Fiat-Chrysler und Renault-Nissan – ein weltumspannender Traumvierer?

Reinhard Schlieker3.06.2019Wirtschaft

Es muss etwas geschehen, aber es darf nichts passieren: Im denkbaren Fall eine Fusion von Fiat-Chrysler und Renault melden sich die Beharrungskräfte zu Wort.

Zum Beispiel die französische Regierung, die nur unter der Auflage, es dürfe keine Jobverluste in Frankreich geben, einer solchen Firmenfusion grünes Licht geben will. Vermutlich sind die Regierenden bereits aufgeschreckt, weil von fünf Milliarden Euro Synergie-Effekten die Rede ist, falls der italienisch dominierte Konzern und das Traditionsunternehmen aus Frankreich zusammenfinden. Dass unter den prognostizierten Einsparungen auch Stellenstreichungen sein dürften, ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen.

Gleichzeitig aber haben die Unternehmen bereits angekündigt, alle neuen freiwerdenden Mittel in Forschung und Entwicklung stecken zu wollen. Doch der französische Finanzminister, der aufgrund der Staatsinteressen bei Renault glaubt mitreden zu müssen, gibt sich auch als Experte: Bruno le Maire will zur Bedingung machen, dass im neuen Konzern auch Batteriezellen entwickelt werden. Welche Farbe die haben dürfen, hat er bisher nicht festgelegt. Da bleibt unternehmerischem Elan also ein weites Entwicklungsfeld. Man sieht an diesem Wellenschlag des italienischen Vorstoßes bereits, mit welchen Verwerfungen man bei dem Vorhaben zu rechnen hätte.

Denn der italienische Staat weiß seine Interessen genauso in die Waagschale zu werfen wie die westlichen Nachbarn. Dabei müssten sich die Regierenden eigentlich keine dramatischen Sorgen machen, denn in beiden Ländern gibt es Gewerkschaften, die sich gern mal in Aggressivität miteinander messen, und bei den Großkonzernen dürften sie hellwach sein. In Frankreich wird da mitunter ein Manager drangsaliert und muss mit zerrissenem Hemd flüchten, in Italien artet auch manche Demo gern mal aus. Angesichts dieser Umstände erscheint es doch bemerkenswert, dass die Börsen die Aktien gleich beider Firmen in die Höhe katapultierten, was in der Regel halt die Ausnahme ist:

Einer ist gewöhnlich der Dumme in einer Ehe, sagte Kurt Tucholsky über feste Bindungen, wenn auch beim Menschen: Nur wenn zwei Dumme heirateten, dann könne das gutgehen. Wofür es im Wirtschaftsleben bekanntlich Beispiele zuhauf gibt, eines sogar unter Beteiligung des amerikanischen Chrysler-Konzerns. Damals lobte Bräutigam Daimler diese Hochzeit im Himmel, wie es hieß.

Derzeit ist Chrysler also schon in zweiter Ehe gebunden, die dritte folgt vielleicht (wenn auch die Partner nicht wechseln diesmal, sondern nur mehr werden). In den meisten Fällen gehen solche Fusionen schief, je größer, desto schlimmer, weiß die Statistik. Die Riege der europäischen Manager, die sich bei so einem Vorhaben verhoben haben, reichte locker für ein Fußballmannschaft samt Ersatzspielern und allem.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Die USA praktizieren den Terror

US-Präsident Trump will keinen Frieden im Nahen Osten, sondern Krieg. Aber selbst in deutschen Medien wird die gezielte Tötung des iranischen Generals Soleimani mit dem Kampf gegen den Terror gerechtfertigt. Eine besonders dreiste Lüge.

Terror von Links wird nicht bekämpft

Nach den linksterroristischen Ausschreitungen an Silvester war Leipzig-Connewitz in aller Munde und vor allem in den Schlagzeilen. Dabei ging nicht nur unter, dass es bundesweit Ausschreitungen mit Angriffen auf Polizei und Rettungskräfte gegeben hat, sondern dass auch die Thomaskirche in Leipzig d

Warum bleibt die FDP so schwach?

Zu Beginn des Jahres 2020 wird in der Innenpolitik heftig über das Werben von CSU-Chef Markus Söder für einen Umbau der Bundesregierung debattiert. Über die verhaltene Reaktion der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer. Und über die Forderung des neuen SPD-Vorsitzenden Norbert Walter-Borj

„Kosten- und Programm-Exzesse der öffentlich-rechtlichen Sender spalten die Gesellschaft“

Die konservative Basisbewegung innerhalb der CDU/CSU setzt sich dafür ein, die Finanzierung und Programmgestaltung der öffentlich-rechtlichen Sender wieder auf deren Kernaufgaben zurückzuführen.

Die Bundesregierung muss Donald Trump die Gefolgschaft verweigern

Dritter Tag im neuen Jahrzehnt und ein Krieg mit gigantischen Folgen droht. Die US-Morde an dem Kommandeur der iranischen Quds-Brigaden Qassem Soleimani und dem Vizekommandeur der irakischen Volksmobilmachungskräfte (PMF) Abu Mahdi al-Muhandis sollen offenbar einen US-Krieg gegen den Iran vom Zaun

Frau Merkel, treten Sie endlich zurück

Vera Lengsfeld hat einen offenen Brief an die Kanzlerin geschrieben. Und bemerkt: "Alle Fehler ihrer Kanzlerschaft aufzuzählen würde den Rahmen dieser Ansprache sprengen. Deshalb seien nur die verheerendsten genannt." Welche es sind, lesen Sie hier.

Mobile Sliding Menu