Bargeld lacht… uns am Ende nur aus?

Reinhard Schlieker25.11.2019Gesellschaft & Kultur, Medien, Wissenschaft

Kontaktlos zu bezahlen bedeutet auch, sich am Geld keine Krankheitskeime einzufangen. Dagegen fängt man sich eine lückenlose Verfolgung in elektronischen Wüsten, die noch keines Menschen Seele je bereist hat. Das Grummeln über eine denkbare Abschaffung des Baren, Wahren wird langsam aber sicher immer deutlicher vernehmbar – zumindest in Deutschland, wo man traditionell denkt und handelt und neuartigem Firlefanz zunächst mit hartnäckigem Ignorieren begegnet.

Parallel zu dieser in Umfragen ermittelten Geisteslage drücken mächtige webbasierte Anbieter von Zahlungsdiensten in die Realität. Die im Dax notierte Wirecard-Aktie spiegelt trotz aller Rückschläge, teils durch schlichten Rufmord und Spekulanteninteresse verursacht, das Fortschreiten des internationalen Zahlungsverkehrswesens in Richtung Datenleitung: Es ist zu vermuten, dass selbst bei Wirecard in Aschheim bei München nicht jeder Beschäftigte eines hochqualifizierten Teams so ganz genau weiß, was Kollegen einer anderen Abteilung aushecken, schließlich ist das Geschäftsmodell hoch virtuell und nur an manchen Andockstationen mit dem Wirklichen und überhaupt Vorstellbaren verbunden.

Was keineswegs ein Schaden sein muss. Herkömmliche Banken mit stationären Filialen und einer Rechtsabteilung so groß wie ein Haus kämpfen ersichtlich um ihr Geschäft und ringen dabei mühsam um Fassung. In Skandinavien etwa verschwindet das Bare aus dem Leben, Geldautomaten stehen zwar nicht leer, aber weitgehend außer Acht gelassen, inmitten einer Gesellschaft, die selbst Kirchenkollekte und Spende für den Obdachlosen auf der Straße mit Hilfe von Karte und Code bewältigt. Kaum ein Ladengeschäft ist verpflichtet oder teils auch in der Lage, Scheine und Münzen anzunehmen; in Deutschland ist das erste solche Etablissement, ein Café in Berlin, noch mehrspaltige Zeitungsartikel wert.

Das „No-Cash-Café“ macht sich daher nicht mehr die Hände schmutzig, und dank solcher Entwicklungen wie Google Pay oder Apple Pay wird nicht einmal mehr eine physische Kreditkarte zum Vorzeigen benötigt. Die Entwicklung geht so rasend schnell, dass sich auch der deutsche hinhaltende Widerstand demnächst erübrigen dürfte. Ganz im Sinne der Banken übrigens, die mit der Besorgung, Verwahrung und Verteilung von Bargeld eine undankbare, weil teure Aufgabe haben, die sie nur zu gern loswären. Dank der Konkurrenz von seiten aufstrebender Fintechs werden die bargeldlosen Zahlungsvorgänge denn auch immer billiger für alle Beteiligten.

Während Paypal schon fast ein Dinosaurier unter den Online-Diensten ist, groß geworden zunächst als eBay-Tochter, haben solche Unternehmen wie Xendpay noch eine reiche Zukunft vor sich – schon allein deshalb, weil man internationale Geldtransfers zu Gebühren anbietet, die jeden Wettbewerber hinter sich lassen. Ein sicherlich erfolgreicher Trick dabei: Xendpay schlägt seinen Auftraggebern eine als fair empfundene Transaktionsgebühr nur vor – bestimmen kann sie der Kunde. Angesichts prohibitiver Gebühren bei Banken für eine Nicht-EU-Überweisung ist da alles andere geradezu billig.

Und Bargeldvermittler wie Western Union verdienen eigentlich nur noch an denen, die partout weder Konto noch unter Umständen eine weiße Weste haben, und lassen sich dafür fürstlich entlohnen. Immer noch in der Diskussion ist allerdings die Befürchtung, mit der Eindämmung des Barverkehrs wolle die Bankenwelt und vor allem das Finanzamt die volle Kontrolle gewinnen; eine Äußerung aus der EZB zur Abschaffung des 500-Euro-Scheins lautete damals ja denn auch: Den brauchen nur Kriminelle, Schwarzarbeiter und Steuerhinterzieher. Das würde bedeuten: Bargeld lacht… uns am Ende nur aus? Sicher nicht ganz falsch, aber bestimmen möchte hierzulande auch der ganz normale Bürger, was er für richtig hält beim Zahlen. Für Aktienkäufer stellt sich die Frage nicht, aber es wurden auch noch keine Beschwerden vernommen, wenn die Dividende unbar auf dem Konto landet.

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