Für viele Deutsche sind die Mieten einfach zu hoch

Reinhard Schlieker14.06.2019Wirtschaft

Das Thema „Wohnen“ ist naturgemäß heftig aufgeladen mit Emotion und Eifer – eines der Grundbedürfnisse des Menschen und ein Kostenfaktor, der kaum zu vermeiden ist. Sobald Mieter mehr als 40 Prozent des verfügbaren Einkommens für die Zahlung der Miete ausgeben müssen, macht sich Unruhe breit.

In den bekannten Zentren des Landes, sei es nun München oder Hamburg, Berlin oder das Rhein-Main-Gebiet, sind solche Miethöhen durchaus üblich geworden. Ob die Wutinitiative „Deutsche Wohnen und Co. enteignen“ mit ihren bislang gesammelten 77.000 Stimmen die Problematik in Berlin allerdings auch nur ankratzen könnte, ist wohl mehr als zweifelhaft.

So scheinen es auch die Anleger zu sehen, denn die Aktien von Deutsche Wohnen, LEG oder Vonovia lassen keine Panikreaktionen erkennen; lediglich bei Deutsche Wohnen gab es kürzlich Gewinnmitnahmen. Alle drei Unternehmen haben seit Jahresbeginn kräftig zugelegt. Kein Wunder – der Immobilienmarkt ist fast der einzige Sektor, wo Anlegern noch eine auskömmliche Rendite winkt. Bislang war von einer Überhitzung auch noch nicht flächendeckend die Rede. Allerdings gibt es krasse Unterschiede bei den Preisen je nach Lage – auf dem flachen Land gibt es Leerstand, in den Zentren kann man bei Quadratmetermieten 20 Euro und mehr verlangen – und erhält es auch.

Die Berliner Idee, in den Markt einzugreifen, indem man die Mieten gesetzlich deckelt, dürfte allerdings kaum Erfolg haben. Jedenfalls nicht, wenn man mit Erfolg die Verfügbarkeit von bezahlbarem Wohnraum meint. Angesichts des drohenden Stichtages nächste Woche haben zahlreiche Vermieter noch einmal an der Stellschraube gedreht, die ihnen bleibt, nämlich die Miete erhöht. Darunter offenbar auch viele, so hört man aus den Grundbesitzerverbänden, die bislang der Versuchung widerstanden hatten. So kommt es eben, wenn angeblich gut gemeinte staatliche Vorhaben alles andere als gut sind. Denn neben den Mieterhöhungen in letzter Minute dürfte ein weiterer Effekt sein, dass manches Bauvorhaben sich nicht mehr rechnet. Selbst wenn man berücksichtigt, dass in der Zeit der Niedrigzinsen die Alternativen dünn gesät sind und dies auch bleiben werden.

Wer einer Aktienanlage noch immer meint nichts abgewinnen zu können, dem bleiben nicht viele Felder. Und Immobilien unterliegen, wie man sieht, keinem freien Spiel der Marktkräfte; staatliche Störfeuer drohen offenbar jederzeit und überall. Auf die Idee, den Wohnungsbau dadurch zu fördern, dass man die Grunderwerbsteuer senkt oder das Baurecht entrümpelt, ist bundesweit noch keine Regierung gekommen. Dabei verteuern Vorschriften und Anforderungen den Neubau von Miethäusern enorm. Ausbau von Dächern ist eine Möglichkeit in Ballungsräumen, ohne dass man neues Bauland ausweisen müsste – die sogenannte Nachverdichtung bringt jedoch regelmäßig eine Fülle weiterer Probleme mit sich, von denen die Verkehrsbelastung nur eines ist.

Enteignungsinitiativen wie in Berlin blenden dabei völlig aus, dass dies ein überaus langwieriger Prozess sein dürfte, mit ungewissem Ausgang. Dass die Steuerzahler der ganzen Republik dies am Ende auch noch bezahlen müssten, da das verschuldete Berlin sich die Entschädigungen der Wohnbau-Unternehmen gar nicht leisten könnte, wird von der Initiative natürlich nicht prominent vorgetragen. Wie das mit Schnellschüssen so ist, bleibt am Ende nicht viel Vernünftiges übrig.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Der Rundfunkbeitrag ist einfach nicht mehr zeitgemäß

Die konservative Basisbewegung innerhalb der CDU/CSU fordert die Landesregierungen auf, die Stimmung in der Bevölkerung ernst zu nehmen und umgehend Kostenschnitte für die öffentlich-rechtlichen Medienanstalten zu beschließen.

Deutschland ist über Nacht zu einer offenen Gesinnungsdiktatur geworden

Man wird in der Geschichte wohl kein Beispiel finden, welches veranschaulicht, wie in einer Demokratie von Politik und Medien so offen ein urdemokratischer Prozess dämonisiert und ein gewählter Ministerpräsident einer solchen Hasskampagne von Politikern und Medien ausgesetzt wurde, dass er und se

Wir dürfen uns von der AfD nicht die Demokratie zerstören lassen

Es gibt sie noch, die besonnenen Köpfe in der Politik. Wohltuend unaufgeregt das Interview mit Thüringens früherem Ministerpräsidenten Bernhard Vogel (CDU), Solche besonnenen Stimmen, die die Dinge vom Ende her durchdenken und nicht nur flotte Parolen oder moralische Dauerempörung im Programm h

Mit der verbrecherischen US-Oligarchie gibt es keinen Frieden und keinen „Klimaschutz“

Mit der verbrecherischen US-Oligarchie gibt es keinen Frieden und keinen „Klimaschutz“. Wenn die Grünen wirklich Frieden und Klimaschutz wollen, dann müssen sie der skrupellosen US-Oligarchie, die die halbe Welt terrorisiert, die kalte Schulter zeigen. Europa muss sich aus der Bevormundung der

Rechtsterror: Sofortmaßnahmen für eine sichere Gesellschaft

Jeder Mensch – egal, woher sie kommt, egal, wie er aussieht – muss in unserem Land sicher leben können, so Katrin Göring-Eckardt im Statement.

Sich mit der AfD wählen zu lassen, ist ein inakzeptabler Dammbruch

Es ist ein inakzeptabler Dammbruch, sich mit dem Stimmen der AfD und Herrn Höckes wählen lassen, so Ministerpräsident Bayerns Markus Söder.

Mobile Sliding Menu