Coming soon? Deutsche Commerzbank AG

von Reinhard Schlieker1.03.2019Wirtschaft

Die Fusion der beiden noch verbliebenen deutschen Privatbanken von grĂ¶ĂŸerer Bedeutung wird immer mal wieder als Möglichkeit ventiliert, um aus den zwei geschrumpften GeldhĂ€usern einen Player zu schmieden, der international auftreten kann.

Es ist mal wieder soweit – offenbar denkt man im Finanzministerium an ein solches Projekt, was am Ende auch dazu fĂŒhren sollte, die Bundesbeteiligung von gut 15 Prozent an der Commerzbank aufzulösen.

Aber die Fachleute sind sich bei diesem Thema noch uneiniger als es generell zu erwarten wÀre. In der Tat stehen der Schaffung eines bedeutenden Hauses zahlreiche Widrigkeiten entgegen.

Unbestreitbar brĂ€chten die fusionierten Institute deutlich mehr auf die Waage als jeder allein, wenn es um den globalen Auftritt ginge. Aber immer noch zwergenhaft wirkend gegenĂŒber solchen Giganten wie Goldman Sachs zum Beispiel. Insgeheim hoffen Verfechter einer Fusion wohl erst einmal darauf, dass die Finanzierung der deutschen Exportindustrie, und hier vor allem des Mittelstandes, auf Dauer gesichert wĂ€re. Bei geschicktem Management und gĂŒnstiger Marktlage sollte zudem ein erneutes Wachstum denkbar sein – und das möglichst nachhaltiger und vor allem gesetzeskonformer als es in den Jahren vor der Finanzkrise zu beobachten war. Gegen die Verbindung spricht nach wie vor, dass zwei Lahme noch keinen Gesunden ergeben, wenn man sie zusammenspannt. Außerdem wĂ€re eine riesige Kapitalerhöhung bei der Deutschen Bank notwendig – von denen gab es in den letzten Jahren schon so einige, die allerdings kaum zu höherer Kapitalquote beim Bankhaus fĂŒhrten, sondern vor allem Strafzahlungen ermöglichen mussten.

75 Prozent der GroßaktionĂ€re mĂŒssten dann zustimmen – selbst wenn man einrechnet, dass bei Hauptversammlungen angesichts geringer Beteiligung schon ein weit niedrigerer Prozentsatz zur Verabschiedung reichen wĂŒrde, bleibt da viel Überzeugungsarbeit. Von den nennenswert Beteiligten scheint nur der Investor Cerberus nicht abgeneigt; Cerberus ist an beiden BankhĂ€usern beteiligt. Skeptisch zeigte sich unlĂ€ngst der deutsche Mittelstand, der Konkurrenz unter den beiden börsennotierten Banken fĂŒr besser hĂ€lt als die Vorherrschaft eines großen Hauses – wobei angesichts des deutschen Drei-SĂ€ulen-Modells mit Sparkassen und Kreditgenossenschaften eine völlige Dominanz wohl kaum denkbar wĂ€re.

Am Ende fĂ€llt dann noch ins Gewicht, dass Doppelstrukturen abgebaut werden könnten – von Filialen bis hin zur Unternehmens-IT. Gerade in letzterem Bereich allerdings hat die Commerzbank so ihre eigenen Erfahrungen gemacht: Nach der Übernahme und Eingliederung der Dresdner Bank wirkten manche Bereiche ĂŒber lange Zeit wie paralysiert, schon allein die Angleichung der Kontonummern der beiden KundenstĂ€mme war wohl ein computertechnischer Alptraum. So etwas könnte sich eine fusionierte Deutsche Commerzbank kaum leisten, ohne ins Trudeln zu geraten. ArbeitsplĂ€tze wĂŒrden natĂŒrlich wegfallen mĂŒssen, und Unternehmensteile, auch auslĂ€ndische Beteiligungen, stĂŒnden zum Verkauf an.

Die Finanzaufsicht und die Kartellbehörden hĂ€tten mitzureden – man sieht, es wĂ€re fĂŒr GesprĂ€chsstoff auf Jahre hinaus gesorgt. Die GerĂŒchte und Planspiele sorgten jedenfalls bei beiden Bankaktien fĂŒr leichte Erholung, wobei sich die Commerzbank auch in Sachen Wertsteigerung an der Börse aus sich heraus auf einem guten Weg sieht. Das zĂŒndende GeschĂ€ftsmodell haben aber wohl beide nicht gefunden, sonst wĂŒsste man davon. Das wĂŒrde sich mit einer Fusion nicht wie von selbst ergeben, ist zu fĂŒrchten. Womöglich wĂŒrde die BeschĂ€ftigung mit sich selbst, die unsere Zeit prĂ€gt, sogar noch in die Zukunft verlĂ€ngert. Das mag wohl das entscheidende Argument gegen eine Verbindung der ungleichen Schwestern sein.

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