Besser die Wahrheit

von Richard Schütze12.03.2012Innenpolitik

Beate Klarsfeld hat mit der SED kooperiert, will sich aber kaum daran erinnern. Genau wie bei Wulff oder aktuell Wowereit zeigt sich auch hier das gestörte Verhältnis von Politik und Wahrheit.

Beflissen beugt sich der ältere Herr zu mir hinüber. In der politischen und medialen Szene ist er als kenntnis- und einflussreich bekannt. Ganz ohne Scheu kommentiert er mit einer Handbewegung hinauf zum Rednerpult: „Da sehen Sie mal wieder, was einen guten Mann ausmacht. Immer müssen wir alten Kameraden die Dinge richten; dieser Präsident ist eben ein echter SS-Obersturmbannführer!“ In Sekundenbruchteilen gefror mein Blut zu Eis. Für einen Moment wusste ich nicht, worüber ich mehr schockiert war: Über die unbekümmerte Offenbarung des Sachverhalts, dass der hoch angesehene Vorsitzende eines bedeutenden Berufsverbandes offenbar eine öffentlich nicht zur Kenntnis gelangte oder genommene Nazi-Vergangenheit von einigem Kaliber aufwies, oder über die schamlose Selbstverständlichkeit, mit der mein Sitznachbar in der Kongresshalle eine vielleicht sogar einverständige Toleranz seines Nachbarn voraussetzte. Damals wurde mir schlagartig klar, dass trotz der revolutionären Epoche der 68er so mancher mit einer nur oberflächlich veränderten Einstellung bis in die späten Jahre der Bonner Republik hinein in recht hohe Ämter oder gesellschaftliche Positionen hatte gelangen und dort ausharren können. Jahrzehntelang hatten sich Justiz, Medizin, Wissenschaft, Sport, auch der Journalismus und sogar die Literatur nicht profund genug mit der eigenen Geschichte im Dritten Reich auseinandergesetzt.

Kooperation mit der DDR verharmlost

Beate Klarsfeld hat diesem Unbehagen gegenüber

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