Thyssenkrupp braucht eine gute Führung

von Reinhard Schlieker29.07.2018Wirtschaft

Thyssenkrupp stand vor der Überschuldung, riesige Fehlinvestitionen in Brasilien und den USA lasteten auf der Bilanz, und das jüngste Joint-Venture-Geschäft mit Tata Steel aus Indien ist eher Nothilfe als ein guter Deal. Dennoch: In dem Unternehmen vereint sich ein Stück deutsche Industriekultur, die, richtig gemanagt, durchaus schöpferisch und gewinnorientiert zugleich sein kann.

Ein verdutztes Kind steht vor dem eingestürzten Haus aus Bauklötzen und staunt. Dabei wollte es doch nur einen schönen runden roten Baustein herausnehmen – leider befand sich der ganz unten links und stützte das ganze Gebilde.

So etwa dürfte man sich es vorstellen, was Paul Singer, der Bestimmer beim Hedgefonds Elliott, plötzlich erlebte, als bei Thyssenkrupp, wo der Hedgefonds mit drei Prozent einen nun wirklich nicht bestimmenden Anteil besitzt, im ersten Moment empfunden haben mag, als Vorstandschef Heinrich Hiesinger und nun auch der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Ulrich Lehner, ihre Posten ohne weitere Auskünfte an die Öffentlichkeit räumten.

Doch, halt: Ulrich Lehner ließ noch verlauten, dass er die Aktivitäten gewisser Aktionäre als Psychoterror einordnen würde. Was wiederum Elliott auf die Palme brachte. Jedenfalls stand Thyssenkrupp, aus einigen der traditionsreichsten deutschen Ruhrkonzerne geformt, zwischenzeitlich recht führungslos da.

Der amerikanische Hedgefonds Elliott hat, ohne Rücksicht auf den ebenfalls beteiligten, durchaus aktiven Aktionär Cevian aus Schweden (18%) zu nehmen, schon seine Pläne für den Wiederaufbau geäußert.

Die Krupp-Stiftung, mit 21 Prozent größter Einzelaktionär, war von Alfried Krupp ausersehen gewesen, jene Stabilität zu wahren, die Elliott nun so heuchlerisch äußerte – und zwar bei der Ernennung von Finanzvorstand Guido Kerkhoff zum Interimsvorsitzenden. Man machte aber gleich klar, dass der neue Chef von außen kommen solle – Frechheit siegt, das Motto kennt man von Paul Singer. Leider fühlte sich zunächst in der ganzen Hektik nicht einmal die Stiftungsvorsitzende Prof. Gather berufen, Elliott mal ein deutliches Signal zu senden, die IG Metall auch nicht, und Cevian hält sich heraus. Dabei könnte Cevian zusammen mit der Stiftung dem unangenehmen Hedgefonds mal zeigen, was man von ihm hält und wo sie sich hintrollen können.

Richtig ist: Thyssenkrupp stand vor der Überschuldung, riesige Fehlinvestitionen in Brasilien und den USA lasteten auf der Bilanz, und das jüngste Joint-Venture-Geschäft mit Tata Steel aus Indien ist eher Nothilfe als ein guter Deal. Auch stimmen die Bemerkungen nachdenklich, dass allein die Aufzugsparte von Thyssenkrupp an der Börse mehr wert wäre als der ganze Konzern (13 Mrd. Euro). Aber das sind Momentaufnahmen. In dem Unternehmen vereint sich ein Stück deutsche Industriekultur, die, richtig gemanagt, durchaus schöpferisch und gewinnorientiert zugleich sein kann. Gegen eine ruhig und besonnen geplante Abspaltung spricht nichts – siehe Siemens. Dazu braucht man aber eine fachkundige Führung der Krupp-Stiftung und einen schlagkräftigen Vorstand. Was man nicht braucht, sind Zockerbuden wie Elliott. Und wenn man näher hinsieht, haben die eigentlich überhaupt nichts zu melden.

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