Wework mit 47 Milliarden Dollar bewertet

von Reinhard Schlieker9.10.2019Gesellschaft & Kultur, Medien, Wirtschaft

Wenn man eine Arbeitsplatz-Vermietung als hippes Hightechunternehmen verkleidet und anschließend Hundert-Millionen-Dollar-Schecks einsammelt wie andere Äpfel und Nüsse, wenn man dann mit Aplomb an die Börse gehen will, damit die Venture-Kapitalisten ein paar sich hinzugesellende Anleger verzeichnen können, dann ist etwas faul. Und geht schief

Man ist versucht, zu sagen: „Natürlich“, aber ganz so natürlich ist das nicht. Auch nicht bei Firmen, deren Börsengang nur den früheren Investoren zugute kommt und die keine besonders berauschenden Zahlen vorweisen können – Teamviewer mit seiner Computer-Fernsteuerungssoftware hat das fertiggebracht und bekam die Quittung auch erst nach dem Börsengang: Nach zwei Tagen standen 15 Prozent minus unter dem Börsenkurs.

Blamabel, aber das Geld ist da (bei Permira) oder auch weg (beim Börsenanleger). Bei Wework nun wiederum kam die Quittung schon vor dem IPO. Denn die Anleger sahen gar nicht ein, warum sie ein defizitäres, grotesk überbewertetes Unternehmen kaufen sollten, wo es doch profitable Arbeitsplatz-Vermieter gibt, die nur nicht so ein Bohei machen – und an der Spitze keinen messianischen Kaiser haben mit einem unstillbaren Appetit für Geld. Wie etwa Adam Neumann, Gründer und neun Jahre lang Verwalter der hereinkommenden Millionen, jene aber nicht etwa vom Kunden, sondern von Investoren wie Softbank aus Japan. A

dam Neumann, der nicht einfach Büro-Plätze verticken, sondern „das Bewusstsein der Welt“ anzuheben vorhatte, wurde nach dem „verschobenen“ Börsengang erst einmal von der Unternehmensspitze entfernt und auf einen Posten als Vize-Chairman weggelobt. Wo er kein operatives Unheil anrichten kann, hofft man.

Unterdessen hatte das Wall Street Journal mal eben in den Privatjet des hoffnungsvollen Gründers hineingeschnuppert und getreulich berichtet, dass Neumann dort Marihuana rauche – nun ja, so ein Business Trip kann ja auch ganz schön langweilig werden. Aber hinter den offensichtlichen Fehlentwicklungen solcher Unternehmen und ihrer geldtrunkenen Gründer – man denke etwa an Uber und seinen missgeratenen Travis Kalanick – steht immer ein Phalanx von Investoren, wie etwa die japanische Softbank, die darum wetteifern, wer die größeren Deals macht (nicht etwa die besseren).

Und so kann es etwa passieren, dass Wework mit 47 Milliarden Dollar bewertet wird. Und der Gründer dann auch noch dafür sorgt, dass seine Aktien beim erhofften Listing mit den zehnfachen Stimmrechten ausgestattet sind. Warum soll man hinter die Tricks von Facebook und anderen zurückgehen? Fast erinnert die Geschichte an den Neuen Markt – aber immerhin gibt es die Produkte und Dienstleistungen von Wework (soll demnächst unter dem Namen „Welive“ auch Bereiche außerhalb des Büros erschließen) wenigstens wirklich. Das ist schon mal ein Fortschritt. Aber, wie der britische „Economist“ anmerkt: Es ist gut zu sehen, dass Investoren laut rufen, wenn der Entrepreneur kein Kleider anhat.

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