Mr. Trump ist schlecht fürs Business

Reinhard Schlieker15.07.2018Außenpolitik, Europa, Wirtschaft

Deutschland ist völlig unter der Knute Russlands, macht schlechte „Deals“ und überhaupt, was für ein Sch…land. Nun ja, eindimensionales Denken sei weit verbreitet, man gewöhne sich an Trump, so lässt Ursula von der Leyen, die jetzt plötzlich vier Prozent des deutschen BIP für Rüstung auf den Tisch legen soll, beiläufig verlauten. Und überhaupt: Was versteht Trump schon von Gas-Pipelines?

Wenn man es sich so einfach machte wie Herr Trump, könnte man seine neuesten Aussagen ignorieren und auf den nächsten Clou des Mannes warten, der sich benimmt wie die sprichwörtliche „Loose Cannon“ auf dem Schiffsdeck. Wir sollten es uns aber bewusst nicht so einfach machen, denn der amerikanische Präsident spricht auch im Ausland immer zu seinem Publikum zu Hause – deutsche oder französische oder auch britische Wähler interessieren ihn kein bisschen. Und was schlechte Deals betrifft: Die allerschlechtesten macht Trump gerade selbst und merkt es nicht einmal. Die deutschen Gasgeschäfte mit Russland sind ein guter Deal für Deutschland (und Nordeuropa), denn der europäischen Energieversorgung wird ein wichtiger Baustein hinzugefügt; keiner, der unabdingbar wäre, aber ein wichtiger.

Russland braucht das Geld, denn ohne Gaskunden kein Export. Daher wird man seine Abnehmer, zumindest wenn sie ansonsten stark genug sind, tunlichst nicht verprellen. Mancher vermutet, dass Trump mit seinen Rundumschlägen – zu China kommen wir noch – die möglichen Verhandlungspartner weichkochen will, um am Ende einen guten Abschluss zu erzielen. Das entbehrt jedoch jeder Logik. Kein Autokäufer käme auf die Idee, zum Händler seines Ver- oder Misstrauens zu gehen und diesen zunächst einen Gauner und Betrüger zu schimpfen, um zum Schluss ein paar Prozente mehr vom Preis seines Golf oder Astra abgezogen zu bekommen. Viel eher wird er einfach hinausgeworfen.

Der Mann hat keinen Schimmer

Worüber Trump sich (angeblich) am meisten aufregt, ist, dass bei den Verteidigungsausgaben nur vier europäische Nato-Staaten es schaffen, zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts fürs Militär auszugeben, was im übrigen nur eine Absichtserklärung bis 2024 ist, so dass eine heutige Beurteilung keine Bedeutung hat. Diese Kritik aber zeigt, dass der amerikanische Immobilien-Geschäftsmann keinen Schimmer hat, was Prozentpunkte von absoluten Zahlen unterscheidet. Denn die zwei Prozent Ausgaben kann man jederzeit erreichen, wenn des BIP schrumpft – deshalb ist Griechenland unter den vieren. Griechenland, der Nato-Partner, der ohnehin traditionell eine wahre Hochrüstung betreibt – und zwar wegen eines ebenso traditionell verfeindeten anderen Nato-Partners: der Türkei. Vom 15. Jahrhundert waren die Hellenen schließlich türkisch unterjocht, und erst der Wiener Kongress von 1815 konnte hier Abhilfe und Rettung schaffen.

Deutschland hingegen erhöht den Wehretat, zudem gerade heftig in der Diskussion für den kommenden Haushalt, regelmäßig. Die Wachstumskurve ist deutlich sichtbar. Da das BIP ebenfalls wächst, steigern sich die Ausgaben, jedoch nicht der prozentuale Anteil. Und Trump, der das vielleicht sogar sieht, legt gleich noch einen drauf: vier Prozent müssen es nun sein! Fakten hin, Fake her: Da sieht Merkel-Deutschland gleich doppelt alt aus.

Muskelspiele vor dem Muskelprotz-Treffen

Dabei sind alle theoretischen Aufsummierungen Milchmädchenrechnungen, und die halbe Welt fällt prompt darauf herein. Denn, und das weiß der Immobilienkaufmann um die Ecke sofort, es kommt entscheidend darauf an, was man für sein Geld am Ende erhält. Wer sein Immobilienbudget für sumpfigen Grund ausgebe, kann natürlich tolle Zahlen vorweisen – prozentual. Aber noch längst kein standfestes Haus. Amerika unterhält im wohlverstandenen Interesse eine militärische Präsenz rund um die Welt, was die Nato nicht muss und nicht will. Das kostet eben. Allein die Pensionen für das US-Militärpersonal im Ruhestand ergeben eine beeindruckende Ziffer – die in die Berechnung natürlich einfließt

Viel eher als Grund für das Deutschland-Bashing ist anzunehmen, dass Trump, der sich im Übrigen mit Russlands Wladimir Putin treffen wird, im Vorfeld jenes Treffens zu Hause in den USA demonstrieren will, dass er eben – im Gegensatz zu Deutschland – kein Vasall der Russen ist. Da sind ja schon vor längerem in Washington einige Zweifel aufgekommen, so zum Beispiel rund um seinen Wahlkampf. Und gerade, weil die Zweifel nicht hinwegzutwittern waren, will er denen er nun wohl in Helsinki höchstpersönlich entgegenreiten.

Hinzu kommt, dass er die Eskalationsspirale mit China weiterdreht, ohne dass er damit dem Ziel, Amerika wieder ganz groß zu machen, auch nur einen Zentimeter näherkommt. Denn die Zollstreitigkeiten beginnen, die natürlichen Trump-Anhänger in den USA massiv zu schädigen. Da sind die Stahlhersteller, die bei bestimmten Spezialstählen auf Importe aus Europa, vor allem Deutschland, angewiesen sind und nun 25prozentigen Kostensteigerungen entgegensehen. Da sind die Motorradtüftler bei Harley-Davidson, die ihre Erlöse im zweitwichtigsten Markt Europa schwinden sehen, und da sind nun auch die Farmer, die Soja-Anbauer im mittleren Westen der USA, die plötzlich die gewohnten Exporterlöse nicht mehr in Aussicht haben. Die alle gilt es vor den Kongresswahlen im Herbst wieder zu beruhigen, und da hat Trump eben nur wenige Mittel zu seiner Verfügung – große Worte sind schon das bedeutendste.

Am Ende könnte man, mit Blick auf die US-Importe von Elektronikbauteilen aus China, zu dem Schluss kommen, dass die USA „total von China kontrolliert werden“. Und diese Aussage wäre, wenn auch nicht wahr, so doch sicherlich wahrer als die postulierte Abhängigkeit Deutschlands von Russland. Der Nato-Gipfel geht weiter, die bilateralen Treffen Trumps auch, und für bittere Unterhaltung ist gesorgt.

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