Alle wollen Katja

von Richard Schütze24.01.2011Innenpolitik

Katja Suding soll es richten. Als Spitzenkandidatin zieht sie für die FDP in Hamburg in den Wahlkampf. Auch die Bundespartei erhofft sich die PR-Wende. Hat Katja Suding das Potential, zum Shooting Star der Liberalen zu werden?

Zu Jahresbeginn ihr erster bundesweit wahrgenommener Auftritt: Im Staatstheater Stuttgart mimte sie, bemerkenswert inszeniert, beim Dreikönigstreffen der FDP die Rolle der Strahlefrau an Guido Westerwelles Seite. Wer ist diese smarte Erscheinung, fragte sich die Republik. “Katja Suding”:http://www.youtube.com/watch?v=K2NhCw-NyfQ, 35 Jahre jung, Kommunikations- und Politikwissenschaftlerin, verheiratet, zwei Söhne, 2006 Eintritt in die FDP, haushalts- und finanzpolitische Sprecherin der Partei in Hamburg. Gepflegt gebügelte Hosenanzüge, brav links gescheiteltes und öfters hinter die Ohren gekämmtes, schulterlang-schwarzes Haar. Als nun schon zweites Topmodel der FDP neben der blonden Vizepräsidentin im Europaparlament, Silvana Koch-Mehrin, stammt auch sie aus der Beraterszene; zur Zeit berät die PR-Frau für eine US-Pharmaagentur einen Getränkekonzern.

Die Kohlen aus dem Feuer holen

Seit kurzem soll sie als Spitzenkandiatin der Hamburger FDP bei der Bürgerschaftswahl am 20. Februar 2011 die Partei aus dem Umfrageloch und für Westerwelle die Kohlen aus dem Feuer holen. Auch im hanseatischen Stadtstaat knabbern die Liberalen an der 5-Prozent-Hürde, die sie schon bei der letzten Bürgerschaftswahl glatt unterlaufen hatte. Vorteil Katja: Sie kann “nur gewinnen”:http://www.youtube.com/watch?v=jsZRZi0bdqA. Wenn der Einzug in die Bürgerschaft nicht gelingt, ist für sie nichts verloren. Sollte sie aber, wie erhofft, laut Prognosen jedoch wider Erwarten, 5 oder 6 Prozent der Wählerstimmen erreichen, will sie für eine familienfreundlichere Politik und den Mittelstand eintreten. Durchsetzen möchte sie ihre Ziele mit der SPD als ihrem Wunschkoalitionspartner. Wäre sie damit aber weiterhin eine attraktive Tischdame für Westerwelle? Betröppelt und vom Winde zerzaust steht die liberale Altherrenriege der Hansestadt fröstelnd daneben, als das fesche Mädel in hanseatisch klassischem, außerordentlich FDP-gelbem Ölzeug ihr Konterfei der Presse präsentiert. Ein verwegen anmutendes Plakat: Der Wind lässt das Haar von Winnetous Schwester zur Mähne werden. Die Knie wie immer etwas nach vorn geschoben federt sie noch leicht verunsichert und schräg nach hinten im Hohlkreuz stehend vor sich hin; wie eine Reiterin, die ihrem Pferd das Signal zum Angaloppieren gibt. Eloquent und fast atemlos sprudeln kurze Statements als wohlfeile Werbesprüche daher. Von “frischem Wind” und “positivem Denken” ist ebenso die Rede wie vom autostimulierenden “wir fangen an” und sind “nah an den Problemen der Menschen dran”. Da sind sie wieder, die Westerwelle-Menschen, die “da draußen”. Mit innerer Spannkraft und Unrast treibt sie “interviewende Journalisten”:http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hamburg_journal/media/hamj9291.html ungeduldig und mit dem Kopf nickend an, als wolle sie diese nötigen, ihr alertes Sprechtempo aufzunehmen.

Sie kann Gewicht aufnehmen

Jeder Anfang ist schwer, aber es wohnt ihm auch ein Zauber inne. Und vielleicht steckt in Katja S. mehr Inhalt als nur schwarzes Katjes in gelbem Dress. Dann kann sie Gewicht aufnehmen, Seniorität gewinnen und Gesprächspartnern entspannter begegnen und muss nicht fade Redchen in Abiturientensingsang aufsagen. Dazu würde auch ihr selbstbewußtes Lächeln passen – wobei sie noch ganz unverbraucht und doch schon abgebrüht die Zähne zeigt.

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