Uber kurz vor Mega-Börsengang | The European

Uber-Eifer schadet nur

Reinhard Schlieker17.04.2019Wirtschaft

Der Fahrtenvermittler peilt eine Marktkapitalisierung von 100 Milliarden Dollar an und will zehn Milliarden einnehmen. Dieses angestrebte Börsenvolumen könnte selbst das bombastische Wall-Street-Debüt der Alibaba Group 2014 in den Schatten stellen. Was Anleger jetzt wissen sollten.

5b06ada8f0.jpeg

Shutterstock

Der Fahrdienstleister Uber aus Amerika will an die Börse, und man darf prognostizieren, das wird man schaffen. Und eine Menge Geld einstreichen. Sehr viel Geld. Denn nach dem Börsengang von nur zehn Prozent der Unternehmensanteile will man dem Vernehmen nach zehn Milliarden Dollar in der Kasse haben – der Gesamtkonzern soll dann hundert Milliarden Dollar wert sein.

Das ist eine stolze Zahl, aber Uber legte nun ebenfalls stolze Zahlen vor, nur leider teils mit dem Minuszeichen davor. Denn bei einem Umsatz von 11,3 Milliarden Dollar blieben nun zwar knapp eine Milliarde Gewinn hängen, im Vorjahr allerdings hatte man den stolzen Verlust von vier Milliarden gemeldet. Allerdings: Der Gewinn hat nichts mit dem operativen Geschäft zu tun, denn das brachte ein Minus von 1,8 Milliarden ein.

Immerhin, die Richtung scheint zu stimmen, denn auch der Umsatz ist von 2017 auf 2018 um 42 Prozent gewachsen. Typische Start-Up-Zahlenwerke erwarten also die Analysten. Gewinn ist doch was von gestern. Wenigstens bleibt es übersichtlich, denn den Taxikonkurrenten Uber gibt es erst seit knapp zehn Jahren, das ist etwas anderes als Ford oder GM oder sogar Apple. Uber hat rund um den Globus Expansion auf seine Fahnen geschrieben, vielerorts allerdings stößt man auf Widerstand. In Deutschland ist Uber sein Brot- und Buttergeschäft verboten, denn die Vermittlung privater Fahrer samt Pkw via App auf dem Smartphone verstößt gegen einige Vorschriften – die wiederum das Taxigeschäft streng regeln.

Wo Uber versucht, Lücken zu finden, etwa in dem Angebot, professionelle Autovermieter in sein Geschäftsmodell einzubinden, protestiert das Taxigewerbe, wie gerade in der abgelaufenen Woche in vielen deutschen Städten zu sehen. Wie zum Hohn startete Uber gerade jetzt sein Angebot in Köln. Allerdings könnten die Amerikaner mit dafür verantwortlich sein, dass sich die behäbigen Taxler inzwischen auch via Internet anbieten und ähnliches Neumodische mehr. Die teils skurril anmutenden Regeln für das Kraftfahrtwesen zur Personenbeförderung lesen sich dagegen wie aus der Zeit gefallen. Natürlich gibt es auch Taxi-Festpreise, von den Kommunen höchstamtlich bestimmt, von Schwarzfahrern gern mal ausgehebelt werden, aber das ist eine andere Geschichte.

Uber verdient an den Vermittlungsgebühren für den Fahrdienst. Und investiert in verwandte Gebiete, seien es autonomes Fahren, Lastentransport, E-Mobilität auch per Fahrrad und dergleichen. Interessanterweise, um auf die Börse zurückzukommen, legt Uber in den Unterlagen für die Börsenaufsicht SEC haarklein dar, dass das Unternehmen womöglich niemals Gewinne schreiben werde. Schließlich arbeiten auch andere am autonomen Fahren, nicht zuletzt Tesla oder Google mit der Tochter Waymo. An die man übrigens regelmäßig Lizenzzahlungen einzurechnen hat. Da scheint der geplante Börsengang im Mai geradezu uber-mütig, wenn nicht glatt uber-geschnappt. Konkurrent Lyft wurde an der New Yorker Börse gehypt – kurz darauf verlor die Aktie, bis heute rund 15 Prozent. Geschickte PR-Strategen werden aber sicher auch für Uber eine „Story“ finden. Wenn die auserzählt ist, dann rette sich wer kann.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Große Kabinettsumbildung für die Ampel

Nancy Faeser könnte bald eine größere Kabinettsumbildung der Bundesregierung auslösen. Die Innenministerin strebt offenbar nach Hessen, um dort im kommenden Jahr neue Ministerpräsidentin zu werden. Für die unglückliche Verteidigungsministerin Lambrecht wäre dann eine bessere Verwendung greif

Steinkohlekraftwerke melden ein Plus von 32 Prozent

Der Energieverbrauch in Deutschland wird 2022 voraussichtlich um 2,7 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres liegen. Zu dieser Einschätzung kommt die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AG Energiebilanzen) auf Grundlage der aktuellen Daten zum Energieverbrauch der ersten neun Monate des laufenden

Die Bedeutung der Familie wird unterschätzt

Wem die Stärkung der Familie ein Anliegen ist, hat oft das Gefühl, einen aussichtslosen Kampf zu führen. Und tatsächlich dominieren Schlagzeilen, die den Eindruck vermitteln, die klassische Familie sei ein Auslaufmodell. Das wahre Stimmungsbild der Bevölkerung sieht hingegen ganz anders aus. Hi

Treten Sie zurück, Herr Infantino!

Der FIFA-Präsident verkörpert die zynische Geldgier und offene Korruption des Fußballverbands. Mit höhnischen Auftritten verschlimmert er den Skandal um die Katar-WM immer weiter. Es wird Zeit, dass die mächtigen Fußballverbände Europas endlich einen Neuanfang einfordern. Von Wolfram Weimer

Die Ukraine kämpft für unsere Werte – nur werden wir diesen auch gerecht?

Es ist immer wieder davon die Rede, die Ukraine kämpfe auch für unsere westlichen Freiheiten. Nur was meinen wir eigentlich, wenn wir von Freiheit sprechen? Von Florian Maiwald

Prominente Gäste feiern „SignsAward“-Jubiläum in BMW Welt  

Hohe Auszeichnung für Judith Gerlach, Victoire Tomegah Dogbé, Nicola Sturgeon, Fabian Hambüchen, Cassandra Steen, Max Mutzke und Lore Bert: Sie werden in der BMW Welt München mit dem „SignsAward“ ausgezeichnet.

Mobile Sliding Menu