Eine schuldenfreie Wirtschaft ist beinahe eine Utopie. John Lanchester

Die Fifa stinkt wie eh und je

Darf man in diesen Tagen Kritisches zur Fußball-WM sagen, oder vielmehr deren pekuniären Randbedingungen? Man muss, aber nicht nur. Vom Kopfe her stinkt es bei der Fifa wie eh und je.

Die Weltmeisterschaft in Russland führt, wie selbstverständlich zu erwarten, zu Sportbegeisterung rund um den Globus. Beim Endspiel werden vermutlich wieder mehr als eine Milliarde Zuschauer via TV und Internet dabeisein. Ein Marketingwert von unschätzbarem Ausmaß, und das weiß natürlich – neben den Sponsoren, Werbetreibenden und Ausrüstern – vor allem der Weltverband Fifa. Darf man in diesen Tagen Kritisches zur Fußball-WM sagen, oder vielmehr deren pekuniären Randbedingungen? Man muss, aber nicht nur. Vom Kopfe her stinkt es bei der Fifa wie eh und je.

Korruptionsverdacht, Skandalfälle und arrogantes Gebaren sind kaum mehr Nachrichten wert. Die Zustände in den Ländern, an die nach undurchdringlichen Prozeduren jeweils die Austragung vergeben wird, interessieren die Fußballfunktionäre nicht. Die schrecklichen Opfer, unter denen in Katar die Logistik für 2022 aufgebaut wird? Hin und wieder mal das Schlimmste von der Baustelle im Fernsehen, ansonsten geht es weiter, und es geht um viel Geld. Den Sportsfreunden darf man dies nicht anlasten, schließlich ist der Wunsch nach sportlicher Unterhaltung zunächst einmal völlig unschuldig. Dass diejenigen, die dem nachkommen und das Weltspektakel inszenieren, keinen moralischen und vielleicht auch sonst keinen Kompass haben, weiß man nicht erst seit Sepp Blatter, der in seiner Wurstigkeit unübertroffen bleibt.

Wer etwas daran ändern könnte, wären die Sponsoren, allen voran Adidas, Nike und auch Puma; allerdings sind inzwischen die Sportartikelmärkte so weit zerfasert, dass sie keineswegs mehr so viel Druck ausüben könnten wie das noch vor acht Jahren etwa der Fall gewesen wäre. Wäre. Denn an dieses heiße Eisen traute sich noch niemand heran, und die jeweiligen Aktionäre hätten es wohl ebenfalls nicht goutiert. Jede Lücke wird neuerdings von fernöstlichen Konzernen gefüllt, Elektronik-Konglomerate aus China machen Bandenwerbung und mehr, nicht jeder westliche Zuschauer kann mit den prangenden Namen noch etwas anfangen: Hisense, Vivo, Yadea. So können russische Oligarchen dank Putin und demnächst auch nahöstliche Scheichs die ohnehin schon prallvollen Hände aufhalten, ohne sich unangenehme Fragen gefallen lassen zu müssen.

Gut zehn Milliarden Euro kostet die WM in Russland, Katar will mindestens 15 Milliarden Euro ausgeben. Dafür werden immer mehr Sponsoren gebraucht, die dann natürlich auch gern Mitsprache wollen. Hinter arabischen und chinesischen Konglomeraten stehen immer auch Staat und Politik. Nicht ausgeschlossen, dass sie auf Dauer auch das Gesicht des Wettbewerbs selbst bestimmen: Dass ab 2026 nicht weniger als 48 Mannschaften um den Titel kämpfen sollen, geht wohl auf deren Druck zurück. Die Fifa darf sich immer mitfreuen. Bereits jetzt erlöst sie am Ende gut 5,5 Milliarden Euro aus der Russland-WM, die 211 nationalen Verbände freuen sich mit. In der Schweiz, dem Sitz der Fifa, laufen zahlreiche Ermittlungsverfahren wegen Korruption, manche angestoßen vom FBI, der gefürchteten Bundespolizei aus Amerika. Jenes Amerika, das mit allerlei Ränkespielen die Austragung der Weltmeisterschaft 2026 erreichte. Gegen diese Hydra scheint kein Kraut mehr gewachsen. Man erfreue sich an den Spielen.

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