Huawei - beliebtes Objekt von Verschwörungstheorien?

von Reinhard Schlieker12.02.2019Außenpolitik, Wirtschaft

Der Riesenkonzern Huawei weist zwei ganz besondere Merkmale auf: Zum einen ist er dem DurchschnittsbĂŒrger weitgehend unbekannt. Zum anderen aber bevölkert er fast jedes deutsche Heim – ohne dass es der Kunde von Telekom oder Vodafone oder Telefonica ĂŒberhaupt merkt. Das genau macht Huawei zum beliebten Objekt von Verschwörungstheorien, aber auch ernsthaften Sicherheitsbedenken.

Denn das Technologieunternehmen beherrscht in der Tat weite Strecken der deutschen NetzwerkausrĂŒstung – ohne diese wĂŒrde es zappenduster im Internet deutscher PrĂ€gung. Paranoia allerdings ist nicht angezeigt. Wenn der amerikanische PrĂ€sident Huawei von AuftrĂ€gen zum Netzwerkausbau einfach ausschließt, weiß niemand, wer denn dann zum Zuge kommt und womöglich ebenfalls unter Verdacht gerĂ€t, die Daten seines Netzes an bestimmten Knotenpunkten einfach abzugreifen.

Bei Huawei, selbstverstĂ€ndlich gut verdrahtet mit der KP Chinas und höchsten Regierungskreisen, gibt es den Vorwurf, man fische in den Daten westlicher Industriegesellschaften nach interessantem Material, welches dann stantepede in Peking lande. Bewiesen ist nichts – und der deutsche Statthalter des Konzerns stellt die entwaffnende Frage: Da allgemein bekannt ist, dass die Wettbewerber jedes Bauteil der Konkurrenz auseinandernĂ€hmen und analysierten, wĂ€re dann nicht lĂ€ngst eine Schnittstelle zum Abhören gefunden worden?

Die SorgentrĂ€ger allerdings trauen Huawei offenbar zu, noch im Geheimsten ihren Datenklau zu betreiben – schon eine Art Kompliment fĂŒr das Unternehmen, das als langjĂ€hriger Partner und AusrĂŒster der Deutschen Telekom hierzulande groß und unentbehrlich wurde. Letzteres ist auch der Grund wohl dafĂŒr, dass die Bundesregierung dem Vorbild der USA, Australiens und Neuseelands sowie Kanadas nicht folgt, die Chinesen als unerwĂŒnschte Firma zu erklĂ€ren. Die Gefahr der Industriespionage beim geplanten Ausbau des Mobilfunknetzes schĂ€tzt man also eher als geringwertig ein.

Aber ganz generell gilt: Jeder Router, jede Zwischenstation im weltumspannenden Netz kann DurchlĂ€ssigkeiten aufweisen. Die natĂŒrlich nicht gewollt sind und im Regelfall nach Bekanntwerden geschlossen werden. Wenn man auch von seiten der Industrie, und nicht einmal nur durch Hacker, solche LĂŒcken eine Weile nutzen will, ehe man sie bekanntmacht, dann ist dagegen erst einmal kein Kraut gewachsen. HintertĂŒren lĂ€sst sich oftmals auch der Staat selbst einbauen, um KriminalitĂ€tsbekĂ€mpfung zu ermöglichen – aber was wohl sonst noch alles? Huawei scheint in eine ungĂŒnstige Diskussionslage geraten zu sein.

Die generelle Stimmung gegenĂŒber chinesischen Investoren schlĂ€gt durch. Gerade hat Wirtschaftsminister Altmaier ein Industriekonzept vorgestellt, das mehr Staat in die Wirtschaft bringen wĂŒrde, und als Kollateralschaden auslĂ€ndische Investitionen in Deutschland eher behindern dĂŒrfte. Das geht auf Kosten des Wohlstands, aggressive Chinesen hin oder her. Und nicht zu vergessen: Mehr als die HĂ€lfte der Anteile deutscher Dax-Unternehmen werden von auslĂ€ndischen Investoren gehalten. Man tĂ€t gut daran, niemanden unter Generalverdacht zu stellen, sondern stattdessen konkrete Ermittlungen anzustellen und gegebenenfalls Beweise vorzulegen. Alles andere schĂŒrt ein Klima, das wir uns nicht wĂŒnschen sollten.

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