China droht den USA mit Entzug von Seltenen Erden

Reinhard Schlieker7.06.2019Außenpolitik, Wirtschaft

Das Imperium schlägt zurück und prügelt zwar den Esel, meint aber den Herrn. Nachdem US-Präsident Donald Trump seit 2018 gegen Huawei vorgeht, verliert man in Peking nun seinerseits die Geduld.

Und droht den USA mit einer Einschränkung der Lieferung von sogenannten Seltenen Erden. Das sind spezielle Metalle, die zum Beispiel in Smartphones und anderen elektronischen Komponenten verbaut werden. Und zwar gar nicht so selten sind, aber eben nicht überall zu vertretbaren Kosten abgebaut werden können. China hat damit sicherlich ein Druckmittel, aber ob Druck etwas bewirkt, ist fraglich. Denn dem nachzugeben, wo es sinnvoll erscheint, wäre eine rationale Entscheidung. Hätte Donald Trump viel für Rationalität oder Pläne mit mehr als ein oder zwei Denkvorgängen übrig, dann wäre es zu dem ganzen Handelskrieg schon gar nicht gekommen. Ohne Gesichtsverlust kann er nun beispielsweise Huawei nicht mehr von seiner schwarzen Liste nehmen – gegen die der chinesische Konzern in den USA allerdings vor Gericht zieht.

Unterdessen will China eine eigene Liste mit „unzuverlässigen“ Unternehmen aufstellen – welche das sein sollen, ist unbekannt und womöglich weniger wichtig, denn die amerikanischen Firmen, die nennenswert in China tätig werden wollen wie bereits Google, Amazon oder Ebay und auch Facebook, müssen bereits jetzt ihr Geschäftsmodell den Wünschen der chinesischen Staats- und Parteiführung anpassen, werden ansonsten behindert oder geben gleich ganz auf. Angesichts der Verflechtung der Weltwirtschaft zeigt sich das ganze Ausmaß der Handelskonflikte erst nach und nach wie Domino in Zeitlupe. Google will nicht mehr mit Huawei arbeiten; Apple produziert in China und wird womöglich auf Pekings schwarzer Liste auftauchen. Deutsche Chiphersteller wie Infineon oder Kameralieferanten wie Leica arbeiten für fast alle der Genannten und werden als unbeteiligte Dritte von der Wucht der Auseinandersetzung getroffen.

Die Autohersteller sind sowieso immer vorn dabei: Die kleineren und wendigen Zulieferer haben schon vor Jahren auf die ersten Manöver der Trump-Zollvorhaben reagiert und Werke in den USA erweitert oder neu gebaut. Die Großen wie VW und Daimler tun gerade genau das – und könnten mit ihrem Konter gegen den amerikanischen Protektionismus genau wieder falsch gelegen haben, wenn sie nämlich ihre Produkte aus den USA nach China verschiffen wollen. Dort wartet die Zollbehörde dann nur schon. In umgekehrter Richtung betrifft es die Technologiekonzerne, die in China ihre verlängerten Werkbänke haben. Schließlich die neuen Drohungen und Maßnahmen gegen Mexiko: Sollten die Trump-Zölle jeden Monat um fünf Prozent steigen, wie angekündigt, hätte man binnen Jahresfrist 60 Prozent Zoll auf jeden Grenzverkehr von Teilen und Produkten.

In der deutschen Autoindustrie und ihren Werken in Mexiko könnte man sämtliche Kalkulation zerknüllen und wegwerfen. Im neu eröffneten Werk von BMW, wo die 3er-Reihe gefertigt wird, die zwar Masse, aber nicht gar so viel Marge bringt, ist jede Feier zunächst abgesagt. Allein das Errechnen der Kosten, die entstehen, wenn Zulieferungen teils mehrfach die amerikanisch-mexikanische Grenze überqueren, ist ein Alptraum. Zumal nun auch noch die Drohungen mit den Flüchtlingsströmen begründet werden, die nicht aus, aber durch Mexiko hindurch Richtung USA drängen. Kaum vorstellbar, dass der schwache mexikanische Staat dieses Kontinentalproblem lösen könnte, selbst wenn er wollte. BMW und Konsorten können es nun wohl definitiv nicht.

Der Aufbau einer Produktion in den USA hingegen, die ohne jeden ausländischen Zuarbeiter auskommt, ist in der hoch spezialisierten und komplexen Welt der Fahrzeughersteller nicht vorstellbar. Dieses Zusammenwirken mehrerer Dilemmata, die noch dazu erratisch und ohne Not von einzelnen Akteuren herbeigeführt wurden, ließ die Börsianer jüngst nun wohl sehr zu recht frösteln. Diese Sorte politische Börse dürfte keine gar so kurzen Beine haben, wie es so tröstlich sonst so oft heißt. Ob Autoindustrie, Finanzen oder Technologiewerte – eine rationale Prognose scheint derzeit noch unmöglicher als sonst schon.

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