Fiat Chrysler und PSA - zusammen stark?

Reinhard Schlieker7.11.2019Gesellschaft & Kultur, Medien, Wirtschaft

Im Reich des französischen Automobilbaus, bisher nur spartenweise von Bedeutung, geht künftig die Sonne nicht unter. Von Japan mit Nissan (Renault) bis in die USA (Peugeot-Fiat-Chrysler) reicht die Verzahnung des Fahrzeugimperiums der Grande Nation.

Unter der Flagge der Europäer segeln dann nicht nur solche Schnellboote wie Maserati, sondern auch behäbigere Kampfwagen vom Schlage eines Dodge Ram. Wenn denn die Pläne des Portugiesen Carlos Tavares für die italienisch-französische Fusion (wie immer natürlich feinsinnig bemäntelt als „Unter Gleichen“) funktionieren, rundet sich das Bild der Modelle und Verfahren, denn natürlich werden die avisierten 3,7 Milliarden Euro an Synergien nur Wirklichkeit, wenn man eine disziplinierte Plattform-Politik macht, und, wie heute bereits bei Opel zu sehen ist, den ganzen Konzern auf unbedingte Effizienz trimmt.

Die Opelaner, seit 2017 bei der Peugeot-Citroen-Holding PSA unter Dach und Fach, sind nicht durchweg glücklich mit den Plänen, die immer wieder eher in Form eines Ukas aus Paris kommen. Das bislang immer mal wieder gerühmte Entwicklungszentrum der Rüsselsheimer beispielsweise wird großenteils ausgelagert und eher zum Dienstleister, und es gibt allerlei Beschwernisse im Firmenalltag, wie die IG Metall beklagt. Nun soll die kommende Fusion ohne Werksschließungen auskommen, dass sie aber Arbeitsplätze kosten wird, liegt in der Natur der Sache. Auch unterhalb der Ebene einer Schließung lässt sich so einiges straffen und trimmen, und die derzeitige Lage der Automobilindustrie gibt reichlich Gründe dafür her. Was noch nicht zu sehen ist bei beiden Beteiligten, ist die zündende Vision von der automobilen Zukunft, sei es beim autonomen Fahren, sei es einfach nur bei der energetischen Weiterentwicklung der Fahrzeugantriebe. Da bleibt einiges unbeantwortet, anderes mag Betriebsgeheimnis sein. Jedenfalls wird der fusionierte Konzern der viertgrößte Hersteller der Welt werden, auf den besonders in den USA sowohl Hoffnungen als auch Aufgaben warten. Chrysler zählt sicherlich nicht zu den Topkandidaten der neuen Autowelt, hat mit der Marke Jeep aber ein Pfund zum Wuchern, ob man die gewichtigen Landfahrzeuge nun mag oder nicht.

Dass die Franzosen auf dem US-Markt zu den Großen aufschließen können, wie etwa Toyota oder Volkswagen, dürfte ferne Zukunftsmusik sein. Aber immerhin findet PSA dort ein für sich unbeschriebenes Blatt vor. Fiat-Chrysler wiederum bringt solche Marken wie Maserati, Lancia und Alfa Romeo mit in die Firmenehe, von der zum Glück niemand behauptet, dass sie als „Hochzeit im Himmel“ geschlossen wird. Das hätte denn auch seit Daimlers Ausflug zu Chrysler eher die Anmutung einer Untergangsprophezeiung. Auf Details der ganzen Sache darf die Öffentlichkeit noch ein wenig warten. Bekannt ist immerhin, dass es ohne Bargeld abgehen soll, mit Aktientausch und Anteil der jeweiligen Partner mit 50 Prozent am neuen Konzern, der seinen Sitz schön neutral in den Niederlanden haben soll.

Wahrhaft europäisch also, und es wäre untypisch für Frankreich, wenn nicht die Regierung auch eine Meinung zu der Sache hätte. Das sei zukunftsweisend, ließ Paris verlauten, und man bekommt eine starke Ahnung, warum eine Übernahme Fiats durch Renault unlängst scheiterte: Damals hatte der französische Wirtschaftsminister bedenklich das Haupt gewiegt und sein Missfallen kundgetan. Heute dagegen ließ er seiner Überzeugung freien Lauf, dass die französische Autoindustrie Stolz hervorrufe und das auf allen Gebieten von Technik bis Forschung. Nun denn. Die Börse gewichtete das Ganze natürlich ohne schuldhaftes Zögern: Was PSA zweistellig in Prozenten verlor, gewann die Fiat-Aktie hinzu. Das ist eine eindeutige Bewertung, wer hier der Gewinner ist. Für die künftigen Anleger kann man allerdings hinzufügen: Es bleibt ja alles in der Familie.

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