tung bis Adolf Nazi“ von Schmidt ihre Schwierigkeiten. Denn zwischen den extremen Weltanschauungen der Massenmörder Adolf Nazi und Mao Tse-Tung wuchert ein breites ideologisches Spektrum. Ins gleiche Horn wie Schmidt stößt auch der in seiner Partei ebenfalls teils ge-, aber auch verachtete und zuweilen gefürchtete, aber keinesfalls heiß geliebte Altkanzler Schröder, der fast sturköpfig immer noch eine „richtige und moderne“ von einer „falschen“ Wirtschaftspolitik unterscheidet und mit den Begriffen „linke und fortschrittliche“ oder „konservative und rechte“ Ökonomie nichts anzufangen weiß. Helmut Schmidt sieht eine „weiße“ Kopfbehaarung von Elder Statesman

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